Harri Nykänen: „Ariel. Tod der Spinnenfrau“ (Krimi)

Und ewig lockt die Versuchung

Als Kommissar Ariel Kafka am Tatort erscheint, ist er irritiert. Denn nicht nur die in finnischen Polizeikreisen berühmt berüchtigte Maija Erkkilä wurde erstochen: Keine fünf Meter neben ihr findet Kafka die Leiche seines ehemaligen Vorgesetzten Aimo Ikonen. Es scheint, als sei der Kriminalbeamte doch nicht so ehrbar gewesen, wie alle dachten. Wie tief der Sumpf, in dem er zu Lebzeiten steckte, tatsächlich war, lässt auch dem Leser den Atem stocken.

todderspinnenfrauDie Spinnenfrau. So wurde Maija Erkkilä auch genannt. Der Name passt: Schliesslich hat die selbst ernannte Hellseherin ein weit reichendes Netz gespannt – in kriminellen Kreisen. Und in genau jenem hat sich in der Vergangenheit schon manch einer aus der Helsinkier Unterwelt verstrickt. Auch der mit ihr ermordete Aimo Ikonen. Denn der hatte einst – trotz Frau und Kindern – ein Verhältnis mit ihr.

Nichts ist so, wie es scheint
Zudem war Ikonen ein reicher Mann. Wohlhabender als ein Kriminalbeamter auf ehrliche Weise je werden kann. Um den zunächst völlig undurchsichtigen Fall aufzuklären, muss Ariel Kafka in der Vergangenheit stochern und – entgegen seinem Willen – die Erinnerung an den honorigen Ermittler zerstören. Denn der war alles andere als ein Saubermann: Ikonen konnte den Verlockungen seines Jobs nicht widerstehen und machte lange Zeit gemeinsame Sache mit jenen, die er eigentlich jagen sollte.

Als eine weitere Leiche im Haus der Spinnenfrau gefunden wird – erschossen mit Ikonens Waffe – wird die Sache immer mysteriöser. Niemand weiss, in welche Richtung die Untersuchung schliesslich führen wird. Einen Fall wie diesen hat es noch nie gegeben. Ikonens Verbindungen zur Unterwelt sind weit verzweigt. Er machte mit vielen gemeinsame Sache und ist auch nicht davor zurückgeschreckt, seine Kompagnons in Unterwelt und Behörde gegeneinander auszuspielen. Diese Aufhebung der Grenze zwischen Gut und Böse sorgt bei Ariel Kafka und seinen Kollegen für schlaflose Nächte. Ikonen kostete sie den Kopf.

Gut nachgelegt
„Ariel. Tod der Spinnenfrau“ ist ein vielschichtiger Krimi, der grosse Konzentration erfordert. Doch nicht nur die vielen zunächst ins Leere verlaufenden Ansätze, sondern auch die für unsereins ungewöhnlichen Namen stellen für den Leser eine Herausforderung da. Findet man sich aber erstmal in der finnischen Sprachwelt zurecht, ist Harri Nykänens zweiter Teil der Ariel-Serie ein voller Genuss.

Schema F scheint für den Autor ein Fremdwort. Wie im ebenfalls überzeugenden Vorgänger „Ariel. Mord vor Jom Kippur“ setzt er auf seine Fantasie und die Erfahrungen, die er in seiner Zeit als Polizeireporter bei der grössten finnischen Tageszeitung gemacht hat. Die Lektüre zeigt: Die Untersuchung eines Mordfalls ist häufig verzwickt und nicht ganz so einfach, wie viele Krimi-Autoren uns weismachen wollen. Erfrischend und beängstigend zugleich.

 

Titel: Ariel. Tod der Spinnenfrau
Autor: Harri Nykänen
Übersetzerin: Regine Pirschel
Verlag: Grafit
Seiten: 283
Richtpreis: CHF 27.90

 

 

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