Eveline Crone: “Das pubertierende Gehirn. Wie Kinder erwachsen werden”

Hormone sind nicht an allem schuld!

Eveline Crone: “Das pubertierende Gehirn. Wie Kinder erwachsen werden” (Sachbuch)

Teenager: schwierig, unbeherrscht, unberechenbar. – Warum nur verhalten sich Jugendliche so völlig anders als Kinder oder Erwachsene? Wie kommen sie auf ihre oft seltsam anmutenden Ideen? Weshalb neigen sie zu riskantem Verhalten und warum sind sie oft so hypersensibel? – Eveline Crone erklärt das Verhalten Jugendlicher anhand von Veränderungen, die in ihrem Gehirn stattfinden. – Verständlich, verständnisvoll und verständnisfördernd.

Von Andrea Müller-Schmuki.

daspubertierendegehirnLange glaubte man, das sonderbare Verhalten Jugendlicher beruhe nur auf dem veränderten Hormonhaushalt. Doch nicht nur in der Pubertät, die bei weitem nicht die ganze Adoleszenz ausmacht, verändert sich das Verhalten der Heranwachsenden. Weitaus weniger bekannt, als dass die Hormone durcheinander geraten, ist die Tatsache, dass das Gehirn sich in der Jugend stark entwickelt. Verschiedene Hirnareale verändern sich zu unterschiedlichen Zeiten und besonders zwischen dem 10. und dem 22. Lebensjahr läuft dieser Umbauprozess auf Hochtouren.

Jetlag und Planung

Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung, entweder weil Jugendliche im selben Haushalt leben, oder weil man sich selbst noch gut an seine Jugendzeit erinnern kann: Teenager sind morgens kaum wach zu kriegen und am Wochenende bestimmt nicht vor Mittag aus dem Bett zu bekommen. – Nein, das liegt nicht daran, dass Jugendliche faul wären, vielmehr leben sie in einem ständigen Jetlag. Das kommt daher, dass sie sich abends fit fühlen und deshalb nur schwer einschlafen können und morgens doch wieder früh aufstehen und in die Schule gehen müssen. So kommen sie nie auf die neun bis neuneinhalb Stunden Schlaf, nach denen ihr Körper verlangt.

Jedoch nicht nur ständige Müdigkeit macht den Heranwachsenden zu schaffen. Oft platzen sie mit unpassenden Antworten heraus – was sie meistens gleich darauf realisieren – sie sind vergesslich und erscheinen häufig planlos. Das Kontrollsystem von Jugendlichen ist noch in der Entwicklung: Ein wichtiger Grund, weshalb Teenager viel riskanter und kurzfristiger planen als Erwachsene.

Emotionen und Talente

Überempfindlich, abenteuerlustig, risikofreudig und stark von Gleichaltrigen beeinflussbar und gleichzeitig auch abhängig: So sind Heranwachsende. Von einem Moment auf den anderen kann die Stimmung von Jugendlichen wechseln – ohne wirklich erkennbaren Grund. Weshalb tun Jugendliche Dinge gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern? Warum gehen sie unbesonnen Risiken ein, wie etwa das Skateboardfahren auf einem Brückengeländer? – Ganz einfach: Sie denken meistens gar nicht über die Folgen nach. Das momentane Glücksgefühl ist für sie Anreiz genug!

Doch das jugendliche Gehirn ist nicht etwa schlechter, weil es noch nicht vollständig entwickelt ist. Für gewisse Dinge mag es zwar noch nicht gleich gut geeignet sein wie das Gehirn von Erwachsenen, doch im Gegensatz zu deren Gehirn ist es auch noch viel flexibler und Talente gleich welcher Art können zur richtigen Zeit gefördert werden, sodass Heranwachsende viel einfacher und schneller lernen als Erwachsene.

Struktur und Sprache

Die gute Verständlichkeit von “Das pubertierende Gehirn” wird nicht nur durch dessen Aufbau gefördert; das Buch ist in fünf grosse Themenbereiche unterteilt. Vielmehr unterstützen die zahlreichen praktischen, eingängig beschriebenen Beispiele das Verständnis dessen, was auch theoretisch erklärt wird.

Wenngleich das Buch mit entwicklungspsychologischen und anatomischen Fachbegriffen gespickt ist, so ist es dennoch durchaus gut begreifbar und in unaufgeregter, sachlicher Sprache geschrieben. Es ist jedoch kein Ratgeber im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein populärwissenschaftliches Buch für alle, die sich für dieses Thema interessieren.


Titel: Das pubertierende Gehirn. Wie Kinder erwachsen werden.
Autorin: Eveline Crone
Übersetzerin: Bärbel Jänicke
Verlag: Droemer
Seiten: 207
Richtpreis: CHF 23.50

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