nahaufnahmen.ch-Filmadvent: 18. Dezember 2010

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“Fantastic Mr Fox” von Wes Anderson

18dezemberDas 18. Türchen öffnet sich massiv zu spät. Kein Wunder, steckt dahinter doch ein Chaot erster Ordnung. Doch trotz einem Hang zu Plänen, die kolossal schiefgehen, und trotz Bewegungen, die immer ein wenig aus der Form geraten, ist der Held dieser Geschichte ein charmantes Schlitzohr mit einer Zunge aus Samt  – und einer Familie, die ein Fall für die Beratung ist.

Ah, Schweizer Filmverleiher und eurer erratisches Handeln und Sein! Die Entscheidung, welcher Film wann in der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin (nicht) anläuft ist undurchdringlich wie der Urteilsspruch eines vernebelten Orakels. Ein Beispiel (und nicht das letzte in diesem Kalender) ist Wes Andersons „Fantastic Mr Fox“, der bei uns erst vertagt und schlussendlich gar nicht gezeigt wurde.

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Warum, wissen die Götter allein. Die Geschichte um den fantastischen Fuchs ist eigentlich ein perfektes Familienerlebnis: Streng genommen spielen schliesslich alle Filme Andersons in einer Erwachsenenwelt, die aus Kinderperspektive gezeigt wurde (oder umgekehrt – die Unentscheidbarkeit dieser Frage gehörte stets zu den reizvolleren Aspekten seiner Filme). In gewisser Hinsicht ist Andersons neuester Film denn auch die konsequenteste (und vielleicht beste) Umsetzung seiner filmischen Vision (die, wir erinnern uns, ihren Anfang nahm mit „Rushmore“– einem Film, der erklärter Weise die verquere Logik eines Dahl-Buches in ein Realfilm-Universum übertragen sollte).

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Trotz Stop-Animation und Adaption finden wir denn auch alle Kniffe, Motive und Obsessionen wieder, die wir über die Jahre in Andersons Filmen kennen- und liebengelernt haben: Die überaus strenge Kadrierung und die vollkommen kontrollierte Künstlichkeit der Sets, die ein Gegengewicht bilden zum Gefühlschaos der Figuren; die tief schürfenden Familienneurosen, an deren Ende noch doch eine Form vertrackter Versöhnung steht; und die alles durchdringende Mischung von (für Nerdverhältnisse) durchaus lautem, skurrilem Humor und subtiler Verletzlichkeit, die in ihrer Summe erstaunlich viel Menschlichkeit ergeben. Gewohnheitsgemäss gibt es natürlich auch ein stellares Schauspielensemble: Unter anderen George Clooney, Meryl Streep, Bill Murray und Jason Schwartzman beseelen die – ohnehin schon sehr ausdruckstarken – pelzigen Puppen mit ihren Stimmen noch zusätzlich. Und das Beste daran: Im Gegensatz etwa zu Spike Jonzes seelenverwandtem “Where The Wild Things Are“ erlaubt sich Anderson derart viel Leichtigkeit, dass Kinder den Film sehen können, ohne danach nach Antidepressiva zu schreien.

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