Kerstin Schweighöfer: “Auf Heineken könn wir uns eineken”

Tulpe trifft Kalvinist

Kerstin Schweighöfer: “Auf Heineken könn wir uns eineken – Mein fabelhaftes Leben zwischen Kiffern und Kalvinisten”

Kerstin Schweighöfer legt hier einen Reisereport vor, der Fernweh nach der Nachbarschaft weckt.

Von Denis Kleinert.

AufHeinekenEigentlich möchte Kerstin nach ihrem Romanistikstudium raus aus München, rein nach Frankreich. Wie sagt es der Klappentext so schön: Sie träumt von einem Tête-à-tête mit einem Jean-Irgendwas. Daraus soll aber nichts werden, denn sie trifft Jan Kees. Jan ist ziemlich super soweit, nur leider Holländer und kein Franzose. Man darf verraten: Sie bleibt trotzdem bei ihm und bekommt über die Jahre einen Intensivkurs Niederlande – den Report dazu gibt es im Buch. “Mein fabelhaftes Leben zwischen Kiffern und Kalvinisten” ist der Untertitel des Romans “Auf Heineken könn wir uns eineken”, verfasst von Kerstin Schweighöfer. Die studierte nämlich wirklich Romanistik, Politologie und Kunstgeschichte in München, arbeitet aber seit 1990 unter anderem als Auslandskorrespondentin in den Niederlanden – und lässt es sich nicht nehmen, ihre Erfahrungen im Nachbarland ein bisschen mit Fiktion zu schmücken und alle Klischees und Details aus dem Land der Tulpen und Tomaten abzuarbeiten.

Jetzt hören wir mal auf zu lachen

Auf den gut 350 Seiten, die das Buch umfasst, beschreibt Kerstin Schweighöfer allerhand Kuriositäten und Eigenheiten und stellt fest, dass die Niederlande mehr zu bieten haben als Käse und Coffeeshops. Sie erzählt von der kalvinistischen Lebensweise vieler Niederländer, dem Clash zwischen mürrischen, alten, konservativen und jungen, liberalen Niederländern, davon, dass Hausgeburten okay sind und der Hausarzt immer Recht hat. Geschmückt wird das Ganze immer wieder mal mit Ausdrücken aus dem Niederländischen (doch, so macht Sprachen lernen schon Spass). Wir wissen jetzt auch, dass die Hausbesetzer schon mal im Rotlichtviertel von Amsterdam landen.

“nog steeds zo verliefd – noch immer so verliebt?”

Das Ganze ist ja – zugegebenermassen – ganz unterhaltsam, insbesondere wenn die Grenze zu den Niederlanden keine Stunde Autofahrt entfernt ist und man da auch schon manchen Urlaub verbracht hat. Aber mal im Ernst: Muss denn auf jeder zweiten Seite erwähnt werden, dass Frankreich, Paris, Champagner eigentlich viel besser sind? Dass frau eigentlich lieber Pumps statt Klompen trägt? Hinzu kommt die nach 40 Seiten schon triefende Liebesgeschichte. Wir glauben natürlich, dass dieser Jan super ist – aber das erinnert doch häufiger mal an einen Groschenroman. Mal abgesehen vom Schreibstil (“Sexie-Hexie-Oma”, ernsthaft?), der manchmal eher an Oberstufe im Gymnasium erinnert, scheint das Buch deutlich auf die weibliche Zielgruppe ausgelegt zu sein. Schade. Trotzdem bietet “Auf Heineken könn wir uns eineken” eine erfrischende Geschichte, die mit allen Klischees aus den Niederlanden (aber gleichzeitig auch mal mit uns Deutschen) abrechnet, dem Leser eine Handvoll Eigenheiten des Tulpenvolks vorstellt und dabei nicht monoton wird – gibt ja genug zu erzählen. Wenn man es schafft, über die wirklich (!) nervige Romanze hinwegzusehen, bleiben 32 Kapitel Liebesgeschichte zu einem Land mitten in Europa, über das viele Menschen lachen, das aber ziemlich charmant, offen und durchaus interessant ist – auch mit Bitterballen statt Baguette.


Titel: Auf Heineken könn wir uns eineken – Mein fabelhaftes Leben zwischen Kiffern und Kalvinisten
Autorin: Kerstin Schweighöfer
Verlag: Piper Taschenbuch
Seiten: 352
Richtpreis: CHF 14,90

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