Verlagsporträt des Grafit Verlags

Der Grafit-Verlag ist kriminell erfolgreich

Verlagsporträt des Grafit Verlags

Vor 20 Jahren machte Lektor Rutger Booß aus der Not eine Tugend. Als sein Arbeitgeber die Belletristik aufgab, gründete er kurzerhand seinen eigenen Verlag. Sein Startkapital: Die Autoren Leo P. Ard, Reinhard Junge und Werner Schmitz –Begründer des Ruhrkrimis. Grafit war geboren.

Von Fee Anabelle Riebeling.

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Allen Warnungen zum Trotz

Der Ausflug in die Welt der Sachbücher dauerte nur kurz. Schon bald konzentrierte sich der Verlag – allen Unkenrufen zum Trotz – auf das, was schnell sein Markenzeichen wurde: Gute Kriminalromane – von deutschen Autoren, immer mit Lokalkolorit und stets mit Leidenschaft ausgewählt. Und das, obwohl Branchenkenner damals warnten: „Wenn du keine englischen oder amerikanischen Autoren im Programm hast, dann kannst du den Laden gleich wieder dicht machen“.

In einer Zeit in der Bücher über die Aufklärung von Verbrechen als Trivialliteratur galten, die Klappen-Aufschrift „Kriminalroman“ beschämt einer weniger konkreten Bezeichnung wich und Rowohlt seine Spannungs-Reihe sogar ganz aufgab, folgte Rutger Booß seinem Bauchgefühl. Grafit füllte mit seinen Ruhr- und Regio-Krimis eine Lücke. So erfolgreich, dass andere Verlage nachzogen. Heute führen vor allem Krimis die Bestsellerlisten an. Auch Verbrecherjagden mit identifizierbarem Lokalbezug werden immer beliebter.

Klasse statt Masse

Mehr als 270 Krimis sind in den letzten 21 Jahren bei Grafit erschienen. Eine Menge für einen kleinen Verlag, aber verglichen mit dem Output grosser Konkurrenten nur „ein Klacks“. Doch im Dortmunder Büro setzt man auf Klasse statt Masse. Unter den jährlich rund 1.500 unverlangt eingesandten Manuskripten finden sich nur selten „Perlen“. „Ein Grafit-Krimi ist immer ein Qualitäts- und somit auch ein Leseversprechen“, sagt Booß. Wer in das Verlagsprogramm aufgenommen werden will, muss auf ganzer Linie überzeugen.

Booß’ Team achtet ganz genau darauf, dass die Handlung der Krimis mitreissend, der Spannungsbogen kunstvoll arrangiert ist und die Protagonisten individuell und lebendig sind. „Ein guter Krimi muss Wendungen haben, bei denen ich immer wieder denke, der Lösung des Falls nahe zu sein – und ich mich dann doch wieder ärgere, das es nicht so ist“, sagt Rutger Booß über sein persönliches Leseinteresse. Die Grafit-Bücher haben ihm alle gefallen.

Im letzten Frühjahr kamen neun weitere hinzu. Es waren die letzten, die der 65-Jährige geprüft und für gut befunden hat. Doch während er sich zur Ruhe gesetzt hat, werden die Grafit-Ermittler noch lange Verbrecher jagen. Ein weiteres Verlagsversprechen.

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