Chris Heath & Robbie Williams: „You know me“

Chris Heath & Robbie Williams: „You know me“ (Biografie)

Gute Idee, schlecht umgesetzt

Jeder kennt Robbie Williams. Den frechen Kerl von Take That, der die Boygroup einst hinter sich liess, um Jahre später als Solokünstler die Fans erneut um sich zu scharen. Doch was ist Fassade? Wer der Mensch dahinter? Tatsache ist: Robbie Williams ist einzigartig und hat Grosses geleistet. Sein Biograph Chris Heath in diesem Fall leider nicht. Denn er hat nicht die Distanz gewahrt, die dieses Buch gebraucht hätte.

Von Fee Anabelle Riebeling

youknowmeEigentlich eine schöne Idee: Biograph und Künstler blättern gemeinsam durch die Fotografien, die Werdegang und Leben des Stars dokumentieren. Der kommentiert und gibt so einen Blick hinter die von Managern und Beratern errichtete und von internationalen Klatschblättern aufrecht erhaltene Fassade. Bei der Lektüre hätte man das Gefühl gehabt, neben Robbie Williams auf der Couch zu fläzen. Hätte …

Immer nur Robbie

Nur auf den ersten Blick scheint der Plan aufzugehen. Denn schon beim ersten flüchtigen Blättern durch die 288 Seiten wird klar: Wirklich privat sind die Bilder nicht. Stattdessen sieht man hauptsächlich bekannte Motive. Immerhin: aus ungewohnter Perspektive. In kurzen Texten gibt der Abgebildete Auskunft über die Hintergründe. Doch leider ist es immer der Entertainer Robbie, der da durchklingt, nicht Robert Peter Williams, der Mensch dahinter.

Man kann dem Porträtierten keinen Vorwurf machen. Schliesslich führt er seit rund 20 Jahren ein öffentliches Leben. Das prägt. Chris Heath sollte das wissen und richtig einschätzen können. Schliesslich arbeitet er seit den 80er-Jahren als Musikjournalist, begleitete Robbie Williams – auf dessen ausdrücklichen Wunsch – mehrfach auf Tournee und schrieb über diese Zeit den Bestseller „Feel“, der viele seiner Leser jedoch nicht überzeugte.

Zu nah dran

Wahrscheinlich ist es gerade die jahrelange Zusammenarbeit, die „You know me“ den Todesstoss verpasst. Chris Heath scheint sich in seiner Rolle als gern gesehener Gast in den Privaträumen Williams’ zu gefallen. Davon zeugen die längeren Passagen zwischen den einzelnen Kapiteln. Dass er den Star und dessen Frau Ayda persönlich kennt und sie sogar beim Fitness-Training begleiten darf, mag eingefleischte Fans beeindrucken. Leser mit höheren Erwartungen dürften aber enttäuscht sein.

Wer die Karriere des Briten mit Verstand verfolgt und vielleicht auch mal ein Interview in seriöseren Blättern gelesen hat, erfährt in der Foto-Biografie nichts Neues. Die Selbstzweifel, das Gefühl, niemals gut genug zu sein, die Flucht in Alkohol- und Drogensucht. All das kennt man. Auch, dass Robbie Williams selbst seine verrücktesten Ideen in die Tat umsetzen will. Die gehen zum Glück immer auf – ganz im Gegensatz zu dem Vorhaben Chris Heaths.

„You know me“ heisst das Buch. Zumindest der Titel passt. Denn: Genauso kennen wir Robbie Williams – seit Jahren.


Titel: Robbie Williams. You know me
Autor: Robbie Williams, Chris Heath
Übersetzerin: Lisa Kögeböhn
Verlag: Heyne
Seiten: 288
Richtpreis: CHF 38.90



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