Dominik Prantl: “Gipfelbuch”

Nichts wie los in die Berge

Dominik Prantl: “Gipfelbuch” (Ratgeber)

Was sollte der Berggänger von heute wissen? Dieser Frage geht Dominik Prantl in seinem Buch nach. Der Weg vom Start bis zum Gipfel und wieder hinunter führt entlang an grundlegenden Ausrüstungstipps, meteorologischen Bedingungen, Flora und Fauna und Empfängnisverhütung. Auf unterhaltsame und spielerische Weise bringt Prantl einem die Bergwelt näher.

Von Luzia Zollinger

gipfelbuchGeübte Bergsteiger, Wanderer und Kletterer kennen es, das Gefühl vom unendlich hoch scheinenden Berg. Und Menschen, die sich nicht wie Gämsen in den Bergen bewegen, wird nur schon beim Gedanken mulmig, einen Berg zu besteigen. Doch keine Angst, wir alle können es schaffen. Vielleicht auch dank Dominik Prantls “Gipfelbuch”.

Nützliches und Unterhaltendes

Stück für Stück und ganz sachte führt einen der Journalist der Süddeutschen Zeitung in die Welt des Alpinismus ein. Er beginnt das Buch mit den grundlegenden Dingen, der Ausrüstung. Wer viel in den Bergen unterwegs ist, denkt sich, was soll diese detaillierte Auflistung. Dies kenne ich doch schon alles. Stimmt. Denn das Buch ist vor allem für Anfänger am Berg sehr informativ. Aber auch eingefleischte Berggänger können durch das amüsante Werk noch einiges Neues lernen. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass Seilbahnen als sicherstes Verkehrsmittel gelten? Oder dass das bekannte Volkslied “Im Frühtau zu Berge” eigentlich im Original aus dem Schwedischen von Olof Thunman kommt? Oder dass es in Russland einen Berg mit dem Zungenbrecher-Namen Alnei-Tschaschakondscha gibt? Diese und noch viele weitere unterhaltsame Anekdoten hat Prantl in sein Buch verpackt. Doch in “Gipfelbuch” kommen auch ernste Themen wie unterschiedliche Wetterlagen zur Sprache. Man muss kein Meteorologe sein, um die Wolken richtig deuten zu können. Prantl stellt die zehn verschiedenen Gattungen kurz und präzise vor. Genauso wie auch die anderen besprochenen Themen. Man muss sich nie zuerst durch seitenlange wissenschaftliche oder theoretische Informationen kämpfen. Prantl kommt schnell auf den Punkt.

Kulinarisches und Skurriles

Bevor man sich den einzelnen Episoden widmen kann, muss man sich zuerst ans Buch getrauen. Auf den ersten Blick scheint es, als wäre das Buch umhüllt von einer kratzigen Hütten-Wolldecke, die schon viele Übernachtungsgäste bedeckt hat. Selbstverständlich ist die Hülle keine davon. Und in manchen Hütten gibt es heute auch nicht mehr nur noch diese Decken des Alptraumes. Wer trotzdem nicht schlafen kann, brennt sich zur Sicherheit im Voraus einen Enzianschnaps, nach Prantls Rezept. Oder wie wäre es mit Murmeltier-Ragout und Kaiserschmarrn als Dessert?

Prantl hat in seinem Buch wirklich an jedes noch so wichtige Thema gedacht. Was für den einzelnen Leser wichtig ist, ist relativ. Prantl möchte beispielsweise die Empfängnisverhütung nicht unbehandelt lassen, was einem zuerst skurril erscheint. Wer in die Berge geht, kommt wohl nicht zuerst auf diese Gedanken. Aber Prantl sagt: “Die Berge sind auch das Terrain der Romantiker”. Da hilft es, die vorsorglichen Massnahmen zu beachten. Der vom Dachverband der nationalen Bergsportvereinigungen herausgegebene Leitfaden wird in den wichtigsten Punkten dargestellt.

“Gipfelbuch” ist eine literarische Reise durch die manchmal skurril und grob erscheinende Bergwelt. Es ist unterhaltend und kann durchaus auch als Nachschlagewerk mit lockerer Sprache angesehen werden.


Titel: Gipfelbuch
Autor: Dominik Prantl
Verlag: Süddeutsche Zeitung Edition
Seiten: 350
Richtpreis: CHF 29.90

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