nahaufnahmen.ch-Filmadvent: 13. Dezember 2010

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“Love Exposure” von Sion Sono

13dezember_2Das dreizehnte Fensterchen wird arg strapaziert. Es mag kaum im Zaum zu halten, was da von innen alles gegen das eiskristallgezierte Glas drängt: Ein wenig Schabernack. Ein paar aufs Maul. Und etwas für die Seele. Viel Blut. Viel davon Herzblut. Und jede Menge Katholizismus. Öffnen wir das Fenster also in besinnlicher Laune und gehen in Deckung vor allem, was daraus hervorkullern mag…

Im März begann und endete unsere Kritik von Sion Sonos Epos mit einem Wort: Waaaahnsinn. Dem bräuchte man nicht viel hinzuzufügen. Tut man aber dennoch gerne, weil man es gar nicht oft genug sagen kann: “Love Exposure” ist Waaaahnsinn. In dem Sinn, den der Amerikaner meint, wenn er geschmeidig sagt: “absolut Fledermauskacke irre”.  Aber eben auch im Sinne von:  “Der helle Wahnsinn“.  “Love Exposure” wird als Sonos ultimativer Beweis des “Yes, I Can!”, vor allem aber auch des “BECAUSE I Can!”das Jahr der Obamaschen Wahlschlappe zweifelsohne überdauern.LOVE-EXPOSURE_5F00

Nachdem Sono einen Film mit einem ebenso grotesken wie pittoresken Massensuizid nymphenhafter Schülerinnen (“Suicide Club“) begonnen, in einem weiteren Film alle Register des familiären und inzestiösen Missbrauchs durchdekliniert (“Strange Circus“) und einen Monstermovie um beseelte Modeassecoires gestrickt hattte (“Exte – Hair Extensions“), schien man auf alles gefasst zu sein. Dennoch hielt “Love Exposure” drei faustdicke Überraschung parat:

Den schieren Grössenwahn des Vierstundenprojekts, das ganze Jahrzehnte (nicht nur) japansicher Populär- und Filmkultur in den Schraubstock zwingt. Den beinahe zügellosen Erfolg, den das Projekt schlussendlich darstellt. Und die vielleicht grösste Überraschung von allen: Dass die Geschichte um Yu, der nur noch im Beichtstuhl mit seinem Vater kommunizieren kann, um Yoko, seine keusche Punk-Maria und Koike, das manifestierte Doch-nicht-so-Böse, bei allem Hullaballula, allem Genre-Mischmasch und allen Übertreibungen in allen nur denkbaren Dimensionen letztlich eine reine Herzensangelegenheit ist. Für ihren Schaffer, für den Zuschauer. Ganze vier Stunden lang, von denen man kaum eine Minute missen möchte.

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