Neues aus Kanadas düsteren Wäldern

Timber Timbre – Creep On Creepin’

Neues aus Kanadas düsteren Wäldern

Bild: http://www.timbertimbre.com/music_spotlight.php?search=AC061&artist=Timber%20Timbre
Bild: http://www.timbertimbre.com/music_spotlight.php?search=AC061&artist=Timber%20Timbre

Die kanadische Indie-Folk Band Timber Timbre um den Sänger, Songwriter und Multi- Instrumentalist Taylor Kirk bezaubern auch auf ihrem Zweitling mit düsteren Songs über gebrochene Herzen und deren einsame, verlorene Besitzer.

Nach ihrem vielgelobten und preisgekrönten Erstling Timber Timbre erfüllen die drei Musiker von Timber Timbre auch mit ihrem neuen Wurf die hochgesetzten Erwartungen. Langsam schleppende, bluesgetränkte Songs, die von leeren, sich nach Sonne sehnenden Herzen, von düsteren Séancen und anderen bösen Riten, die man nicht los wird, erzählen. Timber Timbre sind sicherlich einer der interessantesten, eigenständigsten und auch düstersten Band der momentanen Indie-Folk Welle.

Schon 2006 und 2007 veröffentlichten Taylor Kirk, Simon Trottier und Mika Posen zwei Alben im Eigenvertrieb. Doch mit ihrem auf dem Label Out of the Spark veröffentlichten, offiziellen Debutalbum Timber Timbre katapultierten sie sich 2009 schlagartig in Aller Munde. Eine Nomination für den Polar Music Prize und den Titel Album of the Year vom Magazin Eye Weekly folgten.

Die Frage nach einem hochgelobten Durchbruchsalbum ist unausweichlich die, ob die Erwartungen erfüllt werden oder ob es sich als eine Eintagsfliege herausstellt. Im Falle von Timber Timbre darf man den Zweitling Creep On Creepin’ durchaus als gelungen betrachten. Die zehn Songs überzeugen durch ihre Einfachheit. Das kehlige Bassorgan von Taylor Kirk überzeugt und er ist zweifelsohne ein überzeugender und einnehmender Geschichtenerzähler. Im Gegensatz zu ihrem letzten Album tendieren sie vermehrt Richtung Folk und weniger zum Blues hin, obwohl die bluesige Grundstimmung auch auf Creep on Creepin’ erhalten bleibt.

Neu ist die grössere Bedeutung der Instrumente. So sind auch reine Instrumentals auf dem neuen Album zu finden. Und genau bei diesen kommen die Stärken des Neulings am besten zum Vorschein. Es sind nicht instrumentale Glanzleistungen oder die ausgefeilten Arrangements, die die Instrumentals „Obelisk“, „Swamp Magic“ und „Souvenirs“ hörenswert machen, sondern das Ohr und das Interesse für Sounds, Geräusche und – wie ihr Name eigentlich schon impliziert – Timbres. Wie Timber Timbre Stimmungen und Bilder mit ihren Klängen zu erzeugen weiss, ist schlicht und einfach grossartig.

Man höre sich nur einmal den Song „Woman“ an. Stampfend setzt ein verzerrter Bass ein, der von einer eiernden Orgel und dem rumpelnden Schlagzeug unterstützt wird. Doch plötzlich befindet man sich in einem schunkelnden 6/8-Soulsong, der auch von Screamin’ Jay Hawkins stammen könnte, inklusive den obligaten, gehämmerten Piano-Achtel. Nachdem sich Taylor Kirk über die Unterschiede zwischen dem weiblichen und männlichen Erinnerungsvermögen ausgelassen hat, setzt der stampfende Bass wieder ein und hämmert den Song so zu einem würdigen Ende. Wie Timber Timbre den Hörer innert so kurzer Zeit nur durch die Veränderung des Bandsounds von einer Stimmung in eine total andere katapultiert, ist beeindruckend.

Was Timber Timbre so speziell macht, ist nicht das grossartige Songwriting oder die einnehmende und trotzdem düstere Stimme von Taylor Kirk, obwohl das Songwriting tadellos ist und der kehlige Bass von Kirk perfekt zu ihrer Musik passt. Nein, die Eigenständigkeit von Timber Timbre basiert vor allem auf der Klangästhetik, die sie zelebrieren. Klavier und Streicher sind hierfür die Hauptzutat und ein reduzierter Bass und ein dem Bass eng auf dem Fusse folgendes Schlagzeug die Basis. Doch die zahlreichen Sounds und Annäherungen an das Geräusch sind die Würze. Hier eine eiernde Orgel oder eine verzerrte Gitarre, da eine Geigensolo, das je länger je geräuschhafter und atonaler wird, dort ein schmachtendes, leicht verstimmtes Saxofon, ein Telefonklingeln oder ein elektronischer Cembalo-Sound.

Diese Vielfalt an Klängen und Timbres, die Timber Timbre in ihre Songs hinein samplen und aus ihren Instrumenten locken, machen das ernste, düstere, obskure, doch wunderschöne Universum von Timber Timbre aus. Voll spukigen Bildern, schwarzer Romantik und vernebelten, morbiden Stimmungen bewegen sich die Songs irgendwo zwischen melancholischen Folksongs, dem unheimlichen Klanguniversum eines Tom Waits und dem schunkelnden und gleichsam mystifizierten Blues eines Screamin’ Jay Hawkins. Taylor Kirk selber betitelt ihre Musik einmal mit „Gothic Rockabilly Blues“. Ziemlich passend, wenn man Rockabilly in Slow Motion denkt.


Links:

www.plattfon.ch

www.timbertimbre.com


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