Eine musikalische Hommage an den Italo-Western

Danger Mouse & Daniele Luppi – Rome

Eine musikalische Hommage an den Italo-Western

Bild: http://romealbum.com/
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Danger Mouse und Daniele Luppi lassen die Filmmusik von Ennio Morricone und Co. hochleben. Dafür schrieben sie nicht nur Musik, die klingt wie damals, sondern sie nahmen auch am gleichen Ort mit möglichst dem gleichen Equipment und teilweise sogar den gleichen Leuten auf wie damals. Nur Jack White und Norah Jones, die je auf drei Songs zu hören sind, sind von heute.

Danger Mouse alias Brian Burton arbeitete schon 2006 bei seinem Gnarls Barkley Album „St. Elsewhere“ mit dem italienischen Komponist und Arrangeur Daniele Luppi zusammen. Damals entstand, dank der geteilten Liebe zu den Italo-Western der 60er und 70er, auch schon die Idee zu diesem Album. Jetzt – fünf Jahre später – ist das Werk endlich vollendet. Eine gute halbe Stunde lang voll musikalisch umgesetzten staubigen Duellen, einsamen Cowboys, hinterhältigen Priestern, schmachtenden Bartänzerinnen und ehrlich arbeitenden Siedler lassen die Filme von Sergio Leone wieder aufleben. Danger Mouse und Daniele Luppi begaben sich dafür nach Rom in das legendäre Ortophonic Studio (heute Forum Studio), wo auch Ennio Morricone seine Filmscores aufnahm, gruben viel von dem damaligen Equipment aus und luden Musiker, die schon mit Morricone und Co. zusammenarbeiteten, zur Aufnahmesession ein. So singt die 76-jährige Edda Dell’Orso, die berühmte Sopranstimme von „The Good, The Bad and The Ugly“ und „Once Upon A Time In The West“, mit und Gilda Butta’ spielt Celesta. Beides Musikerinnen, die schon in der Blütezeit des Italo-Western ihren Teil zu dessen legendärem Soundtrack beisteuerten.

Nach dem ersten Durchhören ist schon klar, dass das Experiment gelang. Schon beim ersten Stück, dem „Theme Of Rome“, hört man die staubig-trockene Wüstenszene und den einsamen Reiter. Eine dezent-rauschende Trommelbegleitung, ein paar schwebende Gitarrenakkorde und die flirrende Sopranstimme von Edda Dell’Orso versetzen einen sofort in eine Szene aus einem Sergio Leone-Klassiker. Auch die weiteren Stücke sind hundertprozentig gelungen. Jack White wird in „The Rose With The Broken Neck“ zu dem einsamen Cowboy, in „Two Against One“ zu einem gefährlichen Duellant, der es sogar mit zwei Gegner aufnimmt, und in „The World“ zu dem Held, der in den Sonnenuntergang neuen Abenteuern entgegen reitet und Norah Jones beweist in „Season’s Tree“, „Black“ und „Problem Queen“, dass sie nicht nur die nette Jazzpop-Sängerin ist, sondern auch sexy und gefährlich tönen kann.

Doch zum Glück hängt nicht alles an den Gastsängern. Denn nur sechs der fünfzehn Stücke (inklusive den drei kurzen Interludes) sind Featurings mit Jack White oder Norah Jones. Die andern neun Stücke sind – bis auf die wortlosen Gesangparts von Edda Dell’Orso und dem Chor Cantori Moderni – Intrumentals. Doch auch hier geht das Konzept auf: Melancholische Celesta-Melodien, langsam wiegende 6/8-Tracks inklusive schmachtenden Streichern (gespielt vom B.I.M. Orchestra) und zurückhaltend begleitende Western-Gitarre und Songtitel wie „The Gambling Priest“, „The Matador Has Fallen“ und „Morning Fog“ unterstützen das beabsichtigte Kopfkino ideal. Genial, wie einige Melodien einige Lieder später plötzlich wieder aufblitzen, wie Luppi und Burton die samtene Altstimme von Norah Jones mit dem hellen Glockenspiel verknüpfen, wie sie den musikalischen Raum mit dem vereinten Einsatz von dem Chor und dem Streichorchester plötzlich um Meilen erweitern. Alles in allem perfekte Filmmusik für einen staubig-trockenen Italo-Western. Das Album verlangt fast nach einem mutigen Regisseur, der den Film zu dieser CD dreht. Das Artwork ist auf jeden Fall schon wie dafür gemacht: ein ausklappbares Booklet, das, mit den Machern über dem Titel und den Stars und dem übrigen wichtigen Staff darunter, wie ein Filmplakat daherkommt.

Es stellt sich natürlich die Frage, wieso man im Jahre 2011 ein Album herausbringen muss, das tönt als wäre es den Soundtrack für einen Film aus den 60er oder 70er. Denn etwas wirklich aufregend Neues findet man auf „Rome“ nicht. Doch auf welchem Album hat man in den letzten Jahren wirklich etwas noch nie Dagewesenes gehört? So ist dieses Album wenigstens ehrlich und vor allem sehr gut gemacht. Es will nicht mehr, als die Musik der Italo-Western hochleben lassen und das macht es vortrefflich. Wer also seine Freude an der Musik von Ennio Morricone und Co. hat, wird auch dieses Album lieben.


Links:

www.plattfon.ch

www.emimusic.ch/danger_mouse/news/3499

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