Einer dieser Tage

Einer dieser Tage

Das war genau wieder einer dieser Tage, die nur dann vorkommen, wenn der Chef in den Ferien weilt!

Nein, sitze nicht auf der Veranda, wenn ich diese Buchstaben tippe, denn die Sonne ist schon längst vom Horizont verschluckt worden. Doch lasst uns zurückblicken an den Anfang.

Packe noch ein paar Werkzeuge ein, dann gehts los auf die Wassertrog-Kontroll-Tour. Mit dabei Stifler und Monkey. Wir fahren über die Naturstrasse hinaus in den Busch. Kängurus springen durch die Steppen. Papageien fliegen auf. Es scheint ein ganz normaler Rundgang zu werden. Scheint!

Ein fast schützenswertes Moorgebiet empfängt mich vor dem letzten Brunnen. Oha lätz, da ist glaub jemand nicht mehr ganz dicht. Stelle den Motor ab. Wate prüfend einmal um den Betontrog. Die Ursache ist schnell gefunden, verrutscht ist der Gummiring am Wasserspender. Zurück zum Auto. Grabe aus der Stahlkiste die passenden Zangen hervor. Fange an rumzubasteln. Schraube. Würge. Hole den Hammer. Die Hunde beob achten mich aus dem Schatten. Schlage einmal kräftig auf den verrosteten Drehbolzen. Na also, geht doch!

Rücke die schwarze Dichtung zurecht und setze die Teile wieder zusammen. Wunder-bar, das wäre geschafft! Rufe meine beiden Begleiter zurück, mache mich auf den Heimweg. Im einen Paddock campen Kühe und Kälber auf der Road. Im nächsten ist der Weg wieder frei.

Schon etwas langweilig, diese Gerade. Kein Rank, keine Kurve, nichts. Fahre und fahre, beglei-tet vom eintönigen Summen des Motors.

Urplötzlich taucht eine Rieseneidechse mitten auf der Strasse auf. Nicht grad ein prickelnder Platz, den sie da für ihr Sonnenbad ausgesucht hat! Bremse. Reisse mein Steuerrad herum. Der Wagen schleudert. Gebe etwas Gegensteuer. Stoppe! Puh, Glück gehabt! Aber mir ist, als hätte ich was verloren.

Steige aus. Oh, nein! Ziemlich ramponiert liegt er am Boden. Der portable Luftkompressor. Hat ihn doch in hohem Bogen weggespickt. Verdammt! Gut, ist meine Schuld. Also nicht fluchen! Ziehe die Rampe vom Pick-up aus. Murkse das schwere Ding wieder in kräfte- und zeitaufwendiger Arbeit, auf die Ladefläche. Ja! Ja, die Eidechse hats überlebt. Wenn sie nicht von jemand anderem überfahren wurde, wird sie wohl noch heute auf der Strasse sitzen und sich sonnen…

Es ist Nachmittag geworden. Laufe hinter die Scheune, um Sättel zu pflegen. Schmiere und öle. Höre die Pferde wie die Verrückten herumgaloppieren. Sage zu Monkey: «Aha, Troubles im Paradies… Mal schauen, was der Grund dafür ist», und lege die Sättel zur Seite. Bin kaum über den Zaun des Paddocks geklettert, rasen die Jungpferde auch schon an mir vorbei. Verfolgt vom Hengst. Hengst? Was hat der denn hier zu suchen? Er und eine weitere Stute sollten eigentlich in einem anderen, zwanzig Kilometer entfernten Paddock stehen! Ach du lieber Himmel…

Der Fremdling galoppiert mit gebleckten Zähnen direkt auf einen der Wallache zu. Dieser sucht, so schnell er kann, das Weite. Renne in die Scheune, starte mein 4-Rad- Bike. Nun kann das Kräftemessen beginnen!

Der Casanova nimmt mich erst gar nicht ernst. Mit ein paar Schleuderstopps meinerseits, die so dicke Staubwolken produzieren, dass ich selber nichts mehr sehe, gewinnt der Hengst Respekt. Er jagt davon, ich hintendrein. Er schneidet eine Kurve. Prescht durchs Gebüsch. Springt in den Wasserdamm, schwimmt zur anderen Seite.

Intelligentes Tier. Muss den langen Weg um den Tümpel herumdüsen. Der Hengst dreht um. Trabt exakt den Weg retour, den er grad gekommen ist. Mist! Kurve zurück. Jage ihn aufs offene Feld. Er hat wieder den Damm im Visier. Schlaues Kerlchen! Aber diesmal schneide ich ihm vorher den Weg ab. Scheuche ihn mit den anderen Pferden ins Round-Pen (eingezäunter Kreisel). Komme grad noch dazu, das Gatter zuzuschlagen, bevor der Hengst merkt, dass dies eine Sackgasse ist. Nun ist Nervenstärke gefragt. Die Luft zerreisst fast vor Spannung. Muss alle Tiere, bis auf den Unruhestifter und seine Freundin, wieder ins Paddock entlassen. So kann ich anschliessend die Stute ans Halfter nehmen, und hoffen, dass der Hengst ihr folgt.

Siehe da, wer hätte es gedacht: Mein Plan funktioniert. Kutschiere die beiden nach rund einer Stunde wieder ins richtige Paddock. Jetzt den Zaun auf die Ausbruchsstelle checken. Fahre das Gehege etwa 10 Kilometer ab.

Ganz am Ende, als ich schon nicht mehr glaubte, das Leck zu finden, steht ein Tor mit gebrochenem Kettenschloss offen. Flicke die Stelle mit Drähten. Wunderbar.

Auf geht es heimwärts. Lenke direkt zur kaputten Stelle im Horse-Paddock. Sieht aus, als möchte unser Casanova keine Springkarriere starten. Er ist nämlich einfach durch den Zaun durchgefegt. Inzwischen ist die Sonne untergegangen. Repariere noch im Zwielicht der Dämmerung die abgerissenen Drähte. Dann ist Feierabend.

So, das war eben einer dieser Tage… Das Schöne ist: auch diese Tage kennen Abende.

Es grüsst aus dem Land, in dem es niemals langweilig wird, Aurelia

Zu: Episode 15 – Englische Sprache – schwere Sprache

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