Gregor Weber: “Feindberührung”

Ganz anders, als gedacht

Gregor Weber: “Feindberührung” (Roman)

Wenn Schauspieler in die Tasten hauen und plötzlich nicht mehr nur Texte auswendig lernen, sondern solche auch selber schreiben, kann das schief gehen. Oder auch gut gelingen – wie im Fall von Gregor Weber, den die meisten wohl als Stefan Deininger aus dem Saarbrücker „Tatort“ kennen. Er hat auch als Autor seine Hausaufgaben gemacht. Sein Debüt-Krimi „Feindberührung“ überzeugt.

Von Fee Anabelle Riebeling

feindberührungIn einer fiktiven Garnisonsstadt im Süden Deutschlands ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ein schwer verletzter Fallschirmjäger und Afghanistan-Heimkehrer mit guten Verbindungen ins „Milieu“ wird erstochen in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei ermittelt und tappt zunächst im Dunkeln. Denn: Der Täter könnte sowohl aus den Reihen des ortsansässigen Rockerclubs als auch aus der Drogenszene kommen. Die Spuren sind uneindeutig: Neben den zahlreichen Stichen, die auf eine Wuttat deuten, findet sich auch ein gezielt platzierter Stich ins Herz. Das spricht nicht für die zunächst verdächtigten Gruppen.

Das Ziel vor Augen

Auch Hauptkommissar Kurt Grewe und seiner Kollegin Therese Svoboda scheint das zu einfach. Sie verfolgen parallel andere Spuren. Eine führt in die Bundeswehrkaserne, in der der getötete Rems stationiert war, bis er bei seinem letzten Einsatz in Afghanistan bei einer Bombenexplosion beide Beine verlor. Doch dass hier der Mörder zu finden ist, können sich die Ermittler zunächst kaum vorstellen. Erst als Grewe einem alten Bekannten begegnet, kommt der Fall ins Rollen, und zwar anders, als es alle Beteiligten gedacht haben.

Zwar kommt Autor Gregor Weber nicht vom (schreibenden) Fach, doch seine Erfahrungen als Kriminaloberkommissar Deininger im „Tatort“ scheinen Schule genug gewesen zu sein. „Feindberührung“ wird konsequent erzählt, was sich auch in der Sprache niederschlägt: Weber verzichtet über weite Strecken auf wortgewandte Finessen und treibt stattdessen die Aufklärung des Mordfall Rems zügig voran. Das sei gestattet. Denn das macht er gut. Das Buch für länger als einen Tag aus der Hand zu legen, ist unmöglich.

Erfrischend aktuell

In weiten Teilen chronologisch erzählt, springt Weber in seinem Debüt-Krimi von Beginn an ab und an in der Zeit. So gestattet er dem Leser beispielsweise, Rems’ letzten Minuten beizuwohnen. Der kleine Wissensvorsprung, den der Leser gegenüber den Ermittlern dadurch gewinnt, baut Weber durch wohl dosierte Informationen zu Rems’ letztem Kriegseinsatz in Afghanistan kontinuierlich aus. Das ist speziell und rückt die Anstrengungen von Grewe und Svoboda in ein ganz besonderes Licht. Dass die beiden nicht wie Superhelden den Fall im Nullkommanichts lösen, sondern hadern und zaudern, ist erfrischend angenehm.

Gregor Weber greift für „Feindberührung“ nicht nur auf seine Erfahrungen als TV-Kommissar, sondern auch auf seine Zeit als Stabsoffizier der Reserve zurück. Er kennt sich aus bei der deutschen Bundeswehr und das merkt man. Statt sich in fantastischen Schilderungen zu verstricken, schildert er unaufgeregt und sachlich. Das ist die grosse Stärke des Buches, das damit nicht nur einen spannenden, aber zeitlosen Kriminalfall behandelt, sondern auch die häufig so gern verschwiegenen Schattenseiten des Krieges thematisiert. Chapeau!


Titel: Feindberührung

Autor: Gregor Weber
Verlag: Knaus
Seiten: 384

Richtpreis: CHF 27.90

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