Patrick Lee: “Dystopia”

Apokalypse für Anfänger

Patrick Lee: “Dystopia” (Thriller)

Patrick Lees zweiter Roman nach seinem Debut „Die Pforte“ verpackt eine unoriginielle Idee in viel Technik: Die Welt droht einmal mehr unterzugehen. Wieder soll ein Blick in die Zukunft die Menschheit retten.

Von Angela Stella Hoppmann.

dystopiaAuch wer den ersten Band „Die Pforte“ nicht gelesen hat, sollte sich im zweiten Teil zurechtfinden. Die Handlung setzt zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ein: Die Protagonistin Paige arbeitet für das Forschungsinstitut TANGENT. Durch eine Pforte treten sogenannte Entitäten ein. Mit einer davon wird der Blick in eine schreckliche Zukunft ermöglicht: Die Menschheit soll bald ausgerottet sein. Es liegt nun an Paige und ihrem Team herauszufinden, wer die Verantwortlichen dafür sind und wie sich die Endzeitprophezeiungen zum Guten wenden lassen.

Explosionen ohne explosiven Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Top-Secret-Dokument, das bereits eine Unmenge an Informationen vermitteln soll. Leider ist der Leser damit aber schnell überfordert. Was genau ist eine Entität? Wer oder was ist TANGENT und warum genau fallen plötzlich Schüsse? Das Werk ist gespickt mit Schießereien und Konflikten, die vom ziemlich uninteressanten Plot ablenken sollen: Die Idee erinnert stark an Stargate und auch der Versuch, die Welt nach einer pessimistischen Zukunftsvision retten zu wollen, ist kein literarisches Neuland. Viele Passagen sind langatmig und tragen nichts zur eigentlichen Handlung bei. Das künstliche Vorenthalten relevanter Informationen macht die Geschichte auch nicht spannender. Zu guter Letzt langweilt „Dystopia“ mit technischen Begriffen und einem trockenen Schreibstil.

Unauthentische Figuren, die sich hinter der Perfektion verstecken

Die Figuren sind auf solch unmenschliche Weise perfekt, dass sie den Leser schnell mit ihrer Unauthentizität langweilen. Eindimensionalität, nichtvorhandene Persönlichkeit und eine gewisse Sterilität machen das Werk zu einer Gesamtkatastrophe. Selbst die Sprache wirkt maschinell.

Die wahre Apokalyse ist die Geschichte selbst. „Dystopia“ überzeugt weder als Science-Fiction-Thriller noch als futuristischer Action-Roman und ist höchstens als Tischfußstütze empfehlenswert.


Titel: Dystopia
Autor: Patrick Lee
Übersetzerin: Ulrike Thiesmeyer
Verlag: rororo
Seiten: 411
Richtpreis: CHF 14.90

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