Der Sommer kann kommen!

Contemporary Afro Beat

Der Sommer kann kommen!

Bild: www.tramprecords.com/artists_cd_lp.html
Bild: www.tramprecords.com/artists_cd_lp.html

Das deutsche Labe Tramp Records hat sich auf jegliche Soul-gefärbte Musik aus den 60er und 70er Jahren spezialisiert. Nach einer Funk- und einer Jazz-Compilation folgt mit „Contemporary Afro Beat“ das dritte Album der „Contemporary…“-Reihe. Gleichzeitig ist es die zehnte Veröffentlichung des Labels.

Der Übervater und „Erfinder“ des Afro Beats, Fela Anikulapo Kuti, sah seine Musik als die „progressive Musik der Zukunft“. Mit der Compilation „Contemporary Afro Beat“ beweist der Tramp Records Kopf Tobias Kirmayer, dass der Afro Beat, der dank Kuti und dem Schlagzeuger Tony Allen in den 70er Jahren in New York seinen grossen Hype erlebt hat, überhaupt noch nicht tod, sondern, über die ganze Welt verteilt, überaus lebendig ist. Die Bands, die auf dem Sampler versammelt sind, stammen unter anderem aus den USA, aus Brasilien, Frankreich und Deutschland. Und alle sind zeitgenössische Bands, die in unseren Jahren höchst aktiv und lebendig sind.

Fela Kuti und Tony Allen kombinierten Ende der 60er Jahren in Nigeria die afrikanische Tanzmusik Highlife mit Jazz und Funk und schufen eben dadurch den Afrobeat: Funky Gitarrenriffs, treibende afrikanische Percussions, schneidende Bläsereinsätze, groovende Basslines. Afro Beat vereint die auf den Punkt gespielte Präzision des Funks und die bluesige Melodik und Harmonik des 60er Jahren Jazz mit den treibenden, rollenden Rhythmen Afrikas.

Zum Glück vertraut das Label Tramp Records viel mehr den mitreissenden Grooves und den richtigen Vibes, als der digital-geschliffenen Aufnahmetechnik. Wären die Aufnahmen nämlich glatter und sauber, würden sie viel von ihrem Charme verlieren. Doch dank der analogen Aufnahmetechnik verlieren die Songs nichts von ihrem menschlichen Groove und Puls und tönen nicht nach glatt-geschliffenem Hochglanz-Funk.

Natürlich könnte man die CD mit der Kritik abtun, dass die meisten Bands darauf tönen wie die Bands von Fela Kuti und Tony Allen und sehr wenig moderne Interpretationsansätze des schon circa vierzig Jahre alten Musikstils zu hören sind. Der Jam-Charakter der meist sehr langen Songs, die anheizende Shouts der Sänger und Sängerin, die ausgedehnten Solis, das perkussive Schlagzeug, dass vielmehr ein weiteres Perkussionsinstrument als der einzige Rhythmusträger ist, die ostinatoartige Begleitung von Bass und Gitarre. Alles typische Merkmale der Afrika 70-Leute um Allen und Kuti, welche ebenso auf der hier besprochenen CD zu finden ist. Auch die  dreizehn verschiedenen Songs und die ebenso vielen Bands sind nicht wirklich unterschiedlich. Nur der Song „P.D.P.“ des Akoya Afrobeat Ensemble aus New York, mit seinem entspannten Beginn, der sich dann über ein beschleunigendes Bläserriff in einen nervösen Discofunk steigert, und das Lied „Radio Kabul“ von der Express Brass Band aus München, Deutschland, mit den osteuropäisch angehauchten Bläsern und dem offensichtlichen Zitat aus der Peer-Gynt-Suite von Edward Grieg, lassen neue Ansätze und Einflüsse anklingen.

Doch meiner Meinung geht es bei dieser Compilation nicht um eine Neuerfindung des Afro Beats, sondern darum zu zeigen, dass dieser Musikstil heute immer noch aktuell und lebendig ist. Auch heute hat diese Musik nichts von ihrer mitreissenden und ekstatischer Energie verloren. Die Stücke grooven unbeschwert vor sich hin und dank den rollenden afrikanischen Rhythmen drängt sich die Musik selten auf.

Der perfekte Soundtrack für ausgelassene Sommernächte in Schrebergärten, alten Fabrikanlagen, fröhlichen Open Air-Bars und an lauen Gewässern.


Links:

www.plattfon.ch

www.tramprecords.com/artists

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