Rolf Lappert: “Pampa Blues”

Nichts wie weg aus Wingroden

Rolf Lappert: “Pampa Blues” (Jugendroman)

In seinem neusten Roman beschreibt Rolf Lappert detailtreu das Leben im verschlafenen Nest Wingroden. Die Hauptfigur Ben lernt, das Erwachsenwerden ist nicht einfach. Doch die Schicksalsgemeinschaft in der Pampa hält immer zusammen, auch wenn sie aus noch so verschiedenen skurrilen Figuren zusammengewürfelt ist und jeder an seinen eigenen Träumen arbeitet.

Von Luzia Zollinger.

pampabluesAls 16-Jähriger irgendwo im Nirgendwo zu leben, gefällt Ben überhaupt nicht. Mehr als eine alte Tankstelle, eine gut besuchte Dorfkneipe, den Baggersee sowie die schöne Friseurin Anna gibt es nicht. Zudem muss sich Ben um seinen demenzkranken Grossvater kümmern, denn Bens Mutter ist Jazzsängerin und tourt durch Europa. Die Einöde in “Pampa Blues” schildert Rolf Lappert mit sprachlicher Feinkost und einer grossen Portion Ironie. “Man muss sich schon gewaltig verfahren, um in Wingroden zu landen.”

Vom verschlafenen Kaff zu einem weltberühmten Ort

Ben hat vor einem Jahr bei seinem Grossvater Karl eine Lehre als Gärtner begonnen. Wirklich glücklich scheint Ben damit nicht zu sein. “Das mit der Gärtnerei, den Nelken und Rosen musste ich lernen, weil meine Mutter es so befohlen hatte. Aber Autos und Traktoren zu reparieren, das wollte ich machen, weil es mir gefiel, weil es cool war und weil meine Mutter es furchtbar fand.” Und Ben möchte weiter an seinem VW-Bus rumbasteln, damit er mit achtzehn nach Afrika fahren kann. Sein Vater hat dort gearbeitet. In einem kleinen Buschflieger ist er abgestürzt und gestorben. Seitdem verschlingt Ben Reisebücher und Dokumentarfilme über Afrika und die Tagebücher seines Vaters.

Die wenigen Bewohner von Wingroden treffen sich regelmässig am Stammtisch der Dorfkneipe. Maslow gehört zu dieser Clique. Und Maslow hat Grosses vor: Er will eine UFO-Landung vortäuschen, damit die Presse in die Pampa locken und Wingeroden zu Weltberühmtheit verhelfen. Ben ist von diesem Plan überhaupt nicht begeistert, verspricht Maslow aber, den anderen nichts zu sagen. Einige Tage später sitzt die Truppe wieder am Stammtisch und trinkt Alkohol. “Otto, Willi, Horst und Kurt brauchen jeden Abend ihre vier, fünf Bier. Sie müssen sich die Birne vernebeln, um es in diesem Kaff auszuhalten. Ich weiss, wovon ich rede.” Aber Kurt trinkt an diesem Abend kein Bier. Er hat schlecht geschlafen, da er in der vergangenen Nacht ein UFO gesehen hat. Maslows Plan scheint aufzugehen.

Vom einstigen Drehbuch zum Roman

Lappert beschreibt in seinen Büchern oft das Leben auf einer Insel. Dabei versteht er unter Insel nicht nur Eilande, die von Wasser umgeben sind. Vielmehr gehe es ihm um Orte, die von der Welt abgeschnitten sind, wie er in einem Interview dem Hanser-Verlag gegenüber sagte. Vor zehn Jahren hat der Drehbuchautor der Sitcom “ManneZimmer” vom Schweizer Fernsehen zwei Drehbücher geschrieben. Das eine liegt immer noch in der Schublade. Das andere wollte er aber nicht dort liegen lassen und schrieb es um in einen Roman. Es handelt sich um “Pampa Blues”. “Beim Drehbuch-Schreiben habe ich gelernt, alle Figuren der Geschichte im Auge zu behalten und knackige Dialoge zu schreiben”, sagt Lappert. Diese Dialoge sind ihm im neuen Buch ausgezeichnet gelungen. Aber nicht nur die, auch die einzelnen Sätze könnten die Atmosphäre in Wingroden nicht besser beschreiben. “Vermutlich hat ihr Boss gesagt, sie soll mal nach Wingroden fahren und dann irgendetwas Witziges über uns schreiben. Spätestens wenn sie mit Willi, Karl und Otto gesprochen hat und mitkriegt, dass hier sogar die Hunde saufen, dürfte ihr das nicht mehr allzu schwer fallen.” Wingroden kommt zu den von Maslow sehnlichst erwünschten Schlagzeilen. Jedoch nicht wegen des UFOs oder trinkenden Hunden, sondern wegen eines Mordes.

“Pampa Blues” ist zwar ein Jugendroman, aber auch Erwachsene werden ihre Freude daran haben.


Titel: Pampa Blues
Autor: Rolf Lappert
Verlag: Carl Hanser
Seiten: 256
Richtpreis: CHF 21.90


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