Dieter Wunderlich: “Verführerische Frauen”

Ein historischer Abriss von Kleopatra bis Monica Lewinsky – ein Versuch

Dieter Wunderlich: “Verführerische Frauen: elf Porträts” (Sachbuch)

Was haben Kleopatra, Charlotte von Stein und Prinzessin Diana gemeinsam? Nach Dieter Wunderlich sind diese Frauen über Zeit und Raum durch ihre Macht der Erotik verbunden. Die elf porträtierten weiblichen Persönlichkeiten sollen über Jahrhunderte hinweg bedeutende Männer betört und auf diese Weise die Geschichte beeinflusst haben.

Von Melanie Martin.

verführerischefrauenMacht, Frau, Erotik – Eine Kombination an Schlagworten, die normalerweise eingesetzt wird, um Kassen klingeln zu lassen. Auch Dietrich Wunderlich setzt diese geschickt in seiner neuen Publikation ein – jedoch nicht (nur) aus Gründen der Verkaufsstrategie.

Der Weg zur Verführung

Zunächst lohnt sich ein Blick auf die Lebensgeschichte des Autors. Denn diese ist nicht weniger interessant als der Buchinhalt selbst. Der Diplompsychologe und ehemalige Manager eines internationalen Unternehmens macht 1999 eine Lebenswende und widmet sich seither literarisch hauptsächlich dem anderen Geschlecht: «EigenSinnige Frauen», «WageMutige Frauen», «AusserOrdentliche Frauen» sind unter seinem Namen erschienen und bereiteten den Weg für seine neue Publikation «Verführerische Frauen».

Die Geschichte der Frauen

Schon lange Zeit ist es ein zentrales Anliegen von Feministinnnen und gleichgesinnten Männern, die Rolle der Frauen in den unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar zu machen. Auch Dieter Wunderlich verfolgt dieses Ziel mit seiner spannenden Auswahl an gut recherchierten Porträts. Diese wurden zeitlich linear geordnet – ein historischer Abriss von Kleopatra bis Monica Lewinsky sozusagen. Alle diese Frauen waren oder sind zweifelsohne unkonventionell, sexuell aktiv und charakterstark – wie viele andere Frauen auch. Sie haben Einfluss geltend gemacht und sich ihre Freiheiten trotz Restriktionen erkämpft. Weshalb der Autor  jedoch die Erotik dieser Frauen so stark in den Vordergrund stellt, wird weder aus dem Text noch durch eine Einleitung ersichtlich.

Das Verhängnis

Leider wird dem Autor die Genauigkeit seiner Recherche zum Verhängnis. Die unzähligen Jahresangaben, Namen und Ereignisabfolgen erinnern an eine historische Berichterstattung und verhindern auf diese Weise, dass die Charaktere zum Leben erweckt werden. Vielleicht doch ein etwas optimistisches Unterfangen, das Leben von elf starken Persönlichkeiten auf 284 Seiten darzustellen? Insbesondere wenn die angeblich betörten Männer – wir reden hier von Cäsar, D. H. Lawrence, Goethe, König Edward VIII u.a. – über lange Textpassagen hinweg im Vordergrund stehen. Ich kann mich nicht ganz des Zweifels erwehren, dass trotz guter Intentionen auch dieser Autor in die Falle getappt ist, weibliche Persönlichkeiten auf Schlagworte wie «Macht, Frau, Erotik» zu reduzieren.


Titel: Verführerische Frauen: elf Porträts
Autor: Dieter Wunderlich
Verlag: Piper
Seiten: 284
Richtpreis: 16.90 CHF

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