Andreas Franz: „Teufelsleib“

Aus der Hand legen unmöglich

Andreas Franz: „Teufelsleib“ (Kriminalroman)

Eine Frau wird in ihrem Appartement tot aufgefunden. Selbstmord ist ausgeschlossen, denn die Tote hält einen Olivenzweig in der Hand. In ihrem Mund findetman die dazugehörige Frucht und eine Taubenfeder. Um den Fall aufzuklären, müssen die Ermittler um Peter Brandt die Zeichen richtig deuten – und geraten dabei in ein ihnen nicht ganz unbekanntes Milieu, welches wiederum einige Überraschungen offenbart.

Von Fee Anabelle Riebeling.

teufelsleibEin Mord, viele Informationen, noch mehr Details und jede Menge offene Fragen. So beginnt der neuste Band von Franz’ Offenbach-Serie. Der deutsche Autor, der Krimis am Fliessband zu produzieren scheint, bleibt damit seinem Erfolgsrezept treu: Ein Aufsehen erregender Einstieg, vielschichtige Charaktere und ein leicht verfolgbarer Plot. Trotzdem fesselt „Teufelsleib“, denn der mysteriöse Täter hat früher schon zugeschlagen. Und wie auch das jüngste Opfer arbeiteten die anderen beiden Toten zu Lebzeiten als Edel-Prostituierte.

Kein einfacher Fall…

Doch nicht nur die Intimitäten der Opfer sind Thema, auch das Privatleben Peter Brandts bestimmt weite Strecken der Erzählung. Der knallharte Ermittler mit Weitsicht hat auch eine melancholische Seite. Das mag nicht jeden interessieren, ist aber ein cleverer Schachzug des Autors: So bremst es das Schlüsse ziehen auf Seiten des Lesers und baut eine sich stetig steigernde Spannung auf, die bis zum letzten Kapitel erhalten bleibt. Das Buch vor der letzten Seite aus der Hand zu legen ist beinahe unmöglich.

Um zu verhindern, dass sich noch weitere Tote hinzu gesellen, ermitteln die Kriminalkommissare auf zwei Ebenen: Sie verlassen ihre geordnete Umgebung und tauchen ein ins Milieu, in die Welt, die sie schon von früheren Fällen her kennen. Gleichzeitig müssen sie sich auch zu neuen Ufern aufmachen, denn es gilt die Bedeutung der ungewöhnlichen „Grabbeigaben“ zu erkennen, die so gar nichts in Bild passen wollen. Doch schon bald zeichnet sich ab, dass der seltsam anmutende Fund ein religiöses Zeichen ist.

…aber einfach zu lesen

Was komplex klingt, ist tatsächlich simpel. So folgen Peter Brandt und seine Kollegen schlichtweg den sich ihnen darbietenden Zeichen und den Tipps ihrer Auskunftspersonen. Das ist logisch und erscheint authentisch, denn das tatsächliche Vorgehen realer Ermittler hat mit dem, was die meisten aus Film und Fernsehen kennen, nur wenig zu tun. Doch gerade der glaubwürdige Aufbau lässt Franz’ neusten Streich für anspruchsvolle Krimi-Freunde etwas schwach auf der Brust wirken.

Auch sprachlich lässt „Teufelsleib“ ein wenig zu wünschen übrig, wobei auch dies der Nähe der Wirklichkeit geschuldet ist. Flach und einfach ist Franz’ Ausdrucksweise hingegen nicht. Die Charaktere sprechen wie du und ich – und gerade das macht den 552 Seiten-Wälzer für jedermann verständlich. Ob das eher Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist: „Teufelsleib“ ist logisch und simpel. Das Franz’sche Konzept geht wieder einmal auf.

Titel: Teufelsleib. Ein neuer Fall für Peter Brandt
Autor: Andreas Franz
Verlag: Knaur
Seiten: 552 Seiten
Richtpreis: CHF 15.90

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