Beverly Connor: “Brandzeichen”

Kay Scarpetta meets Indiana Jones

Beverly Connor: “Brandzeichen” (Thriller)

Thriller mit Forensikern oder Pathologen als Hauptfiguren erfreuen sich schon seit langem grosser Beliebtheit, und Namen wie Patricia Cornwell und Kathy Reichs sind jedem Krimifan ein Begriff. Obwohl bereits fünf ihrer Romane in deutscher Übersetzung vorliegen, hat Beverly Connor diesen Bekanntheitsgrad noch nicht erreicht. Zu Unrecht?

Von Stefanie Feineis.

brandzeichenAuch in Connors viertem Roman führt ihre Ermittlerin Diane Fallon im wahrsten Sinne des Wortes ein Doppelleben: Zum einen muss sie ihre Führungsposition im örtlichen Museum wahrnehmen, zum anderen muss sie als forensische Anthropologin die Polizei bei deren Ermittlungen unterstützen. Und damit nicht genug: Auf den gut 500 Seiten betätigt sich Diane ausserdem als Mediatorin, Forscherin, Psychologin und Hobby-Detektivin.

Explosiver Start

Als im kleinen Ort Rosewood mitten in der Nacht ein von Studenten bewohntes Haus während einer gut besuchten Party explodiert, wird nicht nur Dianes Schlaf brutal unterbrochen. Dass dies kein Einsatz wie jeder andere ist, wird ihr bereits klar, als ein verletzter und offensichtlich und Schock und Drogen stehender Jugendlicher versucht, ihr Auto zu stehlen. Kaum ist Diane dieser Situation entkommen, wartet schon die nächste Hiobsbotschaft: Am Ort der Explosion sind zahlreiche Leichen zu identifizieren, die teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannt oder regelrecht zerteilt wurden. Viele Eltern warten panisch auf Nachrichten zum Verbleib ihrer Kinder, darunter auch Detective Frank Duncan, mit dem Diane eine Beziehung hat. Seine Adoptivtochter Star ist momentan unauffindbar.

Grosse Verwirrung

Glücklicherweise wird Star unverletzt gefunden, dafür ist eine Museumsmitarbeiterin unter den Schwerverletzten, was den Fall für Diane noch persönlicher macht. Dann stellt sich heraus, dass sich im Keller des Hauses eine illegale Drogenküche befand, die wahrscheinlich die Explosion ausgelöst hat. Die Polizei ermittelt fieberhaft, doch einige Bewohner des Dorfes – allen voran die elitäre Familie des Autodiebs – tun alles, um Fortschritte zu blockieren. Bald ereignen sich weitere Morde, die scheinbar nicht mit der Explosion in Verbindung stehen…oder doch? Schliesslich ist eines der Opfer ein Ermittler der Polizei. Und als wäre dies nicht genug, muss sich Diane während der nächsten Tage auch mit Problemen im Museum herumschlagen. Wertvolle Artefakte wurden gestohlen und eine ihrer Mitarbeiterinnen benimmt sich sehr seltsam. Was hat die verschlossene junge Frau zu verbergen?

Kleinere Schwächen

Beverly Connor selbst ist Archäologin. Ihre grosse persönliche Erfahrung spiegelt sich in den vielen kleinsten Details und dem fundierten Wissen zu geschichtlichen Themen wieder. Leider ist die Entwicklung des Plots ein bisschen zu sehr in den Bereich einer Indiana Jones Geschichte abgeglitten, und es fällt schwer, sich das Ganze als wirkliches Ereignis vorzustellen. Ausserdem geschieht schlicht und ergreifend zu viel auf einmal, und man verliert im Gewirr der Handlungsstränge nur allzu leicht den Überblick. Ein weiterer Wermutstropfen sind die Figuren. Zwar sind diese – allen voran die Titelheldin – nicht unsympathisch gezeichnet, können aber dennoch nicht mit der Komplexität einer Kay Scarpetta oder Tempe Brennan mithalten. Sie wirken zu eindimensional und zeitweise gar unmenschlich, wenn sie Hiobsbotschaften zu ruhig und gelassen aufnehmen oder selbst in brenzligen und emotionalen Situationen höflich und fast distanziert miteinander umgehen.

Kein schlechtes Buch, jedoch drängt sich der Vergleich mit den ‘Grossen’ der Branche geradezu auf und es wird bald klar, dass Connor hier nicht ganz mithalten kann. Für Interessierte und Fans des Genres aber durchaus einen Versuch wert.


Titel: Brandzeichen
Autorin: Beverly Connor
Übersetzung: Michael Bayer
Verlag: Knaur
Seiten: 512
Richtpreis: CHF 14.50

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