Sebastian Fitzek u.a.: “P.S. Ich töte dich”

Düsteres für die Festtage

Sebastian Fitzek u.a.: “P.S. Ich töte dich” (Thriller)

Nur weil bald Weihnachten ist, muss nicht auf Spannung und ein wohliges Schaudergefühl verzichtet werden. Beides ist garantiert, wenn sich für eine Krimi-Anthologie 13 Spitzenautoren des Genres zusammentun. Wer genug von Glitzer und Weihnachtsbeleuchtung hat, zieht sich zurück und findet sich in einer düsteren Geschichte wieder.

Von Birke Tunç.

ichtötedichKurzgeschichten sind nicht jedermanns Sache. Manchmal liegt die Würze eben doch nicht in der Kürze, sondern in den vielen Seiten, in welchen der Leser die Hauptpersonen richtig kennenlernen und sich mit den detaillierten Ermittlungen beschäftigen kann. Vor allem für einen Thriller stehen der Spannungsaufbau und die Auflösung der Geschichte im Vordergrund. Wie spannend kann also ein 20-seitiger Thriller schon sein? Ziemlich spannend, wird man nach dem Lesen von “P.S. Ich töte dich” sagen können.

Spannung vom ersten bis zum letzen Satz

Mit “Nicht einschlafen” legt Sebastian Fitzek, der Herausgeber, einen raffinierten Grundstein für die anderen Geschichten und man wird sofort mitgerissen. Eine Einführung in die Geschichte von 100 Seiten ist überhaupt nicht nötig. Die Spannung ist kaum auszuhalten und nach 20 Seiten ist alles gesagt. Der Schluss lässt den Leser entsetzt und mit Lust auf mehr zurück. Auch Judith Merchants “Monopoly” und “Die letzte Bergfahrt” der Bestseller-Autorin Jilliane Hoffman fesseln den Leser sofort. Mit grosser Ungeduld erwartet man die Auflösungen der Geschichten, wonach ein Gefühl des Grauens und der Erschütterung zurückbleibt. Nach dem Lesen dieser drei Geschichten will man sofort in die Buchhandlung rennen und sich mit allen Büchern der Autoren eindecken.

Es geht aber auch anders: “Späte Abrechnung” von Michael Connelly ist enttäuschend, vor allem für diejenigen, die bereits andere Bücher dieses Autors gelesen haben. Vieles in dieser Geschichte ist überflüssig und bietet nichts Überraschendes. Auch “Vita reducta” von Petra Busch ist völlig in die Länge gezogen und hat seinen Reiz bereits nach einigen Zeilen völlig verloren. Diese Geschichten erscheinen fehl am Platz in einem Buch mit mehrheitlich sehr spannenden und interessanten Geschichten. Wenig Sinn macht auch Thomas Thiemeyers “Fehler im System”, denn der Leser fragt sich nach dem Lesen, was der Autor mit dieser Geschichte beabsichtigt hatte.

Man sollte sich von den wenigen schlechten Kurzgeschichten jedoch nicht verunsichern lassen, sie sind ja dankbarerweise schnell vorbei. Die Mehrheit der Geschichten ist gut gelungen und einige sind sogar brillant geschrieben und voll mit spannenden Details. Gelesen ist das Buch an einem Tag und bringt einem bestimmt den einen oder anderen unbekannten Autor näher.

Judge a book by it’s cover

“P.S. Ich töte dich” sieht den Moleskine Notizbüchern zum Verwechseln ähnlich: schwarzer Einband, abgerundete Ecken und ein Gummi-Band, welches das Aufklappen des Buches verhindert. Die rote und weisse Schrift auf dem Buchcover geben dem ganzen dann den letzten Schliff. Der Buchtitel erinnert an Cecelia Aherns Erstling “P.S. Ich liebe dich”, welcher nach der Verfilmung mit Hilary Swank und Gerard Butler anfangs 2008 in aller Munde war.

Das Buch besteht im Übrigen nicht nur aus den 13 Kurzgeschichten, denn “P.S. Ich töte dich” wird mit einer kleinen  Besonderheit am Schluss abgerundet: Alle Autoren haben den Anfang ihrer Geschichte von Hand geschrieben und die Handschriftproben von Graphologen auswerten lassen. Die Analyse wird dann am Schluss präsentiert. Auch wenn man an der Glaubwürdigkeit solcher Analysen zweifelt, ist es lustig zu versuchen das Gekritzel der Autoren zu entziffern.


Titel: P.S. Ich töte dich
Autorinnen und Autoren: Sebastian Fitzek, Val McDermid, Thomas Thiemeyer, Torkil Damhaug, Petra Busch, Michael Connelly, Markus Heitz, Michael Koryta, Steve Mosby, Judith Merchant, Jens Lapidus, Markus Stromiedel, Jilliane Hoffman
Übersetzerinnen und Übersetzer: Knut Krüger, Franz Leipold, Antje Rieck-Blankenburg, Lotta Rüegger, Helene Weinold, Holger Wolandt und Sophie Zeitz
Verlag: Droemer
Seiten: 272
Richtpreis: CHF 25.50


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