“Wichtig ist das Verständnis für die Einstellung und Sichtweise des Gegenübers.”

“Wichtig ist das Verständnis für die Einstellung und Sichtweise des Gegenübers.”

Interview mit Hendrik Lesser vom Videospielkulturverein.

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Von Rudolf Inderst.

nahaufnahmen.ch: In München gibt es offensichtlich nicht nur das Hofbräuhaus, sondern auch seit 2006 den Videospieltkulturverein. Bevor wir über diesen reden, stell Dich doch kurz einmal unseren Leserinnen vor.

Hendrik_LesserHendrik Lesser: Seit ich denken kann, bin ich Computerspieler und beschäftige mich mit diesem Hobby, das längst zum Beruf geworden ist. Schon als Jugendlicher habe ich in einem Videospielladen gearbeitet, zwischenzeitlich über Spiele geschrieben und mich dann – nach erfolgreich abgebrochenem Philosophiestudium – endgültig dazu entschlossen mein Hobby zum Beruf zu machen. Seit 2005 bin ich Geschäftsführer von remote control productions, das Entwickler in allen Bereichen der Spielentwicklung unterstützt. Zudem bin ich als Dozent tätig und halte Vorträge an verschiedenen Lehrinstituten, um meine Erfahrung an Studenten weiterzugeben. Nicht zuletzt setze ich mich als Vorstand des Videospielkulturvereins für die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ein.

Der Verein setzt sich für die politische, akademische und gesellschaftliche Anerkennung von Videospielen als wertvolles Kulturgut ein. Zu den Zielen des Vereins zählen dabei gesellschaftliche Aufklärung sowie die Förderung künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema Videospiele. Jetzt sind 5 Jahre seit dieser Gründungserklärung vergangen. Auf welche “Erfolge im Kampf gegen digitale Engstirnigkeit” würdest Du verweisen?

In den letzten fünf Jahren haben wir viel erreicht. In der Politik und Bevölkerung haben wir mit gelungenen Aktionen auf uns Aufmerksam gemacht und konnten viele Unterstützer gewinnen. Zu Besuchern unserer Veranstaltungen zählen mittlerweile Politiker und Abgeordnete von verschiedenen Bildungsinstitutionen, mehreren Parteien oder dem bayrischen Staat. Der VSK hat zudem mehrere Magister- und Bachelor-Arbeiten mitbegleitet. Weitere wichtige Erfolge sind die offizielle Förderung durch den Bayerischen Staat, Aufklärungsarbeit bis ins bayerische Innenministerium, Treffen mit mehreren Parteien zum Thema und Partnerschaften zu diversen pädagogischen Bildungseinrichtungen. Als weiteres Highlight ist der VSK von der deutschen Entwicklergemeinde 2009 mit dem Sonderpreis ausgezeichnet worden.

Bei unseren Veranstaltungen treffen und diskutieren verschiedene Interessengruppen über das Thema Videospiele. Zum Beispiel veranstaltete der Verein im Juni 2009 gemeinsam mit den Verbänden BIU und GAME sowie dem CAM im Landtag erstmals den Bayerischen Spieleabend. Weiterhin haben wir Treffen der Generationen organisiert, bei dem sich Jung und Alt über das Thema austauschen. Auch eine spezielle „Eltern-LAN“ veranstalten wir, bei dem sich Eltern über das Hobby Ihrer Kinder informieren können. Regelmäßige „Round Tables“ mit Vertretern aus der Politik sollen auch Politiker weiter für das Thema Videospiele öffnen. Des Weiteren gibt es noch unsere regelmäßig stattfindende „Games Lounge“ (nahe am 100. Mal), bei  der sich die Mitglieder zum gemeinsamen Spielen treffen und neue sowie Interessierte jederzeit willkommen sind. Auch eine Webseite sowie Facebook-Seite haben wir, über die sich Fans und Mitglieder austauschen.

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Vereinsarbeit kann mitunter ganz schön am Nervenkostüm rütteln. Was sind in dieser Hinsicht Deine Erfahrungen?

Wichtig ist, immer Verständnis auch für die Einstellung und Sichtweise des Gegenübers zu haben. Das gilt für vereinsinterne Entscheidungen und Diskussionen, aber vor allem auch für die Überzeugungsarbeit, die wir leisten. Zunächst muss man einfach verstehen, woher das Gegenüber kommt und welche Einstellung derjenige gegenüber Videospielen hat. Erst dann kann man Wege zum gegenseitigen Verständnis finden. Auch Geduld ist ein wichtiger Faktor, weil ehrenamtliche Tätigkeiten vielerorts zuerst nicht ernstgenommen werden. Mittlerweile bekommen wir aber sehr viel mehr positive Rückmeldungen als früher. Man merkt einfach, dass wir bereits vielerorts unseren Stempel hinterlassen haben.

Wo soll es in Zukunft hingehen?

Wir werden weiterhin an unseren Zielen festhalten und die genannten Veranstaltungen weiterführen. Sie sind ein sehr gutes Mittel, um Themenfremde für Videospiele zu begeistern. Weitere Ziele umfassen ein noch leichter zugängliches Vereinsheim, um besser Besucher und Interessierte zu empfangen. Auch unsere Videospielarchiv wird weiter vergrößert, um die Kulturgeschichte der Videospiele auch so akkurat abbilden zu können. Unsere genannte Games Lounge wird dadurch für Außenstehende noch attraktiver. Allgemein wollen wir auch noch viel mehr die künstlerischen Aspekte in Videospielen hervorheben, die kulturelle Vielfalt, einzelne Künstler und neueste Entwicklungen darstellen. Das alles soll noch viel stärker ein Teil des VSK werden – wir freuen uns schon jetzt auf zukünftige Mitglieder und Unterstützer aus allen Bereichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

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