“Jonah Hex” von Jimmy Hayward

Wenn alle Schüsse nach hinten los gehen

“Jonah Hex” von Jimmy Hayward

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Verzweifelt über seine zunehmende Ideenlosigkeit scheint Hollywood sich nach wie vor an das zweischneidige Erfolgsrezept namens Superhelden-Comicverfilmung zu klammern. Wirklich gut war bisher eigentlich noch keine, aber so schlecht wie „Jonah Hex“ auch nicht. Dessen Leinwandauftritt markiert einen neuen Tiefpunkt in Hollywoods Schaffenskrise, indem er alles, aber wirklich alles falsch macht.

Von Lukas Hunziker.

„Jonah Hex“ ist einer jener Filme, die auch die niedrigsten Erwartungen des anspruchslosesten Publikums bei weitem untertreffen. Dem ersten Impuls beim Abspann, den Film auf die persönliche Liste der schlechtesten Filme aller Zeiten zu setzen, versucht man unmittelbar darauf zu widerstehen, da man dem Film nicht einmal diese Leistung zuerkennen mag. Denn „Jonah Hex“ ist keiner jener schlechten Filme, welche unfreiwillig komisch und dadurch trotzdem noch unterhaltend sind. Nein, er ist einfach nur nervtötender Müll.

An der Story liegt dies nicht einmal, oder zumindest nicht nur. Deren Held wäre für einen trashigen Western eigentlich wie geschaffen. Jonah Hex, ein Bürgerkriegsveteran, der für den Süden gekämpft hat, wird von seinem Erzfeind Turnbull im Gesicht gebrandmarkt und muss dabei zusehen, wie seine Familie in seinem Haus verbrannt wird. Als er an den Folgen seiner Verletzungen fast stirbt und zwischen der Welt der Lebenden und der Toten wandelt, eignet er sich eine nützliche Fähigkeit an: eine Berührung seiner Hand lässt Leichen kurzfristig wieder zum Leben erwachen  – egal, wie lange sie schon tot sind.

Ziellos irrt Hex durch den amerikanischen Westen und wird zum erfolgreichen Kopfgeldjäger. Als Turnbull kurz darauf wieder auftaucht und eine Waffenlieferung der Regierung abfängt, ersucht Präsident Grant um die Hilfe des narbengesichtigen Westernhelden. Da Hex noch immer Rache an Turnbull nehmen will, willigt er ein und macht sich auf, den Mörder seiner Familie zu finden. Unterstützung erhält er dabei von der Prostituierten Lilah, dem einzigen Menschen, der Hex noch etwas bedeutet. Doch diese Schwäche weiss Turnbull bald für sich auszunutzen.

Verpfuscht, was man verpfuschen konnte

Ein Held mit übernatürlichen Kräften, ein verrückter Südstaatler, der Washington mit einer Massenvernichtungswaffe dem Erdboden gleich machen will, und eine Salonhure mit Knarre im Strumpfband – das alles wären eigentlich Zutaten für amüsanten Westerntrash. Doch „Jonah Hex“ verrät schon im Vorspann, dass bei der Produktion wohl so ziemlich alles schief gelaufen ist, was schief laufen kann: Westernbilder und Comicschrift beissen sich hier schon so stark, dass einem beinahe die Augen schmerzen. Optisch ist der Film schlicht eine Zumutung. Viele Szenen sind so schlecht ausgeleuchtet, dass man Mühe hat zu erkennen, wo sich die knapp zu erkennenden Figuren gerade befinden, die Perspektiven sind unmotiviert, die Special Effects der Traumsequenzen geradezu peinlich. Die Musik ist unpassend, die Geräuschkulisse uninspiriert, die Dialoge kraftlos. Es entsteht weder ein Gefühl von Ort noch von Zeit, noch hegt man für eine der Figuren wirkliche Sym- oder Antipathie.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Und dabei wären wir auch schon beim Totalversagen der Schauspieler. Mit Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender und Aidan Quinn ist „Jonah Hex“ eigentlich gut besetzt, aber mit Ausnahme von Quinn zeigen alle eine der schlechtesten Leistungen ihrer Karriere. Entschuldigen kann man dies noch knapp bei Megan Fox, deren Rolle so stümperhaft in die Handlung reingebastelt wurde, dass es praktisch unmöglich war, dieser Figur auch nur ein Fünkchen interessanten Charakter einzuhauchen. Warum sich die fünf auf das Projekt eingelassen haben, will einem nicht in den Kopf. Vielleicht war es die Hoffnung, ein amüsantes B-Movie mit A-Movie Budget zu drehen. Zu gutem Trash gehört jedoch ein bisschen Selbstironie, und davon hat „Jonah Hex“ kein Quäntchen. Stattdessen speit Brolin unglaublich dumpfe Actionheldensprüche, von denen kaum einer auch nur ein müdes Hochziehen der Mundwinkel zu bewirken mag.

Kurz: „Jonah Hex“ ist eine masslose Enttäuschung in jeder erdenklichen Hinsicht, eine Schmach vor allem in der Filmographie von John Malkovich und ein überdeutliches Zeichen, dass Comicverfilmungen eben doch kein Erfolgsgarant sind und Hollywood endlich wieder einmal Drehbuchautoren anstellen sollte, deren Ausbildung aus mehr als nur dem Lesen eines „Screenplays for Dummies“ Handbuches bestanden hat.

Ausstattung

Das Bonusmaterial besteht aus drei nicht verwendeten Szenen. Warum sie nicht verwendet wurden, ist jedoch nicht ersichtlich. Sie sind träge, uninteressant und keinen bisschen lustig. Genauso wie der Hauptfilm.


Seit dem 4. Februar 2011 im Handel.

Originaltitel: Jonah Hex (USA 2009)            
Regie: Jimmy Haward
Darsteller: Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender, Aidan Quinn
Genre: Western
Dauer: 78 Minuten
Bildformat: 2,40:1
Sprache: Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Nicht verwendete Szenen
Vertrieb: Warner

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Lukas Hunziker

Lukas Hunziker ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. In seinem Garten stehen drei Bäume, in seinem Treppenhaus ein Katzenbaum. Er schreibt seit 2007 für nahaufnahmen.ch.

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