Tino Hanekamp: “So was von da”

Pure Vernunft darf niemals siegen

Tino Hanekamp: “So was von da” (Roman)

Wenn jemand behauptet, dass das Leben auf dem Hamburger Kiez als Gastronom kein einfaches sei, dann ist das wenig überraschend. Wie temporeich, spannend, nervenaufreibend und gelegentlich auch niederschmetternd es aber wirklich sein kann, in Sankt Pauli auf der Reeperbahn einen Club zu betreiben, erzählt Tino Hanekamp mit seinem Romandebüt “So was von da” ausführlich und authentisch. Er muss es wissen, schliesslich teilt er das Schicksal mit seiner Hauptfigur.

Von Ferdinand Laudage.

sowasvondaSilvester: die Nacht, in der alle feiern. Party non stop. Keine Kompromisse. Nur Oskar Wrobel könnte darauf verzichten. Für ihn ist es nämlich die letzte Nacht. Sein Club – am Ende der Reeperbahn, Hamburgs berühmter Vergnügungsmeile – läuft zwar gut, wird aber schliessen müssen. Oskar hat Schulden, er hat keine Wahl. Das Gebäude, ein altes Krankenhaus, wird schon einen Tag später Bekanntschaft mit der Abrissbirne machen. Dass ausgerechnet jetzt “Kiezkalle”, ein ehemaliger Zuhälter, den Geldeintreiber spielen und zehntausend Euro von Oskar haben will, passt ins Bild.

Viele Scherbenhaufen – doch wo ist bloss der Kehrbesen?

Seine Existenzängste sind allerdings noch nicht einmal Oskars grösste Sorge. Ewigen Kummer bereitet ihm auch sein verkorkstes Liebesleben. Mathilda hier, Mathilda da. Oskars ehemalige Verflossene übt weiterhin enormen Einfluss auf den jungen Gastronomen und dessen Entscheidungen aus. Zu allem Überfluss dreht Oskars bester Freund am Rad: Rocky macht Musik und hat Erfolg, der ihm zu Kopf steigt. Nicht einfach, auch nicht für Oskar. Der fragt sich nur: Was soll das überhaupt alles? Warum stecke ich so tief im Dreck? Und wie komme ich wieder raus?

Trailer

Tino Hanekamp hat mit “So was von da” einen enorm glaubwürdigen ersten Roman geschrieben. Als Musikjournalist war ihm die Szene bereits gut bekannt, als er vor einigen Jahren das kleine Musiklokal “Weltbühne” eröffnete, das nach geraumer Zeit ebenfalls abgerissen wurde. Später gründete Hanekamp den erfolgreichen Hamburger Club “Uebel & Gefährlich”. Sein erstes Buch war dem Autor ein enormes Bedürfnis, wie er in diversen Interviews verrät. Auch er hatte einstmals mit Existenznöten zu kämpfen und verarbeitete all seine Sorgen schlussendlich in diesem Debütroman.

Ohne Zweifel authentisch

Seine Arbeit ist ihm hierbei voll gelungen und beeindruckt tatsächlich. “So was von da” ist elegant, wortwitzig, atemlos und vor allem leidenschaftlich. Schlag auf Schlag geht es den roten Pfaden entlang. Popliterat Hanekamp nimmt kein Blatt vor den Mund, schreibt offen und ehrlich über Musik, den Kiez und darüber, wie es ist, einen potenziellen Traumjob als Clubinhaber zu haben. Es ist einer, bei dem man Abstriche in Kauf nehmen muss, das weiss der Leser spätestens nach der Lektüre von Tino Hanekamps Erstling.

Titel: So was von da
Autor: Tino Hanekamp
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seiten: 284
Richtpreis: CHF 23.50

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