Cornelia Gerlach: “Pionierin der Arktis”

Eintauchen in die eisige, gefährliche und lichtdurchflutete Arktis

Cornelia Gerlach: “Pionierin der Arktis. Josephine Pearys Reisen ins ewige Eis” (Sachbuch)

“Pionierin der Arktis” erzählt die Lebensgeschichte von Josephine Peary. Sie begleitete ihren Mann Robert E. Peary, Polarforscher, auf seinen Reisen und war damit die erste Frau, die jemals an einer Polarexpedition teilgenommen hat. Cornelia Gerlach nimmt uns mit ins ewige Eis und liefert viele Originaldokumente aus dem ungewöhnlichen Leben des Ehepaars Peary.

Von Luzia Zollinger.

pionierin_der_arktisWir schreiben das Jahr 1891, Anfang Juli in Nordgrönland. Eine Woche lang war das Schiff “Kite” mit der Besatzung eingefroren. Mit auf dem Schiff ist auch Josephine Peary, als einzige Frau. Sie geniesst den Ausblick von der Reeling aus und “freute sich an dem bizarren Mosaik der Eisschollen, die an der Bordwand vorbeisausten und sich im Heckwasser im Nu wieder zu einer Fläche verbanden.” Die Polarexpeditions-Gruppe ist auf dem Weg zur Nordwestküste von Grönland. Dort wollen sie ein Haus bauen, um im kommenden Frühling mit Schlitten und Hunden über das Inlandeis nordwärts reisen zu können. Doch zuerst tauchen Belugas vor der “Kite” auf und Jo, wie Josephine im Buch genannt wird, “wusste, dass alles gut werden würde. Denn die Arktis schien ihr als ein freundlicher Ort.”

Dunkelheit

Gespickt mit unzähligen Originalzitaten beschreibt die Berliner Journalistin Cornelia Gerlach den Alltag von Polarforschenden und deren Begegnungen mit den Inuits, den Ureinwohnern der Arktis. Jo ist traditionellerweise als Frau für die Inneneinrichtung des selbstgebauten Hauses zuständig, während die Männer auf Jagd gehen. Statt den wohlbekannten Vorhängen von zu Hause hängt Jo zwei grosse Fahnen auf. Und sie schreibt in ihr Tagebuch. Daraus sind später drei Bücher entstanden.

“Pionierin der Arktis” zeigt neben wunderschönen Landschaften auch das harte Leben im Eis. Während der Polarnacht beispielsweise hat Jo einen klaren Strukturplan aufgestellt, an den sich alle halten müssen: duschen, Wache halten, Licht einstellen. Die Forscher wissen: Halten sie sich nicht an den Plan, werden sie in der Dunkelheit wahnsinnig. Depressionen sind keine Seltenheit. Nicht weniger aufwühlend ist es für Jo immer wieder, ihren Mann nach mehrtägigen Forschungsreisen zu begrüssen: “War der Mann, der durch diese grosse Leere gewandert war, noch der Mr. Peary, den Jo kannte?”

Sehnsucht und neues Leben

Nach der ersten Reise in die Arktis wird die Expedition von der Akademie der Naturwissenschaften zu Philadelphia herzlich begrüsst. Doch nach einer solch langen Zeit in der Einsamkeit würde Jo am liebsten sofort wieder umkehren: “Sie träumte sich zurück ins Tooktoo Valley. Dort, wo der Krabbentaucher schrie, Küstenseeschwalben sich stritten, Mücken um die Plane summten.”

Die Rückkehr nach Amerika bleibt auch anderen Forschern nicht verborgen. In einem Telegramm gratuliert der Norweger Fridtjof Nansen zur erfolgreichen Expedition. Dies freut Mr. Peary, macht ihn aber gleichzeitig auch nachdenklich. Denn Nansen ist sein grösster Konkurrent, wenn es um die Entdeckung des Pols geht. Der Wettlauf um den Nordpol beginnt. Mr. Peary reist ein weiteres Mal in die Arktis. Jo reist natürlich wieder mit, hochschwanger. Die kleine Marie kommt zur Welt und der Name “Schneebaby” würde sie ihr ganzes Leben lang begleiten. Später veröffentlicht sie ein Buch mit dem Titel “The Snowbaby’s Own Story”.

Wer genug von Geschichten über Pionierinnen hat, für den ist das Buch nichts. Freunde von Abenteuergeschichten werden das Buch mit Genuss verschlingen. Und wer selbst einmal in die Arktis reisen möchte, der wird von den Naturbeschreibungen hin und weg sein. Ebenso all jene, die sich für die Geschichte rund um die Polarforschung interessieren.


Titel: Pionierin der Arktis. Josephine Pearys Reisen ins ewige Eis
Autorin: Cornelia Gerlach
Verlag: Kindler
Seiten: 352
Richtpreis: CHF 28.50

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