Chuck Palahniuk: „Diva“

Lost in Hollywood

Chuck Palahniuk: „Diva“ (Roman)

Wo Chuck Palahniuk draufsteht, erwartet man Überraschungen und Verstörendes im Stil seines vor 15 Jahren erschienen Kultromans „Fight Club“. Palahniuks neustes Werk „Diva“ ist allerdings das pure Gegenteil: Eintönigkeit und Langeweile bestimmen die Handlung. Erst als es darum geht, dass ein Hollywood-Star ermordet werden soll, wird das Ganze ein wenig spannend. Aber wirklich nur ein wenig.

Von Birke Tunç.

divaWenn man einen Begriff mit Hollywood in Verbindung bringt, dann ist es Oberflächlichkeit: Bei den Schönen und Reichen ist nichts, wie es scheint. Diese Grundthematik scheint wie geschaffen für Chuck Palahniuk, der es sehr gut versteht, die Gesellschaft und den American Way of Life zu hinterfragen. Wer allerdings auf provokative und zynische Aussagen über die Traumfabrik Hollywood wartet, wird enttäuscht. Die Oberflächlichkeit zeichnet nämlich auch Palahniuks „Diva“ aus: Der Geschichte fehlt es an Handlung, die Charaktere sind berechenbar und alles andere als tiefgründig. Oberflächlich beschriebene Figuren in einem oberflächlich erzählten Roman über das Thema Oberflächlichkeit – passt also irgendwie doch.

Schein und Sein

Die „golden days“ der Hollywood-Diva Katherine Kenton sind schon lange vorbei. Mittlerweile dreht sich ihr Leben nur noch um ihren von der Zeit und der Gravitation in Mitleidenschaft gezogenen Körper: überschüssige Pfunde sollen verschwinden, die Haut gestrafft werden. Hie und da schmeisst sie auch mal Dinner-Partys für die anderen Damen und Herren des Hollywood-Olymps, bekommt von einem unbedeutenden Verein einen noch unbedeutenderen Preis verliehen und heiratet wieder mal einen Mann, der allerdings meistens nur auf ihr Geld oder Ruhm aus ist. Durch Höhen und Tiefen wird Katherine Kenton seit Jahrzehnten von ihrem Dienstmädchen Hazie Coogan begleitet. Die unscheinbare Hazie kümmert sich um alles, was mit Miss Kathie zu tun hat und nimmt eine grössere Rolle im Leben der Diva ein, als die es sie jemals vorgestellt hätte.

Durch die erste Hälfte von „Diva“ muss man sich regelrecht durchkämpfen. Als allerdings Webster Carlton Westward III auf der Bildfläche auftaucht, wird’s interessant. Im Koffer des jungen Casanovas findet Kathie nämlich ein Manuskript zu einer Biographie über ihr Leben, einschliesslich einer sehr dramatischen Schlussszene mit ihrem Tod. Von da an geht es also darum, dass sie mit Hilfe von Hazie versucht, die absurden Mordversuche seitens Websters zu überleben.

Das Ganze wird aus Sicht von Hazie Coogan erzählt und es wird schnell klar, dass Katherine Kenton den ganzen Erfolg ihr zu verdanken hat. Hazie schafft alles und jeden aus dem Weg, was ihrer Miss Kathie schaden könnte, denn der Hollywood-Star ist ihr Meisterwerk und ihr Meisterwerk lässt sie sich von niemandem, schon gar nicht von einem dummen, kleinen Jungen, kaputt machen. Und Hazie sind alle Mittel recht.

Ein Meister und sein nicht so meisterliches Werk

Was in der Geschichte wirklich fehlt, ist der Überraschungsmoment, der Palahniuk auszeichnet. Das Ende von „Diva“ ist leider viel zu vorhersehbar, besonders wenn man es mit der Schlussszene von „Fight Club“ vergleicht, wo man noch eine Stunde später mit offenem Mund da stand und sich fragte: “Verdammt, was ist gerade eben passiert?“. Man kommt einfach nicht darum herum, die genialen Einfälle aus dem früheren Roman mit der Trockenheit des aktuellen zu vergleichen und enttäuscht zu sein.

Und auch der ab und zu auftauchende Wortwitz, vor allem wenn es darum geht, dass Katherine Kenton nicht gerade die Hellste ist, kann die triste und einfallslose Geschichte nicht retten. Es lässt sich nicht vermeiden zu sagen, dass „Diva“ einer der schwächsten Romane von Palaniuk ist. Man kann sich das Ganze also sparen und sich stattdessen nochmals mit „Fight Club“ vergnügen.


Titel: Diva
Autor: Chuck Palahniuk
Übersetzer: Werner Schmitz
Verlag: Manhattan
Seiten: 220
Richtpreis: CHF 27.90

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