Max Scharnigg: “Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden”

Alltäglich

Max Scharnigg: “Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden: und 99 andere Sätze, mit denen man durchs Leben kommt”

“Stör’ ich gerade?” – Eine rein rhetorische Floskel, wie so viele (mindestens 99) andere. Stör’ ich? Nein? Dann bitte weiterlesen. Wer sagt: “Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden”, dürfte wohl in den seltensten Fällen ein akustisches Problem haben, sondern vielmehr Zeit schinden wollen. Max Scharnigg präsentiert 100 Plattitüden in äusserst amüsanten Anekdoten.

Von Andrea Müller-Schmuki.

DasHabeIchJetztNatürlich benutzen wir gewisse Sätze öfter als andere und jede Generation hat ihre eigenen Standardsätze. Wie oft jedoch Floskeln im Alltag vorkommen, wird wohl kaum jemandem bewusst. Erst wenn man – wie in diesem Buch – 100 Allgemeinplätze auf engstem Raum vereint vor sich sieht, stellt man erstaunt fest, wie allgegenwärtig doch genau diese Sätze sind.

“Was denkst du gerade?” oder “Das habe ich schon mal irgendwo gesehen” sind genau solche Sätze, die uns tagtäglich begegnen. Andere Sätze wie: “Ist da viel Knofel drin?”, “Voll die Pornobrille, ey!” oder “Sieht irgendwie zu aus” sind wohl eher regional und kulturell geprägt. Das ist eben mal wieder “so typisch deutsch” – oder “typisch Mann”!

“Na?”

Zu jedem der 100 Sätze, mit denen man durchs Leben kommt, erzählt Max Scharnigg eine kurze, meist nicht mehr als zwei Buchseiten lange Geschichte, schildert eine dieser typischen Situationen und bringt dabei auch immer sehr persönliche Erfahrungen ein. Bei der Anekdote zu “Da wäre auch noch ein Parkplatz gewesen” schildert der Autor so etwa seine alltägliche spiralförmig vom Wohnhaus wegführende Parkplatzsuche im Quartier die nicht selten damit endet, dass auf dem Rückweg vom (weit entfernt) gefundenen Parkplatz ein viel näher bei der Wohnung liegender Parkplatz frei geworden ist.

Wie gewichtig wirkt doch eine ernst gemeinte Liebesbekundung im richtigen Moment, in der passenden Situation! Nur sind die alltäglichen Momente und Situationen selten die richtigen für feierliche Leibeserklärungen und ein “Ich liebe dich” verkommt nicht selten zu etwas banal Dahergesagtem. Spätestens aber der Satz “Ich liebe dich auch” verliert jeglichen Wert. Wer möchte schon eine nachgeahmte Liebe? “Na?” – Gut. Die erste Frage, wenngleich rhetorisch gemeint, lässt sich ja noch beantworten, aber ein “Na?” Gibt es darauf eine richtige oder eine falsche Antwort? Gibt es überhaupt eine passende Antwort darauf? Und “jetzt mal ehrlich gesagt”: Das alles kennt doch “definitiv” jeder. Und wenn nicht, dann “google’s halt mal”!

Kult

Der Kultkolumnist von jetzt.de hat es in seinem Buch geschafft, mit unterhaltsamen Anekdoten 100 zumeist wenig aussagekräftigen Sätzen Leben einzuhauchen. Das Lesen dieser oft schon viel zu oft gehörten Sätze wird zum reinsten Vergnügen, da in jeder Geschichte eine passende Situation geschildert wird, die wiederum an viele bereits erlebte Situationen erinnert.

Weshalb sollte jemand, der schon mit fremden Erwachsenen kaum in ein Gespräch kommt und mit Kleinkindern rein gar nichts anfangen kann “sicher mal ein guter Vater” werden? Warum gibt es kaum jemals eine passende Antwort auf die Frage: “Was denkst du gerade?” Und woher kommt wohl das kollektive “Ich liebe den Geruch von Sommerregen auf der Strasse”-Geruchsempfinden?

Das Buch ist gut geeignet, um zwischendurch mal wieder ein paar Seiten zu lesen – jedoch genauso gut, um sich – es genau lesend – einen etwas anderen Eindruck von unserer Alltagswelt zu bekommen. Pointiert und witzig – und nur allzu wahr!


Titel: Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden: und 99 andere Sätze, mit denen man durchs Leben kommt
Autor/in: Max Scharnigg
Verlag: Fischer
Seiten: 251
Richtpreis: CHF 15.90

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