Heather Poole: “Wir haben soeben unsere Reiseflughöhe vergessen”

Turbulenter Beruf über den Wolken

Heather Poole: “Wir haben soeben unsere Reiseflughöhe vergessen” (Erlebnisbericht)

In ihrer Karriere als Flugbegleiterin erlebt Heather Poole einiges: Hemmungslose Prominente, zankende Passagiere und ruhelose Nächte am Boden. Und sie verrät Tipps, wie man möglichst wenige Dinge in die Koffer packt. Das Buch bietet beste Unterhaltung und oft kann man sich das Lachen nicht verkneifen.

Von Luzia Zollinger

wirhabensoebenunserereiseflughöhevergessen“Wahnsinn? Was genau ist Wahnsinn?” Mit diesen beiden Fragen beginnt Heather Poole ihr Buch. In Flugzeugen verhalten sich Menschen anscheinend immer etwas anders als im normalen Alltag. Dies hat auch die Flugbegleiterin Poole tagtäglich in ihrem Beruf erlebt. Beispielsweise streiten sich drei Passagiere um ein und denselben schlechten Platz. Der eine will dafür einen Gratis-Drink, der andere setzt sich auf den Boden vor die Toiletten und besteht weiter auf den schlechten Platz. “Damit war es offiziell – wir hatten den personifizierten Wahnsinn gefunden”, hält Poole diese Situation amüsant fest.

Flugbegleiterin: Traumberuf oder nicht?

Die Online-Kolumnistin wollte eigentlich gar nie Flugbegleiterin werden. Der einzige Grund, wieso sie sich damals trotzdem dafür entschied, war, dass sie von ihrer nervigen Zimmergenossin fliehen wollte. Und ihre Mutter spielte zusätzlich eine Rolle. Denn diese hatte ihr ganzes Leben lang von einer Karriere als Flugbegleiterin geträumt. So beginnt Poole schlussendlich bei Sun Jet, einer Billigairline mit schlechtem Ruf. Die Verspätungen wegen technischer Probleme sind nur einer der Gründe, der zu diesem Ruf geführt hat.

Anschaulich und mit einer sehr lockeren Sprache schildert Poole die verschiedenen Begebenheiten im Leben einer Flugbegleiterin. Zum Beispiel das Packen der Koffer. Als Poole zu ihrem zweiten Lehrgang eingeladen wird, darf sie gerade einmal zwei Gepäckstücke mitnehmen. Sieben Wochen Kleider auf zwei Koffer verteilt, eine Horrorvorstellung für die Amerikanerin. Am Zielort angekommen, wirklich nur mit den beiden Koffern, trifft Poole auf ihre Zimmergenossin. Von nun an gibt es keine ruhige Minute mehr. Doch daran muss sich Poole von Anfang an gewöhnen. Denn als sie ausgebildete Flugbegleiterin ist, wohnt sie in einer Flieger-WG mit sechs anderen Personen. Ein einziges Kommen und Gehen steht da auf der Tagesordnung. Ein turbulentes Leben ist vorprogrammiert.

Die harte Realität

Eigentlich dürften Flugbegleiter nicht über Prominente an Bord sprechen. Poole macht es trotzdem, aber anonym. Eine Komikerin hat dem Piloten verboten, während des Fluges Durchsagen zu machen. Ihr Baby könne ansonsten nicht schlafen. Eine Künstlerin hat einen Vortrag darüber gehalten, wie wichtig es sei, die eigene Mutter anständig zu behandeln. Ein anderes Mal sitzt Poole im Cockpit und hört einen Fluglotsen über Funk irgendetwas sprechen. Sie versteht nichts, der Akzent ist zu stark. Der Kapitän spricht zurück und drückt an einigen Knöpfen herum. Poole starrt ihn an und wundert sich, dass er das Gesagte verstanden hat. Als Antwort erhält sie: “Ich verstehe ihn nicht. Ich bin die Strecke nur schon so oft geflogen, dass ich genau weiss, was ich tun muss.”

Wer nach der Lektüre des Buches immer noch Flugbegleiter werden möchte, wünscht sich einen abwechslungsreichen, hektischen und immer turbulenten Job. Unzählige skurrile, aber auch schöne Erlebnisse mit Passagieren inklusive. Doch Poole nimmt so manchem Mädchen auch die Träume. In der Welt herumzufliegen ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Zeitverschiebungen und Kranksein sind nur zwei von vielen unangenehmen Dingen. Ebenso darf man als Anfängerin keinen für einen vorgesehenen Flug verpassen. Ansonsten ist es mit der Karriere schneller vorbei als gedacht.


Titel: Wir haben soeben unsere Reiseflughöhe vergessen
Autorin: Heather Poole
Übersetzerin: Andrea Brandl
Verlag: Ullstein Extra
Seiten: 320
Richtpreis: CHF 20.90

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