Die positiven Seiten der Globalisierung

Buraka Som Sistema – Komba

 

Die positiven Seiten der Globalisierung

 

Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/
Bild: http://www.enchufada.com/2011/10/25/komba-buraka-som-sistema/


Das portugiesische Party-Quartett Buraka Som Sistema bleibt bei ihrem Zweitling bei ihren Leisten – und das ist gut so. Die positiven Folgen der Globalisierung und der weltweiten kulturellen Durchmischung sind bei den pumpenden Clubhits von Buraka Som Sistema hör- und fühlbar: World Music 2.0.


Ende der 1980er Jahre, nach dem Zusammenbruch der portugiesischen Herrschaft und der daraus resultierenden Einwanderung von Leuten aus Südamerika und der Karibik, entstand im Untergrund von der angolanischen Stadt Luanda unter dem Einfluss von aus Europa kommenden elektronischen Musikstilen ein Hybrid, der inzwischen die Clubs auf der ganzen Welt zu erobern scheint: Kuduro. Damals mischten angolanische DJs, beeinflusst von den neuen Kulturen und Musikarten, ihre angolanische Musik wie Semba oder Kizomba, neuere karibische Musikstile wie Zouk und Soca mit europäischer, elektronischer Musik wie Techno, Tribal House und Co. Diese Mixtur klingt ein wenig nach einem musikalischen Frankenstein, doch das Resultat war unglaublich energetisch und tanzbar: Kuduro („cú duro“ ist portugiesisch für „harter Arsch“).

Einige Jahre später begannen zwei portugiesische Teenies in Buraca, einer Gemeinde in der Agglomeration Lissabons, zusammen Musik zu machen. Sie trafen auf den angolanischen Einwanderer Andro Carvalho alias Conductor, der sie mit der Musik Angolas, mit Kuduro in Berührung brachte. Zusammen formierten sie sich zu Buraka Som Sistema. Ein wohlklingender Name, der – ganz simpel – Buraca Sound System bedeutet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden sie sogar von einem Label entdeckt, von Enchufada. Der Mitgründer des Labels, der Dichter und Musiker Kalaf Angelo, stieg sogar bei ihnen als MC ein. Das höllische Quartett war somit komplett und begann die Welt zu erobern. Ihre erste EP („From Buraka To The World“) ist mit dem Jahre 2006 datiert. Auf ihrem Debüt-Album „Black Diamond“ (2008) können sie schon unzählige Featurings verzeichnen, unter anderem mit der Stimme der „World Music 2.0“, mit M.I.A. Auch der Brasilianische Baile Funk-Pionier Deiza Tigrona oder die angolanischen Kuduro-Musiker DJ Znobia und Pongolove sind für einige Tracks mitverantwortlich. Inzwischen sind circa drei Jahre verstrichen, die die vier mit ausgiebigem Touren gefüllt haben. Sie gelten als eine der besten portugiesischen Liveact, was ihnen auch schon einen MTV Music Award als „Best Portuguese Act“ einbrachte, und spielten dieses Jahr am Rock in Rio vor circa 110’000 begeisterten Menschen.

Man hört dem neuen Album auch an, dass es als Live-Set konzipiert ist. Schon der Opener „Eskeleto“ ist ein Hybrid aus düster-pumpendem Dubstep-Knaller und der zerschossenen, aufpeitschenden Rhythmik des Kuduros. Im Outro von „Eskeleto“ wird auch das Konzept bzw. der Titel des ganzen Albums erklärt. Komba ist ein angolanisches Ritual, wobei die Familie, die Freunde, die Bekannten eines Verstorbenes sich sieben Tage nach seinem Tod versammeln und zusammen sein Lieblingsessen, -getränk, -musik geniessen und so das Leben des Verblichenen mit einer grossen Party feiern. Diese Nähe von Leben und Tod, von ekstatischer Lebensfreude und Düsterheit ist auch auf dem Zweitling von Buraka Som Sistema zu finden. Düstere Bass-Music-Elemente stehen neben zirpenden Synthies und zappligen Drumbeats. Aggressive Wobble-Bässe werden unter wild-ausgelassene Party-Shouts und treibende Karibik-Rhythmen gelegt (so im grandiosen „Tira O Pé“).

Obwohl die zwölf Tracks nicht durchwegs überzeugen, ist Komba wohl eine der gelungensten Clubmusik-Veröffentlichungen dieses Jahres. Es fällt sogar zu den weniger mitreissenden Tracks schwer, sitzen zu bleiben. So fallen das an die neuen Black Eyed Peas erinnernde „(We Stay) Up All Night“ oder das ambivalente „Voodoo Love“, deren t.A.T.u.- ähnlichen Gesang (beigesteuert von Sara Tavares) durch den explosiven Rap-Part von Terry Lynn wett gemacht wird, ein wenig ab. Man darf natürlich nicht erwarten, dass Buraka Som Sistema mit Komba die elektronische Musik revolutionieren werden. Doch selten hört man so energetische, lebendige und multikulturelle Clubmusik wie auf dem neuen Wurf von den vier Portugiesen. Auf jeden Fall eine angenehme Erhellung der tristen Herbstmonaten – trist betreffend des Wetters und der Veröffentlichungen.


Links:

http://www.buraka.tv/

http://www.enchufada.com/artists/buraka-som-sistema/

http://www.plattfon.ch/

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