Val McDermid: “Vatermord”

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Val McDermid: Vatermord (Thriller)

Polizistin Carol Jordan hat es nicht leicht. Schon an seinem ersten Tag entpuppt sich der neue Chef als knauseriger Pfennigfuchser. Fortan steht ihre Sondereinheit für ungelöste Fälle auf dem Prüfstand und ihre «bessere Ermittlungshälfte», Profiler Tony Hill, wird sofort eingespart. Ersatz ist schnell gefunden, doch der lässt zu wünschen übrig. Und die Zahl der ermordeten Teenager steigt unaufhaltsam.

Von Fee Anabelle Riebeling.

VatermordTony Hill stört all das wenig, hat er doch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Und die sind «hausgemacht». Denn: Was erwartet man von einem Vater, der die Familie bereits vor der Geburt des Sohnes verlassen hat? Nichts, so könnte man meinen. Umso verwirrter ist Tony Hill, als er von der nicht ganz unbeträchtlichen Erbschaft seines Erzeugers erfährt. Weigert er sich zunächst, das Erbe anzutreten und sich mit dem edlen, wenn auch verstorbenen Spender auseinander zu setzen, führt ihn sein erster Fall direkt dorthin.

Und ewig lockt das Internet

Vom neuen Dezernatsleiter kurzerhand wegrationalisiert zögert Tony Hill nicht lange, als ein anderes Revier um seine Hilfe bittet. Die 14-jährige Jennifer wurde ermordet und grausam verstümmelt aufgefunden. Zur gleichen Zeit verschwinden auch in Carol Jordans Ermittlungsbereich drei männliche Teenager im gleichen Alter. Die Opfer tragen eine ähnliche Handschrift, doch der Zusammenhang bleibt lange Zeit unentdeckt – denn auf Anweisung von oben kommunizieren Hill und Jordan nur noch privat.

Doch dies nur vorübergehend, denn die Parallelen zwischen den Morden sind offensichtlich: Die Jugendlichen haben allesamt ihren Richter im Facebook-Äquivalent «RigMarole» kennen gelernt. Mit einem vorgeschobenem Geheimnis wurden sie dort zunächst in den «Private Chat» und dann in den Tod gelockt. Und die Ermordeten haben noch viel mehr miteinander gemein – und genau darin liegt die Lösung des kniffligen Falls, der alle Beteiligten bis aufs Äusserste fordert.

Packender Showdown

Mit «Vatermord» mutet Val McDermid ihrem Leser so einiges zu: So muss er zunächst mit einer Vielzahl neuer Charaktere Bekanntschaft schliessen und im weiteren Verlauf zwischen Privat- und Berufsleben der Protagonisten hin und her switchen. Das ist mitunter mühsam, allerdings zahlt sich Durchhaltevermögen – im Buch wie in der Realität – wieder einmal aus.

Die schottische Krimiautorin hat ein 528 Seiten dickes Päckchen geschnürt, welches gleichsam detaillierte Milieustudien, aktuelle, öffentlich diskutierte Themen und exzellente Spannungselemente beinhaltet. Da stört es auch nicht, dass die Auflösung – kritisch betrachtet – durchaus als konstruiert bezeichnet werden kann.


Titel: Vatermord
Autor: Val McDermid
Verlag: Droemer/Knaur
Seiten: 528 Seiten
Richtpreis: CHF 15.90

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