Sandra Lüpkes: “Inselweihnachten”

Paradies für Leuchtturm-Liebhaber

Sandra Lüpkes: “Inselweihnachten” (Roman)

Finja ist Mitte dreissig, seit sechs Jahren verheiratet, seit drei Jahren Redakteurin der auflagestarken Frauenzeitschrift Barbara. Doch das perfekt scheinende Leben befriedigt die Frau nicht. Sie packt ihre Koffer und möchte Weihnachten alleine auf einer Nordseeinsel verbringen.

Von Luzia Zollinger.

inselweihnachtenDas Cover weist nicht auf eine besinnliche Weihnachtsgeschichte hin: Ein Leuchtturm blinkt und man hört den stürmischen Wind, der über die Insel fegt. Doch das Bild passt zur Geschichte. In der Ehe der Journalistin Finja kriselt es. Ihr Mann Marcus und sie sehen sich immer weniger. Finja braucht eine Auszeit und entscheidet sich, Weihnachten alleine auf einer Nordseeinsel zu verbringen.

Leuchttürme so weit das Auge reicht

Die Insel empfängt Finja stürmisch, als sie nach 20-minütiger Überfahrt die Fähre verlässt. Nur wenige Leute sind am Hafen und Finja ist sich unsicher, ob dies Touristen oder Einheimische sind. “Ein Insulaner hatte ihr mal erzählt, die Touristen unterschieden sich darin, dass sie wetterfeste Anoraks in Marinefarben und Wollmützen trügen, um nicht als Urlauber entlarvt zu werden. Die Tarnung würde aber spätestens dann auffliegen, wenn sie laut `Moin, moin!` riefen.” Denn die Insulaner sind wortkarge Menschen. Dieser Hinweis hilft Finja nur ein wenig weiter, da niemand spricht. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich zu ihrer Unterkunft, der Villa Seemannsbraut zu begeben.

Und spätestens in ihrer kleinen Wohnung ist Finja sich bewusst, dass sie auf einer Insel ist. Alles, vom Topflappen bis zum Toilettenpapier, ist mit rot-weissen Leuchttürmen bedruckt.

Finjas Vermieter, Herr Dierksen, schaut sie bei der Begrüssung verwundert an. Er kann es kaum glauben, dass eine junge Frau Weihnachten wirklich alleine verbringen möchte. Doch sie ist sich ganz sicher. Diese Einsamkeit würde sie durchstehen müssen, um Ordnung in ihr Leben zu bringen. Vor der Ordnung muss Finja sich aber zum einzigen Laden auf der Insel beeilen, denn dieser hat über die Feiertage geschlossen. Im Lüttje Leckerlädchen sind nur noch wenige Lebensmittel vorhanden, da die Lieferung vom Festland nicht angekommen ist. Finja ist mit dem Angebot zufrieden. “Keine Pastetchen, Pralinchen, Proseccofläschchen. Nur Dinge, auf die sie wirklich Lust hatte.”

Bevor Finja bezahlen kann, drängt sich eine ältere Frau vor sie. Die Verkäuferin begrüsst sie mit Janette.

Der Liebe kann sich niemand entziehen

Am nächsten Tag macht sich Finja auf den Weg zum Strand. Die Wolken hängen tief und Regen bedeckt die Insel. Als sie das Meer erreicht, sieht sie eine Gestalt ganz nah am Wasser. Finja macht sich Sorgen und eilt zu der Person hin. Als diese sich umdreht, erkennt Finja die Frau aus dem Lüttje Leckerlädchen wieder. Janette erzählt Finja, wieso sie jeden Tag an den gleichen Ort hier am Meer kommt. Diese Geschichte berührt Finja so sehr, dass sie sich immer stärker nach ihrem Mann Marcus sehnt. Wird es Finja wirklich über Weihnachten alleine auf der Nordseeinsel aushalten oder ist die Sehnsucht nach Marcus stärker?

Die auf der Nordseeinsel Juist geborene Sandra Lüpkes erzählt zwei rührende Liebesgeschichten zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von der ersten bis zur letzten Seite zieht Lüpkes den Leser in die Geschichte hinein, nimmt ihn an der Hand und führt ihn durch die stürmische Zeit auf der Insel. Umrahmt wird die Geschichte durch passende, meeresnahe Illustrationen vom Maler Ole West.


Titel: Inselweihnachten
Autorin: Sandra Lüpkes
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Seiten: 64
Richtpreis: CHF 11.90

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