„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“

„Ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt“

Alle Bilder: Sony Music
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Interview mit Sophie Zelmani

Mit ihrem neusten Album „Soul“ ist Sophie Zelmani ihrem ganz eigenen Musikstil grösstenteils treu geblieben: Traumwandlerisch schöne, fragile, intime, von akustischen Gitarren dominierte Lieder mit poetischen und rätselhaften Texten. Als Farbtupfer fungieren diesmal ein Duett mit Daniel Lemma sowie ein paar vereinzelte Reggae-Einsprengsel. Im Mail-Interview mit Nahaufnahmen.ch erzählt die schüchterne Schwedin über magische Momente bei den Aufnahmen zum neuen Album, die alles verändernde Kraft der Liebe, Ratschläge an ihre Tochter und wieso sie bisher kein Live-Album veröffentlichen mochte.

Nahaufnahmen.ch: Sophie, wieso hast du deinem neuen Album den Titel „Soul“ gegeben?

Sophie Zelmani: Meistens wählt man ja einen der Liedertitel als Titel für das Album und in so einem Fall hätten wir die Platte „My soul remembers“ genannt. Aber wir hatten das Gefühl, dass das Wort „Soul“ an und für sich sehr hübsch ist und eine eigene Kraft ausstrahlt. Und dann ist vielleicht diese Platte auch „souliger“ als gewöhnlich…

Was bedeutet das Wort „Seele“ für dich?

Das kann bei unterschiedlichen Gelegenheiten verschiedene Dinge bedeuten. Aber meistens bedeutet es wohl „von innen heraus“.

Wie würdest du dein neues Album beschreiben?

Man kann sagen, dass es eine Fortsetzung von „mir“ ist. Für mich fühlt es sich am natürlichsten an, einfach diejenigen Lieder zu empfangen, die aus mir herauskommen wollen. Ich hatte zwar am Anfang die Idee, mit dem Album eine bestimmte Richtung einzuschlagen, aber das funktionierte nicht.

Das erste Lied auf dem Album heisst „Free Now“. Wie würdest du für dich „Freiheit“ definieren?

Für mich bedeutet Freiheit, ein ehrliches Leben zu führen. Nicht zu akzeptieren, mit Lügen irgendeiner Art durchs Leben zu gehen, nur weil dies vielleicht bequemer wäre. Das macht einen unglücklich.

For you“ ist ein Duett mit dem schwedischen Sänger Daniel Lemma. Wieso hast du gerade ihn als Duettpartner ausgewählt?

Während ich dieses Lied schrieb, konnte ich gewissermassen Daniels Stimme bereits hören. Zudem finde ich, dass er eine in jeder Hinsicht fantastische Person ist. So ist es für mich eine grosse Ehre, dass er mitmachen wollte.

Mit welchen anderen Sängern würdest du – wenn du die Möglichkeit hättest – gerne ein Duett aufnehmen?

Vielleicht mit David Gray oder Jeff Bridges?

Was ist mit „dieser Art von Liebe“ genau gemeint, welche du im Lied „I wouldn’t speak for him“ besingst?

Diejenige Liebe, die einen für immer verändert und dazu führt, dass man sich richtig öffnen kann. Freilich hat nicht jede Liebe diese Kraft.

Eines der neuen Lieder heisst „My daughter“. In einem Interview mit einer schwedischen Zeitung hast du über deine Tochter gesagt, dass sie ebenfalls tolle Lieder schreibe und besser Gitarre spiele als du. Falls deine Tochter später auch Musikerin und Sängerin werden möchte, welche Ratschläge würdest du ihr geben?

Ich würde ihr sagen, dass sie das, was sie tut, mit dem Herzen tun soll. Dann macht sie die Dinge auf jeden Fall richtig. Sie soll sich auch nie mit anderen Menschen vergleichen. Vielleicht würde ich ihr ebenfalls den Ratschlag geben, dass sie nicht so faul und schwierig werden soll, wie ich es bin…

Your soul remembers“, das letzte Lied auf deiner neuen Platte, ist mit über neun Minuten Spielzeit wohl das längste Lied, das du jemals aufgenommen hast. War es von Anfang an geplant, dem Lied dieses epische Ende zu verpassen oder ist dies spontan im Studio so entstanden?

Ja, das war für uns eine magische Aufnahme. Niemand wusste, welchen Weg das Lied nehmen würde. Wir sind einfach unserer Inspiration gefolgt und haben gar nicht gemerkt, dass wir mehr als neun Minuten gespielt haben.

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Kannst du uns den Entstehungsprozess deines neuen Albums etwas genauer beschreiben?

Ich bin ein paar Mal zu Lasse (Lars Halapi, seit Beginn ihrer Karriere Sophies Produzent, Anm. d. Red.) nach Südschweden gefahren, wo er wohnt und gleichzeitig sein Studio hat. Ich habe dort einige Zeit verbracht, bin in Ruhe in seinem Studio gesessen und habe Lieder geschrieben. Wenn ein Lied fertig war, konnte ich nach Lasse rufen und wir haben das Lied direkt eingespielt. Auf diese Art und Weise war es leicht, die vollkommene Stimmung eines Liedes einzufangen, da ich sozusagen immer noch mittendrin war. Einige Male kam auch die Band zu Besuch und wir haben Lieder gemeinsam eingespielt. Zum Schluss kamen einige Overdubs hinzu, wie Streicher und Chöre. Insgesamt dauerten die Aufnahmen einige Monate, vom Frühling bis zum Sommer. Im Medley Studio in Kopenhagen, das nur etwa eine Stunde von Lasses Studio entfernt liegt, haben wir das Album abgemischt. Das Medley Studio ist ungeheuer gemütlich und ein Besuch in Kopenhagen ist immer sehr schön.

Welches waren die schönsten Momente während den Aufnahmen?

Immer dann, wenn wir eine sozusagen magische Aufnahme hingekriegt haben. Wenn alle verstanden haben, dass wir dasselbe fühlten. Dann natürlich auch die Gemeinschaft, die gemeinsam verbrachten Abende, das Essen und der Wein…

Du warst in den letzten fünf Jahren überaus produktiv und hast, zählt man das neue Album dazu, insgesamt vier Alben veröffentlicht. Welches waren die Gründe dafür, dass du in so kurzer Zeit so viele Lieder komponieren und aufnehmen konntest?

Schwer zu sagen. Es sind sowohl die Lust, das Bedürfnis als auch die vorhandenen Möglichkeiten, welche den Schaffensprozess steuern. Es ist schwierig, die Lust aufzuhalten und sobald genügend Lieder beisammen sind, denkt man bereits an eine neue Platte. Ich möchte ja nicht, dass die Lieder liegenbleiben und alt werden.

Wie stark wirst du beim Liederschreiben von Literatur inspiriert?

Ich weiss es nicht. Aber ich lese heutzutage viel mehr als früher, meistens Bücher von schwedischen Autoren. Das Lesen ist sowohl eine Flucht als auch entspannend und Einsicht gebend. Zudem habe ich das Lesen von Gedichten schätzen gelernt.

Wie viele Gitarren besitzt du und welches ist deine Lieblingsgitarre?

Ich habe jetzt drei Gitarren. Eine „Auto- und Hotel-Gitarre“. Dann eine Martin-Gitarre, auf der ich nie spiele. Meine Lieblingsgitarre ist diejenige, die ich mir genau zu jenem Zeitpunkt gekauft habe, als ich meinen Plattenvertrag erhielt. Ich glaube, ich habe die Saiten dieser Gitarre schon mehr als acht Jahre nicht mehr gewechselt.

Deine Schwester Charlotte hat in einer schwedischen Zeitung über dich gesagt: „Sophie hat die schönste Seele der Welt. Sie ist wirklich speziell, ein Engel. Nicht ganz von dieser Welt, eher ein Wesen als ein gewöhnlicher Mensch“. Inwiefern trifft diese Beschreibung auf dich zu?

Ich würde dasselbe über meine Schwester sagen. Aber ich bin wohl eher eine dunkle Träumerin, die vom Licht träumt.

Bevor dein neues Album erscheint, wirst du in Schweden drei Konzerte geben. Das Publikum wird die neuen Lieder zum ersten Mal hören. Bist du, was die möglichen Reaktionen des Publikums betrifft, nervös?

Ja, ich bin nervös. Das bin ich immer. Aber ich hoffe, dass die Zuhörer meine neuen Lieder mögen und sie gut aufnehmen werden, obwohl sie diese zum ersten Mal hören werden.

Ich finde, deine Konzerte sind pure Magie. Hast du je daran gedacht, ein Live-Album zu veröffentlichen?

Danke vielmals, dass du das sagst, aber ich wollte bisher kein Live-Album aufnehmen. Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, ein solches Erlebnis auf einer Platte einzufangen. Ein Konzert ist ja etwas, das im Hier und Jetzt zusammen mit dem Publikum geschieht.

Wann wirst du das nächste Mal in der Schweiz Konzerte geben?

Ich weiss es noch nicht genau, aber ich hoffe, dass es im nächsten Frühling soweit sein wird.

Hast du in der Schweiz einen Lieblingsort oder ein Lieblings-Konzertlokal?

Mir hat es bisher an allen Orten in der Schweiz gefallen, an denen ich Konzerte gegeben habe. Es ist herrlich, immer und immer wieder an die gleichen Orte zurückzukehren. Ich fühle mich dann jeweils wie zuhause.

Zum Schluss beantwortete Sophie für uns ein paar kurze Fragen, die auf dem berühmten Fragebogen des französischen Poeten Marcel Proust basieren:

Deine Vorstellung von wahrem Glück?

Lebenslust.

Deine grösste Angst?

Bitter zu werden.

Welche lebende Person bewunderst du am meisten?

Diejenige Person, in welche ich verliebt bin.

Was würdest du an dir ändern?

Alles.

Deine grösste Extravaganz?

Champagner sowie die Zeit am Strand zu verbringen.

Deine Lieblingsreise?

Eine Reise nach Italien.

Welches ist deine grösste Errungenschaft?

Die Geburt meiner Tochter.

Was bereust du am meisten?

Dass ich bestimmte Menschen schlecht behandelt habe.

Dein kostbarster Besitz?

Die Liebe.

Deine Lieblingsbeschäftigung?

Essen.

Deine markanteste Charaktereigenschaft?

Wahrscheinlich, dass ich so ruhig und schweigsam bin.

Dein persönliches Motto?

Das wird schon klappen!


Sophie Zelmanis neue CD „Soul“ (Sony Music) ist ab 18. November im Handel erhältlich.

Im Netz:

www.sophie-zelmani.com


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