Steve Mosby: “Schwarze Blumen”

Weniger ist mehr

Steve Mosby: “Schwarze Blumen” (Thriller)

In seinem vierten Thriller „Schwarze Blumen“ bietet Steve Mosby ein ungewöhnliches Erzählkonzept: eine Geschichte mit schwer durchschaubarer Mischung aus Fiktion und Realität, welche aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Für Verwirrung und Überforderung beim Lesen ist also gesorgt.

Von Birke Tunç

schwarzeblumenThriller sind doch irgendwie immer gleich: eine brutal verstümmelte Leiche nach der anderen, ein Psychopath mit einer schwierigen Kindheit aus der sich, für den Normalbürger jedenfalls, fragwürdige Gelüste entwickelt haben, und ein Ermittler, der ständig in Todesgefahr schwebt. Wenn der Thriller gut ist, dann gibt es eine gute Portion Nervenkitzel dazu. Diejenigen, die genau so denken und glauben, alles zu kennen, was das Genre zu bieten hat, belehrt Steve Mosby eines Besseren.

Eingeholt von der Vergangenheit

Das Ganze beginnt schon mit einem ziemlich rätselhaften Einstieg in die Geschichte: In Faverton, einem kleinen englischen Ferienort, taucht eines Tages wie aus dem Nichts ein kleines Mädchen auf. Sie wirkt verstört und hält eine schwarze Blume in der Hand. Der Polizei erzählt das Mädchen eine grauenerregende Geschichte: Sie sei von der Farm geflohen, wo sie mit ihrem Vater lebe, der Frauen entführt und sie dann zu Tode quält. Als die Polizisten nach der Farm suchen, müssen sie bald feststellen, dass diese gar nicht zu existieren scheint. Die Geschichte des Mädchens taucht zur selben Zeit in einem Kriminalroman namens „Schwarze Blumen“ auf. Der Verfasser des Romans wurde allerdings ermordet. Niemand scheint sich das alles erklären zu können.

Es folgt ein Zeitsprung von 30 Jahren und die Geschichte teilt sich in drei verschiedene Erzählstränge: Einerseits ist da Neil Dawson, dessen Welt plötzlich Kopf steht. Die Leiche seines Vaters Christopher wird aufgefunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Neil kann das aber nicht glauben und stellt Recherchen an. Dabei findet er ein Buch mit dem Titel „Schwarze Blumen“, welches seinen Vater sehr beschäftigt zu haben scheint. Der Verfasser des Buches, der vor Jahren ermordet wurde, war ein Freund von Neils Vater. Kurz nach diesem Fund erhält Neil einen Anruf von einem Unbekannten: seine schwangere Freundin wurde entführt. Wenn Neil sie zurück haben will, soll er die vor 30 Jahren verschwundene Tochter des Anrufers finden.

Als ob das nicht schon genug wäre, wird in einem zweiten Erzählstrang die Geschichte der Polizistin Hannah Price erzählt. Auch ihr Vater ist kürzlich gestorben und auch sie entdeckt, dass ihr Vater Geheimnisse hatte. In seinem Haus findet sie eine alte Karte, auf dem Fundorte von Leichen, darunter diejenige von Neils Vater, mit roten Kreuzen gekennzeichnet sind. Hannah wird schnell klar, dass ihr Vater nicht der Mann war, für den sie ihn hielt. Daraufhin stellt sie, ohne jemandem davon zu erzählen, selber Ermittlungen in der Sache an.

Und damit der Leser mit der Handlung des Buches auch wirklich überfordert ist, wird im dritten Erzählstrang die Geschichte des Mörders Cartwright erzählt, der mit seiner „Familie“ auf einer abgelegenen Farm lebt. Dabei ist zunächst nicht klar, ob das Ganze der Realität entspricht oder ob es sich dabei nur um Auszüge aus dem Buch „Schwarze Blumen“ handelt.

Durchhalten ist angesagt!

Es fällt dem Leser nicht leicht, bei „Schwarze Blumen“ den Überblick zu behalten, denn die Abfolge der Handlung ist sehr verworren. Zunächst erscheinen die Geschichten verwirrend und undurchschaubar. Man fühlt sich also anfangs ein wenig erschlagen von der Komplexität. In ganz kleinen Schritten werden die Zusammenhänge zwischen den drei Erzählsträngen deutlich gemacht, wobei es sich Steve Mosby allerdings nicht nehmen lässt, den Leser noch mehr zu überfordern, indem er ihn immer wieder auf die falsche Fährte lockt. Was der englische Autor damit bestimmt nicht beabsichtig hat, ist die Tatsache, dass das komplexe Zusammenspiel der drei Perspektiven immer wieder von der Spannung ablenkt.

„Schwarze Blumen“ ist einfach und bildreich geschrieben. Doch auch hier macht die Komplexität Steve Mosby einen Strich durch die Rechnung: Der Lesefluss wird durch den permanenten Szenewechsel erschwert. Auch die Tatsache, dass ständig eine bestimmte Handlung oder ein Gedankengang in die Länge gezogen werden, nimmt der Geschichte an Spannung.

Doch wenn man mal in die Handlung des Romans hineingefunden hat, beginnt man den vielschichtigen und ungewöhnlichen Plot zu schätzen und ist gefesselt vom Buch. Dabei kommt zwar selten Nervenkitzel auf, doch darum ging es Mosby wahrscheinlich gar nicht in erster Linie. Im Vordergrund stehen die drei Erzählstränge und die Frage, wie sie denn nun zusammengeführt werden sollen. Dafür verlangt der Autor dem Leser sehr viel Aufmerksamkeit ab und deshalb ist „Schwarze Blumen“ von Steve Mosby auch keine Buch für Zwischendurch. Auf jeden Fall hebt sich das Buch so vom Einheits-Thriller ab.


Titel: Schwarze Blumen
Autor: Steve Mosby
Übersetzer: Anke und Eberhard Kreutzer
Verlag: Droemer
Seiten: 395
Richtpreis: CHF 21.90

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