Der Spielplan 2012/13 | Schauspielhaus Zürich

Nachdenken über die Zeit

Der Spielplan 2012/13 | Schauspielhaus Zürich

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Im neuen Spielplan des Schauspielhauses wimmelt es nur so von eigenwilligen Persönlichkeiten und von Stoffen und Themen, die uns ganz sicher nicht kalt lassen.  Neben Willhelm Tell und Heidi gibt es Kaspar Hauser und Elektra. Neben Themen wie Heimkehr und Du und Ich werden auch das Himbeerreich der Banker, Schönes und die aktuelle Gesellschaftspolitik verhandelt.

Barbara Frey stellt die nächste Saison unter die Motti des aus sich heraus Tretens, der Einsamkeit und des Lebensschmerzes sowie des arm und reich Seins in seinen verschiedensten Formen. Symptomatisch für die nächste Spielzeit stehe Willhelm Tells Zitat “Denn hier ist keine Heimat – Jeder treibt sich an dem andern rasch und fremd vorüber und fraget nicht nach seinem Schmerz“. In Zürich, der teuersten Stadt der Welt, mit einem hoch subventionierten Theater, macht sich das privilegierte Schauspielhaus ausschweifende und tiefgründige Gedanken zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage. Und setzt dies in bekannten und weniger bekannten Texten für die Bühne und in der weitergehenden Gesprächsreihe von Lukas Bärfuss um.

Der neuen Schauspielzeit könnte man aber auch noch ein zweites Motto hintan stellen, eines, das zwar auch ernst ist, aber der (Theater-)Welt dann mehr Positives für die Zukunft entgegen hält, als sie momentan scheinen mag: Nachwuchsförderung. Wie bereits angekündigt, wird ein Schauspielstudio mit drei jungen Schauspielstudierenden (Yanna Rüger, Samuel Braun und Timo Fakhravar) der Zürcher Hochschule der Künste eröffnet. Ihnen wird die Mitarbeit im professionellen Schauspielbetrieb ermöglicht. Nachwuchsförderung gibt es aber auch im Regiebereich. Drei ehemalige Regieassistierende des Schauspielhauses erhalten Platz im nächsten Spielplan – alle drei in der Kammer im Pfauen: “Heidis Alptraum“ am 27. September in der Regie von Hannes Weiler, “Die Gottesanbeterin“ im März 2013 in der Regie von Jörg Schwahlen und “Die Radiofamilie“ von Ingebord Bachmann im Mai 2013 in der Regie von Mélanie Huber.

Von Baulöwen bis zum fremden Blick aufs Bekannte
Den Auftakt der Spielzeit (Pfauen, am 13. September) macht Barbara Frey mit der Inszenierung von Ibsens “Baumeister Solness“, dem Baulöwen, der in die Boomtown Zürich sehr gut passt. Sozusagen als Antwort darauf gibt Stefan Bachmann die “Genesis“ (Schiffbau/Halle, 14. September) und erprobt ein verträgliches Zusammenleben (zumindest auf der Bühne). Auf der Pfauenbühne geht es weiter mit “Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht (am 29. September, Regie Sebastian Baumgarten). Dies wird der erste Brecht auf der Schauspielhausbühne sein seit Barbara Freys Antritt in Zürich. Am 27. Oktober folgt Shakespeares “Wie es euch gefällt“ (Regie: Sebastian Nübling) und am 18. November gibt es Erich Kästners “Pünktchen und Anton“, das ganz in die Stadt Zürich verlegt wird. Und auch das Motto arm und reich ist hier wieder zu finden. Weiter geht es im Pfauen am 8. Dezember mit Maxim Gorki und “Kinder der Sonne“ (Regie: Daniela Löffler), am 17. Januar 2013 gibt es Molières “Menschenfeind“ (Regie: Barbara Frey), im Februar 2013 “Die Katze auf dem heissen Blechdach“ von Tennessee Williams, in der die zerstörerischen Kräfte der Verdrängung wüten und im März 2013 dann Schillers “Wilhelm Tell“ in der Regie von Dušan David Pařízek, der einen tschechischen Blick auf den Schweizer Stoff wirft. Im April 2013 wird Thomas Manns „Felix Krull“ (Regie: Lars-Ole Walburg) gespielt und im Mai “Schönes“ von Jon Fosse in der Regie von Werner Düggelin, der sich das erste Mal mit einem Fosse-Text beschäfigten wird.

Nebst der “Genesis“ wird in der Schiffbau Halle “Elektra“ von Sophokles/Hugo von Hofmannsthal in der Regie von Karin Henkel gegeben (Januar 2013. In der Schiffbau Box wird am 20. September mit “Messer in Hennen“ von David Harrower (Regie: Heike M. Goetze) gestartet, in der die Hauptfigur sprachlich in die Welt hinein zoomt. Am 3. November gibt es “Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse (Regie: Bastian Kraft), im Dezember René Polleschs “Macht es für euch!“, wofür er auch Regie führt, im Februar 2013 “Die Geschichte von Kaspar Hauser“ in der Textfassung von Carola Dürr und in der Regie von Alvis Hermanis. Es ist seine dritte Regiearbeit am Schauspielhaus und er beleuchtet in seiner Inszenierung den Zustand zwischenmenschlicher Beziehungen im Kapitalismus. Im Mai 2013 wird das Motto “Arm und Reich“ ganz konkret. Unter dem gleichnamigen Titel ist ein Theaterprojekt geplant, das neue Dramatik, internationale Gastspiele und Diskussionsveranstaltungen vereint.

Junges Schauspielhaus
Das Junge Schauspielhaus zeigt am 26. Oktober „Du, Du und Ich“ von Theo Fransz in einer Schweizer Erstaufführung und in der Regie von Daniel Kuschewski. Er ist in Zürich schon bekannt durch seine Schauspiel- und Regiearbeit in “Die Leiden des jungen Werthers“. Im Dezember 2012 findet der bereits zur Tradition gewordene “Weihnachtssalon voller Überraschungen“ statt, kuratiert von Silvan Kappeler. Am 8. März 2013 ist eine weitere Schweizer Erstaufführung angesagt mit “Nichts. Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller, in der Regie von Enrico Beeler. Die Inszenierung findet im Theater der Künste statt. Als Gastgeber fungiert das Schauspielhaus im April 2013 für das Festival “Blickfelder“, das traditionsreiche Festival für ein junges Theaterpublikum. Noch jüngeres Publikum wird im Mai 2013 in die Schiffbau Matchbox gelockt. In “Apropos Hochdruckgebiet – garantiert“ werden Texte von 9 bis 11-Jährigen vorgestellt.

Gastspiele
Die bereits in der letzten Spielzeit geplante Choreographie “gefaltet“ von Sasha Waltz und Mark Andre findet nun im nächsten Dezember in der Schiffbau Halle statt (am 6. und 7.12.). Vom 23. bis 25. Januar 2013 ist Luc Bondy als Regisseur zu Gast mit “Le Retour“ von Harold Pinter. Dies in Koproduktion mit dem Théâtre de l’Odéon Paris. Noch nicht fest eingeplant aber eine Inszenierung, die man sich nach Zürich wünscht, ist “Das Himbeerreich“, ein Dokumentartheater von Andreas Veiel („Black Box BRD“, “Die Spielwütigen“, “Wer wenn nicht wir“), der mit Genauigkeit und Beharrlichkeit seine Gesprächspartner zum Reden bringen kann, hier die Teppichetage einer deutschen Grossbank. Die Inszenierung ist eine Koproduktion zwischen dem Staatstheater Stuttgart und dem Deutschen Theater in Berlin.

Was bleibt
Lukas Bärfuss wird auch in der nächsten Spielzeit “Nachdenken über unsere Zeit“ und in diesem Gefäss mit Gesprächspartnern diskutieren und streiten. In “Weisse Flecken“ führt er die einmal im Monat stattfindende Gesprächsreihe fort, die in die Grenzgebiete unseres Wissens und Bewusstseins abaucht. Ebenso findet die Literaturreihe mit Werner Morlang seine Fortsetzung.

Im Netz
www.schauspielhaus.ch


Medienkonferenz vom 11. Mai 2012.












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