Robert Naumann: „Ich hartz dann mal ab“

Über Alltag, Amt und Arbeitsvermeidung

Robert Naumann: „Ich hartz dann mal ab. Bekenntnisse eines kleinen Schmarotzers“

Der 39-jährige Autor und Wahlberliner Robert Naumann verfolgt ein ganz klares Berufsziel: Das Rentnerdasein. Bevor dieser Traum jedoch wahr werden kann, begnügt er sich mit dem Publizieren von Büchern. Dies ist die Geschichte eines Mannes, der mit seinem Alltag, seiner Frau und seiner Perspektivsuche einen Fulltimejob hat und doch arbeitslos ist.

Von Angela Stella Hoppmann.

ichhartzdannmalabWarum? Dies ist die Frage des Protagonisten, mit der alles beginnt. Warum fliegen Meisen nicht in den Süden? Und warum muss man sich überhaupt entscheiden? Robert Naumann konnte sich nach der Schule schon nicht so recht entscheiden, welchen Beruf er ausüben will. Bis zu seiner endgültigen Bestimmung landet Naumann also erst einmal unweigerlich in DER Behörde. Er gerät damit nicht nur in die Fänge seiner PAP – persönliche Ansprechpartnerin-, sondern auch in die Mühlen der Politik, die dem ehemals bequemen Arbeitsamt ein neues Gesicht in Form des querulanten Jobcenters geben. Dieses Buch erzählt authentisch, selbstironisch und zynisch aus den Erfahrungen eines Langzeitarbeitslosen.

Und was machst du so?

Robert Naumann und die Arbeit. Kann das überhaupt zusammenpassen? Eigentlich nicht. Weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick. Nach seiner gescheiterten Karriere als schwerhöriger Popstar versucht sich Robert Naumann als Heizungsrohreverbieger und Hüpfburgbeaufsichtiger. Er ist kein Retter des deutschen Bruttosozialproduktes. Er ist Überzeugungstäter, er ist ein Querkopf, eine Kämpfernatur, ein Verfechter des Rechtes auf Müßiggang und er will niemand anderem den Arbeitsplatz wegnehmen. Mit dieser Einstellung ist auch der Smalltalk auf Partys kein Balanceankt. Auf die Frage: „Und was machst du so?“, antwortet Naumann ganz wahrheitsgetreu: „Ich bin bei einer Agentur beschäftigt“. Und er ist wirklich beschäftigt mit seinem Leben zwischen Familie, Alltag, Pflichtterminen beim Arbeitsamt und Arbeitsvermeidungsstrategien.

Und was macht man damit?

Keine Sozialkritik, keine Political Correctness, keine Gegendarstellungen, keine Lösungsorientierung und keine Antwort auf die Frage, was man daraus lernen kann. Das Buch ist ein Spiel mit Klischees und Vorurteilen, verpackt in eine humorvolle, leichte und unterhaltsame Geschichte. Nicht mehr und nicht weniger darf der Leser erwarten. Ob das Buch autobiographische Züge enthält, bleibt offen, aber ein nächstes Buch aus dem Leben von Robert Naumann scheint nicht ausgeschlossen.


Titel: Ich hartz dann mal ab. Bekenntnisse eines kleinen Schmarotzers.
Autor: Robert Naumann
Verlag: rororo
Seiten: 224
Richtpreis: CHF 14.90



Ein Gedanke zu „Robert Naumann: „Ich hartz dann mal ab“

  • 01.04.2012 um 12:16
    Permalink

    Wenn man sich die Biographie des Autors ansieht, sind autobiographische Züge wohl unverkennbar. Nur ist nicht eindeutig, wie weit sie gehen. Dass Klischees bedient werden, ist nicht ganz falsch. Doch ist es leider so und entspricht der Realität! Wer es nicht glaubt, sollte sich mal in die Fangärme der Arbeitsagenturen begeben und wird erstaunt feststellen, wie schnell er selbst in die Mühlen der Klischees gerät!

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