Anna Huber “tasten“ | Dampfzentrale Bern

Die Erforschung innerer und äusserer Räume

Die international renommierte Berner Choreografin Anna Huber, seit 2007 Artist in Residence in der Dampfzentrale, erhält den Tanz – und Choreografiepreis 2010 und begeistert mit ihrem neusten Stück “tasten”.

Die Schweizer Tänzerin und Choreografin Anna Huber wurde am  25. Oktober im Rahmen des Festivals Tanz in. Bern mit dem Schweizer Tanz- und Choreografiepreis 2010 für ihr bisheriges Werk geehrt. Ein Werk, welches sich durch Brillanz und dezidierte Eigenständigkeit auszeichnet. Anna Huber hat diesen Preis verdient, denn sie ist eine der wichtigsten und innovativsten Schweizer Tanzschaffenden und eine der wenigen, die auch international Anerkennung finden.

Erforschen und Ertasten von Räumen
In ihrem neusten Stück “tasten” geht es um das Erforschen von inneren und äusseren Räumen, Dimensionen, Perspektiven und Imaginationen. Der unmittelbare Entstehungsprozess in der Interaktion mit dem Klavierduo Huber/Thomet ist das eigentliche Thema an diesem Abend. Ertastet wird der Raum, mit Händen und Füssen. Geformt wird der Raum durch das Eintreten des menschlichen Körpers. Es ist ein dynamisches Raumverständnis, welches hier zugrunde liegt. Der Raum existiert nicht an sich, sondern wird vielmehr erst in der Interaktion hervorgebracht. Indem sich die Performer zu ihm verhalten und ihn mit dem Eintreten ihrer Körper formen und verändern. Die Grenzen zwischen Performer und Musiker beginnen zu verschwimmen, wenn Anna Huber sich ans Klavier setzt oder wenn die beiden Musiker mit ihr gemeinsam beginnen, den Raum zu durchqueren und zu ertasten. Spürbar wird dabei die Aufmerksamkeit und Konzentration innerhalb des Bühnengeschehens, das bewusste Wahrnehmen und sensible Aufeinandereingehen der Bühnenpartner. Ganz konkret spielt der Titel aber auch auf die Tasten des Klaviers an. Die “tasten“ der Instrumente lösen Reaktionen aus – Bewegungen, Gesten, Töne. Neben den Körpern und den beiden grossen schwarzen Flügeln und den drei kleinen roten Kinderpianos fungiert auch das Licht als wichtiges Bühnenelement. Es lässt die Körper Schatten auf die weissen, mobilen Leinwände werfen und formt den Raum plastisch weiter aus.

Ein Lob auf die Konzentration und die Konsequenz
Sehr berührend sind die explizit getanzten Momente, in denen sich die bereits 45-jährige Tänzerin unglaublich geschmeidig zu bewegen weiss. Berührend ist auch der Moment der Übergabe des auf sFr. 30’000.- dotierten Schweizer Tanz- und Choreografiepreises 2010. Die Tanzwissenschaftlerin Christina Thurner hielt eine sehr schöne Laudatio für die Tänzerin. Dabei lobte sie insbesondere die Konzentration und Konsequenz mit der Anna Huber sich ihrer tänzerischen Arbeit und Auseinandersetzung widmet. Aber auch die stetige Weiterentwicklung und Erforschung einer dezidiert individuellen Bewegungssprache. Genau diese Bewegungssprache gibt Anna Hubers Stücken eine ganz persönliche Note. Sie zeichnet sich durch filigrane Klarheit und Luftigkeit aus. Unverkennbar ist auch der experimentelle Charakter. Tanz als zeitgenössische Kunstform, verstanden als eine kontinuierliche Forschungsarbeit, ein fortwährendes Hinterfragen.

Danach überreichte Annette Ringier Anna Huber den diesjährigen Preis. Und man gönnt es dieser zierlichen Person, die es immer wieder auf verblüffende Weise schafft, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und das Publikum zu begeistern, von ganzem Herzen.

Besprechung der Aufführung am 25. Oktober 2010

Weitere Vorstellungen am 15./16. November 2010 im Stadttheater Schaffhausen und am 18. November im Kurtheater Baden


Konzept / Choreografie / Tanz: Anna Huber
Konzept / Klavier / Tanz: Susanne Huber, André Thomet
Komposition: John Cage, Morton Feldman, György Ligeti, Isabel Mundry, Sergei Rachmaninov, Robert Schumann, Martin Schütz
Dramaturgie: Björn Dirk Schlüter
Bühne/Licht: Thilo Reuther
Kostüme: Zuzana Ponicanova


Im Netz
www.dampfzentrale.ch
www.annahuber.net
www.huberthomet.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.