Ann Rosman: “Die Tote auf dem Opferstein”

Hexenjagd im Sommerparadies

Ann Rosman: “Die Tote auf dem Opferstein” (Kriminalroman)

Die Insel Marstand in den Göteborger Schärenlandschaft ist friedvoll. Bis sie von einer Serie grausamer Frauenmorde erschüttert wird. Die Ermittlungen führen immer mehr in die Vergangenheit, bis zu den Hexenprozessen im 17. Jahrhundert. Der Kriminalkommissarin Karin Adler und ihrem Team geht die Arbeit nicht aus.

Von Luzia Zollinger.

dietoteaufdemopfersteinWann gilt ein Krimi als gelungen? Wenn er einem das Blut in den Adern gefrieren lässt und ein kalter Schauer über den Rücken jagt? Ja, und wenn man abends nicht mehr zu lange darin lesen kann, ohne anschliessend von Albträumen geplagt zu werden. Ann Rosmann meistert dies alles in ihrem zweiten Roman.

Grausiger Fund auf der Klassenfahrt

Bei der Besichtigung der Festung Carlsten auf der Insel Marstrand entdeckt eine Schulklasse eine enthauptete Leiche im mittelalterlichen Gewand. Zur gleichen Zeit findet die alte Frau Wilson in ihrem Klostergarten einen abgehackten Kopf. Doch Körper und Kopf passen nicht zueinander. Eine schauerliche, mysteriöse und spannende Reise beginnt für den Leser.

Kriminalkommissarin Karin Adler geniesst auf einem von der Sonne erwärmten Felsen das Rauschen der Wellen und träumt mit Evert Taubes Lied noch ein wenig von ihren soeben an der schwedischen Westküste verbrachten Segelferien. Doch die Ruhe währt nicht lange. Ihr Mobiltelefon klingelt. Am anderen Ende hört sie ihren Berufskollegen Robban. Er informierte sie über die beiden makaberen Funde. Sie macht sich sofort auf den Weg zum Opferhain, wo die tote Frau gefunden worden ist. “Kniend lehnte die Frau an dem Stein. Seine gesamte Oberseite war voller Blut, und über die Kerbe war das Blut an beiden Seiten den Stein hinunter und auf die Erde geflossen. Die blassgrünen Flechten bildeten kleine Inseln in all dem Rot.” Frau Wilson wird befragt, ob sie in der Nacht besondere Geräusche gehört habe. Sie antwortet, sie habe verkleidete Menschen gesehen, wie in alten Filmen. Wie sich später herausstellt, gehören diese Menschen einem so genannten Liverollenspiel an. Alle tragen sie mittelalterliche Kleidung.

Nordische Mythologie und Hexenverbrennungen

Einige Tage später klingelt das Telefon im Büro der Kommissare. Kollegen aus Trollhättan sind am Apparat. Ein Jäger habe in der Nähe des Flusses die Überreste einer weiblichen Leiche ohne Kopf gefunden. Karin Adler übernimmt den Fall. Der Platz, an dem die Leiche gefunden wurde, ist ebenfalls ein alter Hinrichtungsplatz. Wie beim Opferstein. Die Ergebnisse der Gerichtsmedizinerin Margareta Rylander-Lilja zeigen, dass im Körper der Toten beim Opferstein Alkaloide gewesen sein müssen. Dies sind die ersten Wirkstoffe, die man aus Pflanzen isolieren konnte. Benutzt wurden sie früher als Drogen, Heilmittel sowie Gift. Ebenso wurden sie für rituelle Zeremonien in der nordischen Mythologie gebraucht.

Je länger die Ermittlungen dauern, desto mehr Erkenntnisse aus der nordischen Mythologie tauchen auf, denn die Frau am Opferstein hat wohl auch an Rollenspielen teilgenommen und hat sich, als sie noch gelebt hat, Skuld genannt. Dies ist ein Name der nordischen Mythologie. Und es scheint, als sei die Frau am Opferstein in einem Gebiet hingelegt worden, wo früher Hexenverbrennungen stattgefunden haben. Und plötzlich taucht noch eine dritte Leiche auf, bei welcher es einem beim Lesen der Beschreibung noch einmal so richtig kalt den Rücken hinunter läuft.

Ann Rosman zieht den Leser von der ersten Seite an in die Geschichte hinein. Mit abwechslungsreicher Sprache geschrieben und voller Spannung bringt einen das Buch dazu, dass man es so schnell nicht mehr aus den Händen legt.


Titel: Die Tote auf dem Opferstein
Autorin: Ann Rosman
Übersetzerin: Katrin Frey
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 448
Richtpreis: CHF 28.90

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