Monika Bittl, Silke Neumayer: “Alleinerziehend mit Mann”

Für Mütter mit Freizeitvätern

Monika Bittl, Silke Neumayer: “Alleinerziehend mit Mann” (Erfahrungsbericht)

In “Alleinerziehend mit Mann” berichten zwei Mütter anhand süffiger Kurz- und Kürzestgeschichten aus ihrem Alltag zwischen Kind, Job, Haushalt und Ehe. Damit sprechen sie wohl dem Grossteil aller Mütter aus der Seele, die das Familienleben praktisch alleine schmeissen, da der liebe Mann tagtäglich von früh bis spät arbeitet.

Von Tamara Beck.

alleinerziehendmitmannEndlich ein Buchtitel, der sagt, was viele Mütter empfinden: Mit einem voll berufstätigen Mann zuhause bleibt die gesamte Erziehungs- und Haushaltsarbeit in der Regel an der Frau hängen. Muss der Mann in Ausnahmefällen doch mal an die Säcke, klingelt das Handy Sturm, weil das starke Geschlecht wahlweise die Socken der Kinder nicht findet, das Baby Zetermordio schreit oder er nicht weiss, wie die Waschmaschine in die Gänge kommt. Kurzum: Männer bewegen sich einfach lieber zwischen Cash Flow und Lunch-Terminen, Sitzungsprotokollen und Kaffeemaschine als zwischen vollen Windeln und Breigemansche.

Deshalb, so die Theorie der beiden Autorinnen, katapultiert die Geburt eines Kindes ein Ehepaar zurück in die klassische Rollenverteilung, ganz egal welche Zugeständnisse an die Kinderbetreuung sich die werdenden Väter vor Beginn der Wehen noch vorgenommen hatten. Danach sind Aussagen wie “Ich könnte einen Teil von zuhause aus arbeiten oder vielleicht auf 90 Prozent reduzieren” plötzlich vergessen. Wohlgemerkt arbeiten die Frauen von heute im Vergleich zu ihren Grossmüttern meist auch noch und leisten so einen noch grösseren Spagat.

Lebensnahe Episoden

Die Autorinnen verarbeiten ihre eigenen Erfahrungen und diejenigen, die sie in zahlreichen Gesprächen mit anderen Müttern kennengelernt haben, in kurzen, alltäglichen und lebensnahen Episoden. Keine der Geschichten übersteigt ein paar wenige Seiten, das ist toll, denn überaus “muttergerecht”. So kann man immer wieder einen literarischen “Happen” zu sich nehmen, wenn das Kind gerade schläft, das Baby gerade gestillt wird oder sonst grad kurz Ruhe ist, weil sich die Kinder ausnahmsweise mal selbst beschäftigen. Auch auf dem Weg zur Arbeit oder in der Kaffeepause bleibt Zeit, um zu lesen und so hat man das Büchlein ruckzuck durch. Da die Geschichten so kurz sind, liest man sie auch allesamt und bis zum Schluss. Man steigt nirgends aus.

Konfliktbewältigung und Bedürfniserfüllung

Titel wie “Geschäftsreisen”, “Im Tal des Jammers” und “Die schönste Putzfrau der Welt” sprechen für sich. Es geht um Männer, die gerne mal länger im Namen der Firma dem Zuhause fern bleiben, die ganz selbstverständlich ihrer Frau den Wischmop überlassen und – sind sie denn einmal alleine der eigenen Brut ausgesetzt – plötzlich nichts mehr unter Kontrolle haben, während Frau und Mutter auch mit schwerster Erkrankung noch voll funktionstüchtig ist und an einem einzigen Tag mehr Organisationsarbeit leistet als die Sekretärin des Mannes das ganze Jahr lang. Ganz zu schweigen von Konfliktbewältigung, Mahlzeitenproduktion und Bedürfniserfüllung (die eigenen ausgeschlossen)…

Bringen sich die liebenden Väter dann mal ein, dann vor allem mit der so schon gebeutelten Mutter extremst zuwideren Ideen wie die Putzfrau zu streichen oder das Kind in die zigste Freizeitbeschäftigung zu schicken, z.B. Reiten oder Pfadfinder. Gut hat Frau da so ihre Tricks, den Mann ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zu ziehen: “Wenn Du sie dahin fährst…”

Generalverurteilung?

Das vorliegende Buch geht natürlich generell etwas hart ins Gericht mit der männlichen Spezies. Meiner einer hat z.B. ein sehr engagiertes Exemplar zuhause, das seine spärliche Freizeit, sprich Feierabend und Wochenenden, fast ausschliesslich dem Familienleben widmet und mich auch im Haushalt unterstützt. Dieses Glück hat nicht jede und noch längst nicht jeder Vater wechselt auch bereitwillig Windeln. Aber mit der Ankunft unseres zweiten Kindes wurde plötzlich jede Hand benötigt, die verfügbar war…

Lohnt sich die Lektüre dieses Buches? Das muss jeder selber entscheiden. Manch eine Geschichte wiederholt sich auf gewisse Weise ein paar Seiten weiter, andere Geschichten enden unzufriedenstellend, es ist Geschmacksache. Eins ist sicher: Dass es dieses Buch gibt, ist gut, denn es kann nicht genug auf diese Missstände aufmerksam gemacht werden!

Übrigens: Es gibt sogar eine eigene Seite für das Buch auf Facebook, die schon zahlreiche Fans hat. Ideal für die heutigen Smartphone-Mütter, die mit Hilfe der Social Media immer up-to-date und in Kontakt mit anderen sein wollen.


Titel: Alleinerziehend mit Mann
Autorinnen: Monika Bittl, Silke Neumayer
Verlag: Knaur
Seiten: 240
Richtpreis: CHF 14.50

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