Die Darstellung historischer Ereignisse in Historienbild und Historienfilm

Geschichte in Bildern

Karl der Grosse in der Schlacht bei Córdoba; Freske von Alfred RethelAlfred Rethel (1849), Karl der Grosse bei Córdoba 778

Geschichte lebt: Jede Gesellschaft hat ihre Vorstellungen von historischen Ereignissen. Sind es heute unter anderem Historienfilme, die unsere Bilder von Geschichte wesentlich beeinflussen, so war es vor dem Zeitalter des Kinos die Gattung der Historienmalerei.

Von Louanne Burkhardt

Seien wir mal ehrlich; wem kommen beim Gedanken an das Antike Rom nicht Bilder von kräftigen, Sandalen tragenden Männern in den Sinn, wie wir sie aus den Historienschinken „Ben Hur“ oder „Quo Vadis“ kennen? Oder nehmen wir das England des 18. Jahrhunderts: Wer je eine romantische Jane Austen–Verfilmung sah,  muss nun  fast zwangsläufig an weisse Sommerkleider, Hutbänder oder Kotletten à la Elizabeth Bennet und Mr. Darcy aus Pride and Prejudice denken. Ähnliche Mode sieht der Kinobesucher aktuell im Film „A Royal Affair“. Das Drama entführt den Zuschauer in das von Machtkämpfen und Leidenschaft geprägte Königreich Dänemark des 18. Jahrhunderts.

Zeitreise mit Popcorn
Solche Spielfilme, deren Inhalt auf historischen Geschehnissen und Figuren beruht, beeinflussen seit dem 20. Jahrhundert – der grossen Epoche des Films –  die Bilder, die die Zuschauer sich von vergangenen Ereignissen machen. Nirgends lässt sich einfacher und eindringlicher eine Zeitreise unternehmen als in tiefen Kinosesseln. Dass die Verfilmungen, trotz angeblicher Realitätstreue, oft viele Fehler enthalten und nicht selten auf veralteten historischen und archäologischen Tatsachen beruhen, kann nichts daran ändern, dass sich die gezeigten Vorstellungen von Geschichte in den Köpfen der Zuschauer festsetzen.

Die höchste aller Disziplinen
Doch auch schon vor der Wiedergabe von Geschichte im Film machten sich die Menschen Bilder von vergangenen Zeiten: Seit der Renaissance vermittelt das Historienbild geschichtliche Ereignisse. Es stand in der Hierarchie der Malerei lange Zeit ganz oben –  vor den Bildgattungen Porträt, Landschaft oder Stillleben.

Schon immer wurde das Histrienbild für politische oder andere kunstferne Zwecke instrumentalisiert. Meist wurden Historienbilder von Herrschern in Auftrag gegeben. Sie sollten möglichst dramatisch gestaltet werden, weil sie nur so im Gedächtnis des Betrachters haften blieben.
Das Historienbild diente selten einer wahrheitsgetreuen Darstellung des Geschehens, sondern vielmehr einer Überhöhung oder Mythifizierung eines geschichtlich besonderen Moments.

Karl der Grosse ganz heldenhaft

Einen solchen Augenblick hält in den 1840er Jahren der Historienmaler Alfred Rethel mit seinen gemalten Fresken im Aachener Dom fest: Eine der Fresken zeigt Karl den Grossen als sieghaften Helden in der Schlacht von Córdoba während des Spanienfeldzuges gegen die Sarazenen im Jahr 778. Die Darstellung entsprach der im Mittelalter dominierenden Vorstellung von Karl dem Grossen als Christianisierer.

Bei der Freske handelt es sich nur um eines von vielen Beispielen, in denen ein Historienbild moralische Vorbilder vergegenwärtigt. Und Geschichte so überliefert, dass sie das Nationalbewusstsein einer Gesellschaft fördern. Karl der Grosse wurde als Retter des Abendlandes propagiert. Zudem wollten die Auftraggeber die überragende Bedeutung Aachens im mittelalterlichen Europa durch diese Fresken mit Karl dem Grossen hervorheben, der oft in  Aachen residierte.

Spannende Rückschlüsse
Trotz all der Gefahren, die ein allzu augenbetontes Herangehen an Vergangenheit mit sich bringt, können Historienbilder oder Historienfilme durchaus Aufschluss über die Vergangenheit geben. Obwohl sie kein realistisches Abbild der dargestellten Zeit zeigen, so funktionieren sie doch als wichtige Dokumente für die Zeit, in der sie entstanden sind. Wir lesen in ihnen, wie die Geschichte von den Herstellern gesehen wurde und gesehen werden wollte. Und wir können so Rückschlüsse auf die Wertvorstellungen und Denkweisen der damaligen Gesellschaft ziehen.

 

Literatur:

Thomas W. Gaehtgens, Uwe Fleckner (Hrsg.): Historienmalerei, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1996.

Francis Haskell: Die Geschichte und ihre Bilder – Die Kunst und die Deutung der Vergangenheit, Verlag C.H. Beck, München 1995.

Hans-Arthur Marsiske: Zeitmaschine Kino – Darstellungen von Geschichte im Film,  Hitzeroth Medien, Marburg 1992.

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