Das Gesundheitswesen der USA: innovativ und teuer

Der amerikanische Patient

Barack Obama unterzeichnet 2010 die Gesetzt zur Gesundheitsreform

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist auch das Land der Gegensätze. Dies zeigt sich nicht zuletzt am Gesundheitswesen. Einerseits verfügen die USA über modernste Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, andererseits müssen Patienten wegen fehlender Krankenversicherung auf wichtige Behandlungen verzichten.

Von Martin Geiser

Gleich am ersten Tag seiner Präsidentschaft würde Mitt Romney, Kandidat der Republikaner, die von seiner Partei erbittert bekämpfte Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama rückgängig machen. Das umstrittene Gesetz, der „Patient Protection and Affordable Care Act“ wurde von Obama 2010 unterzeichnet. Und 2012, nach einer Verfassungsklage, bestätigte das oberste Gericht der USA, der Supreme Court, das Gesetz weitgehend.

46 Millionen Amerikaner ohne Versicherungsschutz
Die Absicht des von den Gegnern spöttisch „Obamacare“ genannten Gesetzeswerks: In Zukunft sollen mehr Amerikaner eine Krankenversicherung erhalten. Denn bis jetzt sind rund 15 % der Einwohner der USA nicht gegen Krankheit versichert. Werden sie krank oder erleiden sie einen Unfall, bezahlt erst einmal niemand.

In solche Notsituation gelangen vor allem Alleinstehende mit geringem Einkommen und Arbeitslose. Dagegen können Rentner, Behinderte und ärmere Familien mit Kindern auf  staatliche Krankenversicherungen Medicare und Medicaid zählen. Bei privaten Versicherungen untergebracht sind die meisten Angestellten. Sie sind  bei der Krankenkasse versichert, mit der ihr Arbeitgeber einen Vertrag abgeschlossen hat. Der Betrieb bezahlt auch einen Teil der Prämien.

Doch wer seine Arbeit verliert, steht ohne diese finanzielle Unterstützung da. Und nicht wenige können sich die Krankenversicherung dann nicht mehr leisten. In einer solchen Situation überlegen sich Kranke zweimal, ob sie eine wichtige, aber ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigende Behandlung auch wirklich machen wollen. Denn nur wessen Leben akut bedroht ist, wird im Spital kostenlos versorgt – zumindest bis sich sein Zustand stabilisiert hat.

Die Kosten für solche Notfälle übernimmt das Krankenhaus. Es überwälzt dann die Kosten – versteckt – auf die zahlenden Kunden. Dies dürfte mit ein Grund sein, warum die Preise in US-Spitälern, verglichen mit andern Ländern, so hoch sind. Eine grössere Rolle spielt allerdings die in der Regel ausgezeichnete Infrastruktur.

Spitzenmedizin zu Spitzenkosten
Zum Beispiel herrscht alles andere als Mangel an Magnetresonanz- (MRI) oder Computertomographen (CT). Pro Million Einwohner gibt es etwa 32 MRI- und 40 CT-Scanner. Zum Vergleich: Selbst in der auch nicht gerade armselig ausgestatteten Schweiz sind es „bloss“ 18 bzw. 33 solcher Röhren, in Grossbritannien 6 bzw. 9. Die Geräte kosten meist mehr als eine Million Dollar.

Nicht nur der Patient, der ein Spital besucht, muss tief in die Tasche greifen. Auch das US-Gesundheitswesen insgesamt ist enorm teuer. Zwei Gründe dafür sind Die vergleichsweise hohen Löhne der Ärzte  und die gewinnorientierten Krankenkassen mit ihren hohen Verwaltungskosten.

Vereinigte Staaten der Fettleibigen

Nicht zu vergessen ist der Lebensstil der Amerikaner. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele übergewichtige und fettleibige Menschen wie in den USA. Und diese werden eher krank: Sie besitzen ein viel höheres Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden und an Diabetes zu erkranken. Die Zahlen dazu: Etwa zwei Drittel der Bevölkerung gilt als übergewichtig – hat damit einen Body-Mass-Index von über 25 kg/m2. Etwa ein Drittel gilt sogar als fettleibig (BMI über 30).

Der Lebensstil schlägt sich auch in der Lebenserwartung nieder. Lebten die US-Bürger etwas gesünder, lägen sie mit 78,1 Jahren in der Weltrangliste wohl nicht nur auf Platz 50, knapp vor Albanien.

Doch dass sich die Gesundheitssituation der Amerikaner in Zukunft verbessern wird, ist nicht abzusehen. Denn auch in die Prävention investieren die USA nur halbherzig. Und die Mahlzeit mit dem 1-Liter-Becher Cola, den Pommes-Frites und dem 1000-Kalorien-Hamburger gehören auch weiterhin zum Amerikanischen (Alp-)Traum.

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