“The Expendables” von Sylvester Stallone

Ein Trauerspiel der Alten

“The Expendables” von Sylvester Stallone

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Über 100 Millionen Dollar Gewinn an den Kinokassen machen eigentlich gespannt auf diesen Action-Kracher mit seiner crème de la crème Besetzung: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li und auch Mickey Rourke und Arnold Schwarzenegger geben sich die Ehre – und “Expendables II” soll 2012 auch schon in die Kinos kommen. Doch wenn man genauer hinschaut…

Von Thorsten Klein.

Als die Bevölkerung eines kleinen bosnischen Dorfes vor ein paar Jahren beschloss, ein Heldendenkmal aufstellen zu lassen, konnte man sich zunächst nicht auf eine Berühmtheit einigen und befragte das Volk. Dabei erschien auf den Listen in der Mehrheit eigentlich nur ein Name: Rocky Balboa. Das sagt nicht nur einiges über die Strahlkraft des amerikanischen Blockbuster-Kinos der 70er und 80er  aus, sondern auch über das Sendungsbewusstsein Sylvester Stallones. Rocky hat er geschrieben, inszeniert, gespielt und damit vielleicht die einflussreichste Filmfigur aller Zeiten geschaffen und den Mythos des amerikanischen Traums in eine Geschichte gegossen, die sich überall auf der Welt nachfühlen liess. Es folgten Rambo und ein jahrelanger Wettkampf mit Arnold Schwarzenegger um den Titel des bedeutendsten Actionhelden seiner Zeit. Wer ihn gewonnen hat, muss jeder selbst entscheiden.

Kein Witz, kein Charme = tote Hose

Und jetzt “The Expendables”. High Concept. Der Plan: Alle Actionhelden der 80er und ein paar der jüngeren Vergangenheit, ohne Strahlkraft aber mit viel Enthusiasmus, plus Mickey Rourke kommen in einem Film zusammen um zu tun, was sie schon immer getan haben: Gewalt gegen Menschen und Sachen ausüben. Leider sieht Sly nach zu vielen Liftings aus wie Silvio Berlusconi und bis auf Jason Statham scheint auch der Rest der Mannschaft ziemlich runtergerockt. Zudem ist der raffinierteste Action-Plot nichts wert, wenn es Autor und Regisseur nicht schaffen, die guten Stellen so stark mit glaubwürdigen Emotionen aufzuladen, dass der Zuschauer den Griff zur Waffe herbeisehnt. Bei “The Expendables” wünscht man sich hingegen eher einen Stromausfall, um das Trauerspiel der Alten nicht weiter ansehen zu müssen. Es ist die Geschichte einer Söldnertruppe, die auf einer südamerikanischen Insel namens Vilena gegen einen Diktator kämpft und ein CIA-Komplott aufdeckt. Ach ja, und eine Frau retten. Die Tochter des Diktators, die Sly aka Barney “The Schizzo” Ross am Ende auch noch schnell befreit.

© Studio / Produzent
© Studio / Produzent

Die Grundidee des Films mag ja noch annehmbar sein, aber Plot, (nicht vorhandenes) Tempo und Inszenierung töten jeden Witz und hebeln alle potentiell spannenden Momente einfach aus. Dadurch wirkt das Ensemble müde und behäbig. Was natürlich auch am besagten High-Concept Gedanken liegt. Sylvester Stallone hat sich selbst kopiert. Er wollte einen Film machen wie früher. Von “The Expendables” bleibt leider nichts als die Nostalgie eines 60-jährigen, in die Jahre gekommenen Helden. Bei aller Hochachtung vor einem der grössten Autorenfilmer aller Zeiten – so was sollte er seinen Fans nicht ein weiteres Mal antun.

Ausstattung

Bei der 2-Disc Edition sollte man sich vielleicht besser nur die Bonus-DVD anschauen, denn die macht fast mehr Spass als der Film selbst (sehr ausführliches Making of!). Denn wenn man diesen zuerst anschaut, ist man so enttäuscht, dass das Bonusmaterial nicht mehr aus der Verpackung genommen wird… Oder man schaltet bei der DVD mit dem Film drauf direkt in den „Ultimate Recon Modus“ ein, denn dort erklärt Sly das Wie, Was und Warum, was viel spannender ist als das Resultat…


Seit dem 27. Januar 2011 im Handel.

Originaltitel: The Expendables (USA 2010)
Regie: Sylvester Stallone
Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Terry Crews, Randy Couture, Dolph Lundgren, Arnold Schwarzenegger
Genre: Action
Dauer: 100 Minuten
Bildformat: 2.40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch; Deutsch für Hörgeschädigte
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar; Ultimate Recon Modus; San Diego Comic Con; Gag Reel; Postproduktionsnotizen; B-Roll; Deleted Scenes; Trailer; Postergalerie; TV-Spots
Vertrieb: Impuls

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