Ulrich Schnabel: “Muße”

Erfolgreich nichts tun

Ulrich Schnabel: “Muße – Vom Glück des Nichtstuns” (Sachbuch)

Nichtstun ist die größte Verlockung unserer Zeit. Und trotzdem kann dieser süßen Versuchung kaum jemand nachgeben. Wie schafft man es, einfach nichts zu tun? Ulrich Schnabel gibt Tipps und Anregungen für Mußestunden im Zeitalter der Reizüberflutung.

Von Nadine Klopfenstein.

musseNichts klingt so verführerisch wie das süße Nichtstun. Die Leichtigkeit des Seins einfach zu genießen und die absolute Ruhe, die sanfte Stille, das Alleinsein mit sich selbst zu erleben. Doch nichts ist schwieriger als nichts zu tun. Im Zeitalter der ständigen Erreichbarkeit scheint Ruhe das einzige zu sein, woran es mangelt. Und doch schafft es kaum jemand, sich Zeit zu nehmen für diesen Moment, in welchem man keine Aufgaben erledigen muss, niemandem zu antworten braucht oder einfach die Augen schließen kann und an nichts denken mus. Die Zeit für Muße fehlt.

Vom Innehalten

Ulrich Schnabel zeigt in seinem Buch die Wichtigkeit des Innehaltens auf und versucht den Leser an den Zustand der Muße heranzuführen. Dem Autoren gelingt dies jedoch nur bedingt. Obwohl das Buch gut durchdacht und in klare Themeneinheiten gegliedert ist, fehlt der roten Faden – oder wird zumindest von einigen Kapiteln jäh unterbrochen.

Zu Beginn führt uns der Autor durch den hektischen Alltag und unterstreicht damit die Überforderung in der heutigen Gesellschaft. Dabei erzählt Ulrich Schnabel nichts Neues, informiert aber in klassischer Journalistenmanier bildhaft und exemplarisch über die Probleme des einzelnen Individuums mit der Reizüberflutung des Alltages. Die Heranführung an das Thema ist schön zu lesen und macht die Problematik des Innehaltens in unserer Gesellschaft transparent.

Muße als Konsumgut

Sobald dem Leser klar geworden ist, dass ihm Zeit für Muße fehlt, legt Schnabel nach und beweist, dass Nichtstun wertschöpfend für das Individuum sein kann. Der Autor greift dabei kräftig in alte Trickkisten und zieht bekannte Hasen hervor wie das Lernen im Schlaf oder das Nickerchen zwischendurch. Damit begeistert er wenig und verliert massiv an Glaubwürdigkeit. Die Muße verkommt zum Konsumgut.

Als Beleg für seine These, dass Mußezeit die Erfolgschancen des Einzelnen verbessern, lässt Ulrich Schnabel gekonnt einige Prominenz Schaulaufen – und kann auch damit nicht überzeugen. Interessant sind die Geschichten dieser unterschiedlichen Prominenten allemal, doch als Leser fragt man sich, wie ein Ausflug in die beispiellosen Erfolge von Berühmtheiten helfen soll, das Nichtstun zu fördern.

Zeitalter der Gehetzen

Der Autor findet aber wieder den Anschluss an seine einführenden Kapitel und beginnt dem Problem des Zeitverlustes näher auf die Spur zu kommen. Dabei bietet er interessante und intelligente Denkansätze und erklärt unter anderem, wieso wir im Zeitalter der Gehetzen leben und wie sich diese Tatsache im Konsens der Geschichte wieder relativiert.

Zum Schluss bietet das Buch noch Lebenshilfen und Übungen um Zeit für Muße in den Alltag einfließen zu lassen. Obwohl dieser Teil des Buches sehr an eine Ratgeberkolumne oder einen Lifestyleartikel erinnert, sind die Übungen gut umsetzbar und für den gestressten Leser durchaus hilfreich.

Alles in allem ein lohnenswertes Buch, geeignet für Gehetze und solche, die es nicht mehr sein möchten. Es kann gut Kapitel für Kapitel gelesen werden und enthält – ganz im Gegensatz zur Aussage des Buches – auch eine Kurzform für Eilige.


Titel: Muße – Vom Glück des Nichtstuns
Autor: Ulrich Schnabel
Verlag: Blessing
Seiten: 287
Richtpreis: CHF 33.90

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