“Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben”

“Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben”

Gitarrist Alex Robertshaw (2. v. r.) und Drummer Michael Spearman (ganz links) im nahaufnahmen.ch-Interview
Gitarrist Alex Robertshaw (2. v. r.) und Drummer Michael Spearman (ganz links) im nahaufnahmen.ch-Interview

Everything Everything-Interview, Zürich, 26. 3. 2011

Die nicht selten hysterische britische Musikpresse hat in Everything Everything den nächsten Hype gefunden. nahaufnahmen.ch traf Gitarrist Alex Robertshaw und Drummer Michael Spearman tief im Bauch des Schiffbaus zum Interview.

nahaufnahmen.ch: Was haltet ihr von der Idee des m4music-Festivals, eine Art Plattform zu bieten für Künstler, Medien und die Musik-Industrie?

Alex Robertshaw: Ich glaube, es ist eine gute Idee, etwas Sinn in die für mich teilweise laute Musik-Medienindustrie zu bringen. Der Versuch, das Beste aus Allem herauszuholen und an einem Ort zusammenzubringen… Ich glaube nicht, dass es viele Länder gibt, die dies versuchen und auch noch einen guten Job dabei machen können.

Michael Spearman: Absolut. Es ist jedoch gut, dass es nicht nur Conferences sind, sondern auch Musik gespielt wird, sonst wäre es wohl zu trocken. Dass es Bands hat, die spielen, erinnert die Leute daran, worum es wirklich geht. Nämlich um Bands, die Musik machen. (lacht)

Alex Robertshaw: Man sollte vorsichtig sein und nicht zuviel in das Ganze hineininterpretieren. Musik entsteht einfach, wenn vier oder mehr Leute zusammen laute Geräusche machen. Man sollte mehr darauf den Fokus legen.

nahaufnahmen.ch: Es scheint, als legt ihr grossen Wert auf eure künstlerische Freiheit. Ihr nehmt auch eure Videos selber auf. Hat einer von euch eine Ausbildung auf diesem Gebiet?

Alex Robertshaw: Ja, das stimmt, wir nehmen die meisten Videos selber auf. Ausser Jon (Sänger Jonathan Higgs, Anm. d. Red.) hat eigentlich niemand einen Background im Filmen. Als er Musik studierte, machte er gleichzeitig Kurzfilme und war einfach gerne kreativ. Und jetzt führt er bei unseren Videos Regie. Aber wir haben nun, mit dem grossen Label im Rücken, natürlich ein grösseres Budget und Leute, die uns jede Menge Dinge abnehmen. Man fühlt sich ein bisschen sicherer, wenn ein erfahrenes Team noch dabei ist. Aber wenn du alle Zügel aus der Hand gibst, dann hast du sehr wahrscheinlich am Ende ein schreckliches Video.

Michael Spearman: Es geht darum, eine gewisse Identität zu bewahren mit jedem Output an dem wir beteiligt sind. Wenn du bei einem Label unter Vertrag bist, dann ist es nicht einfach, sich etwas aus dieser riesigen Maschinerie fern zu halten.

nahaufnahmen.ch: Wie schafft ihr es denn, euch davon fern zu halten?

Alex Robertshaw: Wir hatten Glück, unser Label war immer sehr gut zu uns. UK-Geffen liess uns gewähren, sie akzeptierten unsere Videos, die wir selber drehten…wir hatten sehr viel Glück, dass wir uns selber bleiben konnten.

Michael Spearman: Ich glaube, die Leute vom Label haben uns vertraut. Während der Aufnahmen zum Album kam nie jemand vorbei, sie liessen uns einfach machen.

Alex Robertshaw: Genau, entweder war es Vertrauen oder Misstrauen. (lautes Gelächter)

Michael Spearman: Wenn wir irgendeinen Rat geben müssten im Umgang mit Labels, dann kann ich nur sagen: sei vernünftig. Wie in allem eigentlich. Wenn du mit jemandem redest und einen Kompromiss suchst, dann schreist du ihn ja auch nicht an und bist aggressiv. So sind wir an die Sache rangegangen.

Alex Robertshaw: Ja, wir waren offen für Ideen. Wenn du in irgendeine Industrie reinkommst und du probierst dir schreiend Gehör zu verschaffen, erreichst du genau das Gegenteil. Aber wie gesagt, wenn ich so höre, was andere Bands teilweise durchmachen, dann muss ich betonen, dass wir schon sehr viel Glück hatten.

nahaufnahmen.ch: Wenn ihr euch vorstellt, in was für einem Setting die Fans am liebsten eure Musik anhören, was kommt euch da in den Sinn?

Alex Robertshaw: Es ist stockdunkel und sie hören die Musik mit Kopfhörern. Mit wirklich guten Kopfhörern. Stell dir mal vor alle Konzertbesucher würden mit Kopfhörern unsere Musik hören.

Michael Spearman: Die visuelle Ablenkung ist eine Art Nachteil in der Musik. Wenn du eine Platte wirklich hören möchtest, dann tu es in einem dunklen Raum und hör sie dir an, but really fuckin loud! Im Dunkeln bekommen die Dinge neues Leben.

Alex Robertshaw: Aber wir müssten in einem anderen Raum sein, da ich nicht im Dunkeln spielen kann. (lautes Gelächter)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.