Stephan Serin: “Musstu wissen, weiss’du!”

„Wie heissen Sie noch mal?“

Stephan Serin: “Musstu wissen, weiss’du!” (Erfahrungsbericht)

Lehrer – das sind doch die Leute mit den unglaublich langen Ferien, ihres Zeichens Berufsjammerer? Stephan Serin nimmt einen einmal mehr mit in verschiedene Berliner Schulen und führt einem den anspruchsvollen, sehr oft unfreiwillig komischen Berufsalltag eines Lehrers vor Augen. Nach der Lektüre dieses selbstironischen Erfahrungsberichts werden die wenigsten mit ihm tauschen wollen – trotz der vielen Ferien.

Von Sandra Despont.

musstuwissenweissduStephan Serin, Erzähler und dem Autor biografisch nicht ganz unähnlich, ist nicht mehr Referendar, sondern waschechter, endausgebildeter Lehrer. Doch dank seiner Fächerkombination – Französisch und Geschichte – ist die Stellensuche alles andere als einfach. So schlägt sich der Junglehrer mit Stellvertretungen durch – und lernt dabei einige Niederungen deutscher Klassenzimmer und Schulen kennen.

„Ruhe. Der is sonst traurisch!“ – Auf der Suche nach Autorität

Die Erkenntnis trifft Stephan Serin hart: Trotz abgeschlossener Ausbildung ist der Umgang mit Schülern nicht leichter geworden. Was man sich über natürliche Autorität erzählt, scheint nicht mehr als ein Gerücht. Im Bemühen, von seinen Schülern respektiert zu werden, ist ihm daher jedes Mittel recht: Vom Fraternisieren mit den Alpha-Schülern der Klasse bis hin zu Rededuellen unter der Gürtellinie. Mit reichlich Selbstironie und ohne sich als begnadeter Schülerdompteur oder John-Keating-Nachfolger (der sagenhafte Schülerversteher aus „Der Club der toten Dichter“) zu inszenieren, entblösst er gnadenlos die Schwächen seiner Schüler, des Schulsystems und nicht zuletzt seine eigenen.

Realität oder Satire?

„Musstu wissen, weiss’du!“ ist oft sehr amüsant, manchmal zum Laut-heraus-Lachen, manchmal aber auch so überspitzt und abgedreht, dass man sich fragt, ob Serin hier tatsächlich Erlebtes und Erlittenes preisgibt und wenn dem so sein sollte, ob diesem Mann überhaupt etwas peinlich ist. Unverhohlen schildert er seinen manchmal beleidigenden Umgang mit Schülern, seine Begeisterung angesichts attraktiver Schülerinnen, seine feigen Fluchten vor Aufsichtspflichten und die verzweifelten Versuche hip zu sein. Das ist ehrlich, doch bei aller Ehrlichkeit wirkt dies immer auch ein bisschen selbstverliebt und überzogen, so dass man sich nicht immer ganz sicher ist, ob man hier nun einen echten, authentischen Erfahrungsbericht oder die Realität zugunsten der Pointe aufmotzende Satire vor sich hat. Ein ernsthafter Beitrag zum Thema Bildungssystem sieht bestimmt anders aus.

Unterhaltsam ist „Musstu wissen, weiss’du!“ aber allemal. Geeignet für Schüler, Lehrer und alle angehenden Lehrer, die bereit sind, ihrem grössten Albtraum in die Augen zu blicken.


Titel: Musstu wissen, weiss’du! Neues aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer
Autor: Stephan Serin
Verlag: rororo
Seiten: Seitenzahl
Richtpreis: CHF 16.90

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