“A Nightmare on Elm Street” von Samuel Bayer

Freddy 2.0

“A Nightmare on Elm Street” von Samuel Bayer

Nightmare on Elm Street

Freddy Krueger ist ein zu guter Bösewicht, als dass das Kino ihn sterben lassen könnte. Anstatt der siebenteiligen Serie eine weiteren Fortsetzung hinzuzufügen, entschied man sich im jüngsten Film mit dem messerhändigen Bösewicht für ein Remake des Originals. Dieses kann sich trotz vieler Stärken aber nicht mit ebendiesem Original messen.

Von Lukas Hunziker.

Es war schon eine Goldidee, die Wes Craven anfangs der 80er Jahre hatte: ein Bösewicht, welcher einem in seinen Träumen auflauert, wo man ihm nicht entfliehen kann. Freddy Krueger, der Messer anstelle von Fingern hat, einen abgetragenen Hut und einen rot-schwarz gestreiften Pullover trägt, wurde neben Jason Voorhees und Michael Myers zum wohl bekanntesten Teeniemörder des Horrorkinos. In sieben Filmen spielte er zwischen 1984 und 1994 die Hauptrolle, trat danach in “Freddy vs. Jason” auf, erhielt eine TV-Serie und wird von der Popkultur noch immer fleissig zitiert.

An den ersten Film kam aber keine der Fortsetzungen wirklich heran, auch wenn Freddy, gespielt von Robert Englund, nie an Reiz verlor. Die Entscheidung, ein Remake des Orignals zu drehen und die “Nighmare on Elm Street” Reihe nochmals von vorne beginnen zu lassen, war daher ein überaus weiser Entscheid. Umso erfreulicher ist, dass “A Nighmare on Elm Street” denn auch ein respektabler Horrorfilm geworden ist, der nach Peinlichkeiten wie “Freddy vs. Jason” endlich wieder einmal etwas intelligenteren Freddy-Horror liefert.

nightmare 2

Fünf Teenager, die alle an der Elm Street wohnen, werden von Albträumen heimgesucht, in denen ein Mann mit Hut, gestreiftem Pullover und einer Messerhand ihnen nach dem Leben trachtet. Als der erste dieser Albtraumgestalt zum Opfer fällt, wissen die vier übrigen, dass es nicht Selbstmord war, wie die Polizei annimmt. Sie beginnen sich vor ihren Träumen immer mehr zu fürchten und versuchen wach zu bleiben. Während Freddy sich den zweiten von ihnen holt, stösst Nancy, welche die Träume schon am längsten hat, auf ein Geheimnis, welches ihre Eltern vor ihr geheimzuhalten versuchten: Als Kinder beschuldigte sie zusammen mit anderen Kindern aus ihrer Kindergartenklasse einen Gärtner namens Fred Krueger der sexuellen Belästigung – worauf dieser von den Eltern in den Tod getrieben wurde.

Unwillkommener Freispruch

Die Lynchjustiz der Eltern bildete schon im Original die Erklärung für Freddy Kruegers Jagd auf die Kinder. Die Stärke des Originals jedoch war, nie ganz klar zu sagen, ob Freddy denn nun der Pädophile war, für welche die Eltern ihn hielten. Der erste grosse Fehler, den das Remake macht, ist, dass diese Frage restlos geklärt wird: Freddy war schuldig. Freddy auch nur ein bisschen sympathisch zu finden, wie man dies im Original noch konnte, ist damit unmöglich – er ist nichts ausser das Monster, welches vom Ansicht der Erde getilgt werden muss. Den Eltern wird somit für ihre Selbstjustiz die Absolution erteilt, wodurch die Story noch einmal ein Stück uninteressanter wird, da die Eltern damit nur noch bedingt mitschuldig sind an Freddys Rachefeldzug.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Der zweite grosse Fehler ist die Neuinterpretation Freddys. Dieser durfte im Original, wahrscheinlich gerade weil seine Schuld nicht bewiesen war, ein verspielter Bösewicht sein, dem man gerne bei seinem blutigen Geschäft zusah. Der “neue” Freddy ist so langweilig und stumpfsinnig wie ein Zombie, seine Sprüche markieren die Tiefpunkte des sonst nicht mal so schlechten Drehbuchs. Jackie Earle Haley (der übrigens schon in “Little Children” einen Pädophilen spielte, was doch etwas befremdet) kommt schlicht nicht an Robert Englund heran, dessen Interpretation von Freddy unsere Vorstellung von der Figur ganz einfach dominiert.

Dass “A Nightmare on Elm Street” an Freddy Krueger scheitert, ist schade, aber irgendwie gerecht. Klassische Bösewichte neu zu interpretieren ist ein heikles Unterfangen, gerade wenn man sich anmasst, die Figur in seinen Grundzügen neu zu gestalten. Wäre Freddy der alte, so wäre das Remake ein Erfolg, denn was Regisseur Samuel Bayer wirklich gut gelungen ist, sind die Figuren der Teenager. Diese sind nämlich nicht nur dämliche Stereotypen des amerikanischen Teeniehorrors, sondern durchaus interessante Charakteren. Allen voran Nancy, die von Mara Rooney glänzend gespielt wird und der beste Grund ist, den Film trotz der misslungenen zweiten Hälfte zu schauen.

Ausstattung

Die Extras der DVD beschränken sich auf ein knapp viertelstündiges Featurette mit dem Titel “Freddy Kruegers Wiedergeburt”, in welchem gezeigt wird, warum Freddy 2.0 nicht ganz der alte ist und welche Ideen Samuel Bayer für seine Version hatte.


Seit dem 22. Oktober 2010 im Handel.

Originaltitel: A Nightmare on Elm Street (USA 2010)            
Regie: Samuel Bayer
Darsteller: Mara Rooney, Jackie Earle Haley, Kyle Gallner, Katie Cassidy
Genre: Horror
Dauer: 92 Minuten
Bildformat: 16:9
Sprache: Englisch, Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Finnisch, Norwegisch, Portugiesisch, Spanisch, Schwedisch, Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Featurette “Freddy Kruegers Wiedergeburt”
Vertrieb: Warner

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Trailer

Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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