Dich erwartet eine ungewisse Zukunft, Nr. 7’000’000’000.

Das Risiko Mensch

Stellen Sie sich vor, auf der Erde lebten nur halb so viele Menschen – jeder Zweite wäre kurz mal weg. Vor gerade mal 44 Jahren war es so: damals bewohnten 3,5 Milliarden Menschen den Planeten. Seither hat sich Homo sapiens erfolgreich vermehrt – und vermehrt sich weiter.

Von Martin Geiser

Ich blättere ich einer alten Zeitschrift: Die GEO-Ausgabe vom Januar 1990 widmete ihre Titelstory dem Thema Bevölkerungsexplosion. Was ich da lese, gleicht aufs Haar den Diskussionen von heute: Damit es für alle genug hat, müssen wir die Ressourcen schonen und weniger Energie verbrauchen. Und was heute als Ursache für das ungehemmte Wachstum der Weltbevölkerung gilt, war auch damals schon klar: Armut und fehlende Bildung.

Die Menschheit weiss also schon lang, was zu tun ist. Und es mangelt auch nicht an Ideen, wie das Notwendige umgesetzt werden könnte. Doch tatsächlich angepackt wurde praktisch nichts: Nicht nur, dass die Weltbevölkerung weiter wächst. Auch vergeuden wir in den Industrieländern nach wie vor Energie und Rohstoffe und in den Schwellenländern sogar immer mehr davon. Von der Zerstörung und Verschmutzung der Umwelt, wollen wir gar nicht erst sprechen.

SchahbesuchXinXBerlinX1967Als 1967 der Schah von Persien Deutschland besuchte,
lebten nur halb so viele Menschen auf der Erde

 

Immerhin wächst die Bevölkerung in den verschwenderischen Staaten nicht mehr all zu stark. Hingegen wollen die Schwellenländer beim Wohlstand aufholen. Auch in Indien und China fordern die Massen (neue) Mobiltelefone, Computer, Autos, Kleider und Schuhe. Und die Produktion dieser Güter braucht Wasser, Energie und Rohstoffe. Und belastet somit unsere Lebensgrundlagen.

Die Verschwendung ist zwar in den Entwicklungsländern kein Thema, aber die vielen zusätzlichen Menschen haben trotzdem Ansprüche. Nahrung und Unterkunft sind das Mindeste. Diese Menschen brauchen zum Beispiel Holz, um ihre Feuer zu unterhalten. Sie brauchen Nahrung, zum Beispiel aus dem Meer. So werden (zumindest regional) die letzten Wälder geplündert, die Meere leer gefischt. Dann spätestens sind die Grenzen des Wachstums erreicht.

Zugegeben, „Experten“ haben schon oft erklärt, die Grenzen des Erträglichen seien bald überschritten. Und doch ist es bis jetzt noch immer halbwegs gut gegangen. Aber das heisst ja nicht, dass wir auch in Zukunft immer glimpflich davon kommen. Es muss ja nicht gleich die Apokalypse sein, aber es werden sehr viele Menschen leiden, verhungern und mangels medizinischer Versorgung sterben. Die nächste humanitäre Katastrophe kommt bestimmt.

Deshalb, im Interesse dieser Menschen, sollten wir handeln. Doch sind wir ansatzweise vernünftig? Ein Blick in die Geschichte des menschlichen Verhaltens lässt ein mulmiges Gefühl zurück.

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