Carsten Görig: „Gemeinsam einsam. Wie Facebook, Google & Co. unser Leben verändern“

Unter ständiger Beobachtung

Carsten Görig: „Gemeinsam einsam. Wie Facebook, Google & Co. unser Leben verändern“ (Sachbuch)

Sie sind kostenlos und unterhaltsam. Und das sogar 24/7. Im besten Fall vereinfachen Facebook und Konsorten sogar unser Leben. Denn sie helfen uns, in Kontakt zu bleiben und uns auch über weite Entfernungen auszutauschen. Doch so harmlos, wie die Internetangebote daher kommen, sind sie gar nicht. Denn hinter dem grosszügigen Offerieren von Möglichkeiten stecken knallharte Kalkulationen. Und die kennen nur ein Ziel: Mit der Hilfe unserer Daten möglichst viel Geld zu verdienen.

Von Fee Anabelle Riebeling.

gemeinsameinsamDer virtuell aktive Mensche ist gläsern. Ganz im Gegensatz zu den Unternehmen, die allzu gern unsere freiwillig ausgesendeten Daten sammeln, speichern, weiterverwenden oder gar weitergeben. Doch was hinter den hohen Mauern im kalifornischen Palo Alto mit den Puzzlestücken unserer Persönlichkeit geschieht, wissen wir nicht. Wir können es höchstens ahnen.

Vorsicht statt Nachsicht

Vielleicht sind wir uns aber auch – aufgeschreckt durch zahlreiche Medienberichte – den Machenschaften insgeheim bewusst. Doch wer einmal Teil der Community war, scheut sich, ihr den Rücken zuzukehren. Ein zu grosser Verlust, das alles aufzugeben. Zu gering die Chance, unsere zerstückelte Biografie, unser Persönlichkeitsprofil, ja, unsere gesamten Spuren jetzt noch vollständig zu verwischen.

Was das konkret für uns bedeutet, weiss Carsen Görig. Der Journalist und Autor widmet sich in „Gemeinsam einsam. Wie Facebook, Google & Co. unser Leben verändern“ ausführlich den Big Playern der Branche und zeigt, was sie mit welchen Diensten bezwecken. Er deckt dabei nicht auf, er fasst vielmehr zusammen, was man sonst nur vom Hörensagen weiss oder sich mühsam aus Medienberichten zusammensuchen muss. Er verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger und schildert nüchtern die Hintergründe.

Aufklärung in Buchform

Was der Leser mit den Informationen anfängt, bleibt ihm überlassen. Göring ruft uns lediglich in Erinnerung, dass auch im World Wide Web nichts wirklich kostenlos zu haben ist. In verständlicher Sprache zeigt er uns den Preis, den wir für das virtuelle Miteinander und die uns das ermöglichenden technischen Geräte zahlen. Denn mit jeder Registrierung, jedem Suchbegriff, jedem Kauf, ja, beinahe jedem Klick verkaufen wir uns ein Stück weit selbst. Indirekt. Die Übergabe erledigen andere. Das muss nicht sein. Görigs Ziel: Aus dem unbedarften einen umsichtigen Nutzer zu machen.

Und das dürfte funktionieren: Obwohl vieles nicht wirklich neu ist, so ist die auf das Wichtigste komprimierte Zusammenstellung doch erschreckend. Nicht in der Form, dass man augenblicklich nur noch offline aktiv ist: Die detaillierte Offenlegung der Mechanismen und Überlegungen führt zu einem bedachteren Umgang mit Informationen – über sich, seine Freunde und seine Gedanken. Denn nun haben wir es schwarz auf weiss: Big Brother is watching you. Das auch im realen Alltag, denn die Arme der „Datenkraken“ von Facebook und Konsorten reichen weit. Und das ist unheimlich. Wirklich.

Selten richtet sich ein Sachbuch an so viele Menschen gleichzeitig. Dank seiner bedachten Schreibe könnte Carsten Görig die tatsächlich auch alle erreichen. Wozu das führt, bleibt offen. Doch schaden kann die Lektüre sicher nicht.

Titel: Gemeinsam einsam
Autor: Carsen Görig
Verlag: Orell Füssli
Seiten: 192
Richtpreis: CHF 34.90

Ein Gedanke zu „Carsten Görig: „Gemeinsam einsam. Wie Facebook, Google & Co. unser Leben verändern“

  • 08.01.2015 um 17:11
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    GUUUUTT I LOVE IT

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