„Splice“ von Vincenzo Natali

Gen-Monster sucht netten Herren zum Liebe machen

„Splice“ von Vincenzo Natali

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Es ist eigentlich löblich, wenn sich ein Film wie „Splice“ den Schranken des eigenen Genres kritisch nähert und diese versucht zu umgehen, mit anderen Genres zu vermischen und Neues zu schaffen – dabei kann Faszinierendes herauskommen, ja, ein Cocktail, der gekonnt verschiedene Zutaten mischt, die nicht zusammengehören. Blöd jedoch, wenn die Mischung einfach nicht zu einer einheitlichen Menge werden will.

Von Alexander Sigrist.

Das Thema ist nicht gerade neu, aber immerhin aktuell: In einem geheimen Genlabor-Experiment erschaffen Clive (steif wie ein Stock: Adrien Brody) und Elsa (okay: Sarah Polley) ein Gen-Lebewesen, eine Mischung aus Mensch und Tier. Doch das ist weniger schrecklich als es anfangs scheint, denn das Geschöpf namens Dren (super: Delphine Chanéac) scheint durchaus liebenswert. Derart liebenswert, dass Elsa mütterliche Gefühle für die Kreation entwickelt.

Er möge B-Movies, sagt Regisseur Vincenzo Natali (bekannt für „Cube“) in einem Interview auf der Disc des Films, er möge aber auch Filme mit Tiefgang und am liebsten habe er es, wenn seine Filme beide Aspekte vereinen. Damit trifft er gleich den Kern des Pudels oder den Nagel auf den Kopf: „Splice“ möchte ein wenig von beidem sein, ein wenig B-Monster-Movie und ein wenig Drama mit Tiefgang, eine Gratwanderung zwischen purer Unterhaltung und Anspruch. Und scheitert daran.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Dabei sind beide Aspekte durchaus lecker: auf der einen Seite gibt es gelungene Horrorsequenzen mit einer interessant designten Kreatur, die später grandios von der Französin Delphine Chanéac verkörpert wird. Und ja, es wird auch mal blutig, mal dreckig, mal brutal. Auf der anderen Seite entwickelt sich eine durchaus interessante Dreiecksgeschichte zwischen Elsa, die mütterliche Gefühle für Dren entwickelt, und Clive, der dem Ganzen erst skeptisch gegenüber steht, und Dren, die mal kleines Kind, mal Monster, mal Femme Fatale ist.

Problem bei der Sache ist: Natali schafft es einfach nicht, aus den Genen dieser beiden Aspekte einen ganzheitlichen Film zu machen. Der Horror will sich nicht mit dem Drama mischen, weil es meistens schwerfällt, den Film ernst zu nehmen, wenn er ernst sein will, und das Drama bleibt dann doch zu oberflächlich, um vom Hocker zu reissen.

Adrien Brody – wofür hat der gleich nochmal einen Oscar bekommen?

Vielleicht würde das alles besser klappen, wären die Schauspieler ein wenig besser. Natürlich, Adrien Brody mag einer brillanter Schauspieler sein, in „Splice“ spielt er aber derart lustlos und steif, dass man meinen möchte, der Schauspieler in ihm sei gerade in den Ferien. Es ist geradezu tragisch, dass man ihm den Nerd nicht abnimmt, den er verzweifelt zu verkörpern versucht – da hilft auch die Neo-Gedenk-Frisur nichts.

Sarah Polley auf der anderen Seite macht ihre Sache zwar gut, vermag es aber auch nicht, nur einen Funken von Chemie zwischen sich und Brodys Charakter aufzubauen. Es werden dann zwar alle von Delphine Chanéac als Dren an die Wand gespielt, die kann den Karren aber auch nicht mehr aus dem Dreck ziehen, vor allem auch weil Dren als Charakter unter dem Strich erschreckend eindimensional ist.

Das klingt jetzt alles ein wenig hart. Es muss daher zu Natalis Gunsten festgehalten werden, dass „Splice“ durchaus kein Totalausfall ist. Langweilig ist der Film nicht, als etwas langatmiger Monsterfilm geht er in Ordnung. Man möchte einfach ob dem Potential, das Natali verschenkt, laut losheulen. Es ist nicht unmöglich, Horror mit Drama zu vermischen, doch muss man bereit sein, konsequent zu mischen – dazu scheint Natali nicht bereit zu sein, nein, er macht kein Horror-Drama, sondern möchte einen Film machen, der beides ist, Horrorfilm und Drama, schafft aber keines von beidem richtig.

Zwei Seelen pochen in meiner Brust, hat Goethes Faust schon lamentiert. Wahrlich, zwei Seelen pochen auch in „Splice,“ und genau darüber stolpert Natali. Herausgekommen ist kein langweiliges Filmchen, aber halt ein arg mittelmässiges. Nicht gruselig genug für einen Horrorfilm, nicht tragisch genug für ein Drama. Eigentlich schade, denn die richtigen Gene wären da gewesen.

Austattung

Mager: Eine Trailershow und ein Making of, das aber wenigstens eine halbe Stunde lang ist.


Seit dem 17. November 2010 im Handel.

Originaltitel: Splice (USA 2009)            
Regie: Vincenzo Natalie
Darsteller: Adrien Brody, Sarah Polley, Delphine Chanéac, Abigail Chu
Genre: Horror oder Drama oder keines von beidem so richtig
Dauer: 104 Minuten
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Trailer, Behind the Scenes
CH-Verleih: Warner

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