Katharina Faber „Fremde Signale“ | Theater Winkelwiese, Zürich

Ein Triolog in Pastell

Katharina Faber „Fremde Signale“ | Theater Winkelwiese, Zürich

Bild|Copyright: Theater Winkelwiese, Zürich
Bild|Copyright: Theater Winkelwiese, Zürich

Als Katharina Faber ihren Roman „Fremde Signale“ 2008 veröffentlichte, war er ein voller Erfolg und wurde von allen Seiten in höchsten Tönen gelobt. Die Geschichte der drei gemeinsam über ein Mädchen wachenden Schutzengel auf die Bühne zu bringen, stellte sich nun als ein nicht unproblematisches Unterfangen heraus.

Von Lisa Letnansky.

Drei Personen stehen auf der Bühne, lange Schatten tauchen den Raum in ständiges Zwielicht. Die in Schwarz gehüllten Gestalten, die mit glasigen Augen hinter das Publikum ins Leere starren, muten erst gar nicht als Engel an; die grossen, weissen, Wolken symbolisierenden Ballons und die Reden, zu denen die drei sofort ansetzen, führen den Zuschauer aber schnell auf den richtigen Pfad.

Linette lebte im Frankreich des 18. Jahrhunderts und starb 16-jährig an einer Hirnhautentzündung. Michail fiel als 17-jähriger im Zweiten Weltkrieg für die Sowjetunion. Bob erlag in New York 13-jährig einem Krebsleiden. Was die drei so unterschiedlichen Figuren nun miteinander verbindet, ist ihre gemeinsame Aufgabe: Als Schutzengel sollen sie über die kleine Katharina, genannt Ali oder Attali, wachen.

Ein Leben aus der Mauerschau
In dieser Funktion haben sie einiges zu tun. Einmal müssen sie eingreifen, als das kleine Mädchen sich mit Lavendelblüten beinahe selbst vergiftet. Als sie ein wenig älter ist, wirbeln sie sie durch die Luft, und entgehen so haarscharf einem Autounfall. Und schliesslich stehen sie der inzwischen erwachsenen Ali bei ihrer Krebstherapie bei. So folgt der Zuschauer einer einzelnen Biographie, erzählt aus drei Perspektiven.

Alis Leben ist aber nicht das einzige, was die Engel umtreibt; sie verbringen schliesslich viel Zeit miteinander, erzählen von ihrer Vergangenheit und der verlorenen Zukunft, blödeln herum, reissen schlechte Witze und lästern über andere Engel. Und hier liegt bereits die Schwierigkeit des auf die Bühne gebrachten Romans. Die Handlung, die ausschliesslich in abwechselnden Reden von den drei Engeln aus der Mauerschau-Sicht erzählt wird, wirkt bereits nach kurzer Zeit sehr statisch und ermüdend. Dem tun auch die kleinen Spielereien mit den Wolken-Ballons (insbesondere der Videoproduktion auf den grössten Ballon, die ausser der visuellen Auflockerung keinerlei Mehrwert mit sich bringt) und der permanente Standortwechsel der Akteure keinen Abbruch.

Die resignierten Engel
Zugegeben, die Überlegung, dass Alter und Gestalt nach dem Tod keine Rolle mehr spielen (was sich darin äussert, dass Bob – eigentlich der jüngste der drei – vom 72-jährigen Hansrudolf Twerenbold gespielt wird und der ältere Michail vom knapp 28-jährigen Diego Brentano), ist durchaus reizvoll. Dennoch befällt den Zuschauer bereits nach kurzer Zeit der Verdacht, dass er hier einem besseren Kanti- oder Laientheater beiwohnt: Die Inszenierung wirkt merkwürdig unbeholfen. Die Absichten und Überlegungen der Regisseurin Kristina Brons (die gegen Ende auch noch selbst auf der Bühne steht) mögen alle gut gemeint gewesen sein; eine Stimme und ein Gesicht machen aber noch lange keinen guten Schauspieler aus und auch die Ballon-Wolken sind nur einen Schritt entfernt von weissen Federkissen à la Frau Holle.

Als Roman mag „Fremde Signale“ durchaus funktioniert haben, doch nicht jeder Roman eignet sich auch für eine dramatische Inszenierung. Einem solch textlastigen Stück hätte man jedenfalls ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Die Engel scheinen resigniert zu haben, denn auch wenn ihrem Schützling grosse Gefahr droht, verändern die Schauspieler nur selten ihre Sprachmelodie, Lautstärke oder emotionale Färbung; ab und zu greifen sie sich einen der Ballons oder sie wandern ein wenig umher. Am Schluss muss man sich als Zuschauer aber leider fragen, ob man gerade einem Theaterstück gelauscht hat oder doch eher nur einem Triolog in Pastell.


Besprechung der Premiere am 14. März 2012.
Weitere Vorstellungen am 15., 16. und 17. März 2012.

Stückfassung/Regie: Kristina Brons
Video: Ana Ticak
Ausstattung: Martina Ehleiter
Lichtdesign/Technik: Edith Szabo
Tourneetechnik: Niklaus Friedli
Produktionsleitung: Anita Zihlmann
Verlag: Bilger Verlag Zürich

Besetzung
Diego Brentano (Michail Sledin), Kristina Brons (Katharina aka Ali), Vivianne Mösli (Linette Grandchance), Hansrudolf Twerenbold (Bob Tomba)

Koproduktion
North By North West Kulturprojekte
ThiK Theater im Kornhaus Baden
Theater Tuchlaube Aarau

Im Netz
www.winkelwiese.ch

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