Eine neue elektronische Hoffnung?

Shlohmo – Bad Vibes


Eine neue elektronische Hoffnung?

Bild: http://www.fofmusic.net/?page_id=2784
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Klirrende Gitarren, eine durch das Hallgerät gejagte Stimme, einige Klicks und Schnipps, ein nostalgisches Rauschen und ein langsam tropfender Beat und fertig ist das Wunderkind. Schon als der damals 19-jährige Shlohmo 2010 seine erste EP Shlohmoshun Redux auf Friends of Friends veröffentlichte, erstaunte er, obwohl teilweise noch ein wenig überladen und unausgereift, mit seinem eigenwilligen Mix von Hiphop, Dub, Electonica, Chillwave, Lo-Fi und Shoegaze. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht er seine „proper debut LP“, wie er auf seinem Blog schreibt, wieder auf Friends of Friends.


Das Album Bad Vibes ist ein Phänomen. Nach dem ersten Durchhören war ich äusserst angetan. Es groovt leichtfüssig, mit ein paar wenigen Klicks und Bleeps wird ein dubbiger Hiphop-Beat angetönt, es erinnert ein wenig an Gonjasufi oder Flying Lotus. Freundlich, gereift und angenehm reduziert und zurückhaltend präsentieren sich die dreizehn neuen Tracks von Shlohmo, was schon sehr erstaunlich ist, für ein Künstler seines Alters. Nur seltsam, dass er ihm mit Bad Vibes ein so düsterer Titel gibt. Auch Track-Namen wie „I Can’t See You, I’m Dead“, „Trapped in A Burning House“ und „Your Stupid Face“ klingen nicht unbedingt freundlich.

Je häufiger und aufmerksamer man das Album jedoch anhört, desto tiefere Schichten werden freigelegt. Mit minimalen Mitteln wie einer zunehmen verzerrten und verdoppelten Gitarre wie auf „I Can’t See You, I’m Dead“ oder einem hypnotischen Beat (z.B: „Get Out“) werden nervenaufreibende Spannungen aufgebaut, die sich dann in gemächlich swingenden Stücke wie „Seriously“, in nostalgischen Feel-Good Melodien wie in „Places“ entlädt.

Sowieso sind die dreizehn Tracks dramaturgisch geschickt angeordnet. In dem durch Vogel-Gezwitscher eingeleitete „Big Feelings“ schält Shlohmo einen plätschernden Puls aus atmosphärischen Feld-Aufnahmen, dessen treibendes Ziehen er durch das gesamte Album nicht mehr verlässt. Spannungen und Gitarrenwände werden darüber aufgebaut, Abgründe aufgetan. Während Shlohmo in Lied Nummer Sechs („Just Us“) eine tropfende Zupfmelodie über choralesquen Gesang und einem hüpfend-swingenden Beat legt, zieht er dann im neunten Lied ganz andere Saiten auf: „Trapped In A Burning House“ erinnert einen fast an Drone-Bands wie Sunn O))) oder Earth und tatsächlich können dabei klaustrophische Angstgefühle aufkommen. Eine langgezogene jaulende Gitarrenmelodie schwingt sich immer höher über düster-verzerrte Klangflächen. Natürlich heisst das nächste Lied dann „Get Out“: Ein monotoner Beat, eine tiefe Orgel, verzogene Stimmen, ein paar geräuschhafte Perkussionselemente und Gitarren und viel Echo reichen Shlohmo, um musikalisch eine geradezu filmische Vision von einem leicht verstörten Morgengrauen inklusive Schlafmangel, Morgentau, realitätsferner Euphorie und, was sonst noch zu dem Ende einer durchfeierten Nacht gehört, zu erzeugen.

Mit den letzten Tracks kehrt Shlohmo dann zu der verträumten, leicht nostalgischen Stimmung des Beginns zurück.

Alles in allem ein überaus geglückter Ausflug in die wundersame Welt des „Wunderkinds“ Shlohmo. Erstaunlich, mit welch feinem Gespür er Chillwave-Gesänge, Lo-Fi-Feldaufnahmen, doomige Gitarrenwände und tropfende Hiphop-Beats miteinander vermischt. Ich denke und hoffe auf jeden Fall noch mehr von ihm zu hören.


Links:

http://www.wediditcollective.com/

http://www.fofmusic.net/

http://www.plattfon.ch/

Ein Gedanke zu „Eine neue elektronische Hoffnung?

  • 07.12.2011 um 17:08
    Permalink

    Jede neue Rezension von Jaronas birgt eine neue Entdeckung für mich 🙂

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