Camilla Grebe & Åsa Träff: “Die Therapeutin”

Geruhsame Nacht

Camilla Grebe & Åsa Träff: „Die Therapeutin“ (Kriminalroman)

Es fängt harmlos an. So harmlos, dass sich manch einer nach den ersten Kapiteln vielleicht sogar ernsthaft fragen mag, wieso „Die Therapeutin“ so lange die schwedische Bestsellerliste anführte. Doch dann kommt es. Überrollt uns. Packt uns und treibt uns unaufhaltsam weiter. Das Buch aus der Hand zu legen, ist unmöglich. Denn jeden Moment kann das Leben von Siri Bergmann ein Stückchen weiter aus den Fugen geraten. Jeder Atemzug könnte ihr letzter sein.

Von Fee Anabelle Riebeling.

DieTherapeutinSiri Bergmann ist Witwe. Ihr Mann starb vor einigen Jahren bei einem Tauchgang. Seitdem ist nichts mehr wie es einmal war. Die Psychologin hat sich mit der Leere in Herz und Haus arrangiert. Ihre Lösung: Sie stürzt sich in ihre Arbeit. Doch genau die wird ihr zum Verhängnis. Denn plötzlich wird alles noch schlimmer: Eine ihrer Patientinnen hat ersten Vermutungen nach Selbstmord begangen. Dann verschwindet ihre geliebte Katze. Blutspuren auf der Terrasse lassen Böses schwanen.

Showdown ahead

„Die Therapeutin“ ist der literarische Erstling von Camilla Grebe und Åsa Träff. Schwestern, die eine Betriebswirtin, die andere Psychologin. Ihr jeweiliger Einfluss ist deutlich zu erkennen. Das kluge Kalkül der einen bestimmt Timing und Tempo. Die andere ist für schonungslose Einblicke in die menschliche Psyche verantwortlich. Die beiden können gut miteinander und liegen auf einer Wellenlänge. Die 432 Seiten scheinen aus einer Feder zu stammen. Mit Bedacht niedergeschrieben. Zum hemmungslosen Verschlingen verdammt.

Das Schicksal Siri Bergmanns geht unter die Haut. Bereits einmal aus der Bahn geworfen, droht nun der nächste Schlag. Doch anders als der Tod ihres Mannes, kündigt dieser sich mit immer deutlicher werdenden Anzeichen an. Langsam zwar, aber unaufhaltsam. Der unvermeidliche Showdown rückt immer näher. Zunächst will Siri Bergmann es nicht wahrhaben. Sie kann nicht glauben, dass ihr jemand Böses will. Doch die Zeichen verdichten sich. Und so beschliesst sie die Flucht nach vorn. Doch die nützt leider gar nichts, wenn man wie die Psychologin wenig später noch einmal einen Schritt zurück macht.

Zukunftsplanung

Sie hat es aber auch wirklich nicht leicht: Denn je enger sich die Schlinge zieht, desto mehr ist sie gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit, ihrer Arbeit, ihrem Umfeld, eigentlich mit ihrem gesamten Leben auseinander zu setzen. Das Ergebnis: Äusserst unbefriedigend, denn plötzlich steht hinter allem und jedem ein dickes Fragezeichen. Wer ist Freund, wer Feind? Nicht nur der Leser rätselt, auch Siri Bergmann weiss es nicht mehr – und zweifelt schlussendlich auch an sich selbst.

Obwohl sie sich allein und einsam fühlt, steht sie tatsächlich unter Dauerbeobachtung, ist den Blicken und nächsten Schritten des Bösen schutzlos ausgeliefert. Aber auch die Leser verfolgen ihr Leiden atemlos mit. Während die literarische Psychologin ersteres ahnt, planten die Autorinnen zweiteres. Mit detaillierten Schilderungen schicken sie nicht nur die Protagonistin, sondern auch ihr Publikum gleich mehrfach aufs Glatteis. Ihr Plan geht auf. Selten hält die Spannung tatsächlich bis zum Schluss.

Dass skandinavische Kriminalromane schon länger regelmässig die vorderen Plätze auf den internationalen Bestseller-Listen für sich beanspruchen, ist bekannt. Hierzulande noch völlig unbekannt sind hingegen Camilla Grebe und Åsa Träff. Doch das nennt man wohl die Ruhe vor dem Sturm.


Titel: Die Therapeutin
Autorinnen: Camilla Grebe und Åsa Träff
Übersetzerin: Christel Hildebrandt
Verlag: btb
Seiten: 432
Richtpreis: CHF 16.90

Ein Gedanke zu „Camilla Grebe & Åsa Träff: “Die Therapeutin”

  • 03.02.2011 um 16:58
    Permalink

    Als Fan von skandinavischen Krimis ( es begann vor vielen Jahren mit Hennig Mankell)
    war ich neugierig auf das Autoren-Duo und jetzt beschäftigt mich nur eine Frage- ob und wann es weitergeht.

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