Wolfram Eilenberger: “Kanada kann mich mal”

Mit Kind und Kegel nach Kanada

Wolfram Eilenberger: “Kanada kann mich mal” (Sachbuch)

Wolfram Eilenberger ist ein Reisender. Das hat zur Folge, dass er nicht stillsitzen kann. Seine beiden Zwillingstöchter halten ihn auch auf Trab, sei es auf dem Schulweg oder Zuhause. Auch sprachlich wird es dem Deutschen nie langweilig: Seine Frau ist Finnin und er fühlt sich der Sprache auch nach vielen Jahren immer noch nicht mächtig. Eine Liebeserklärung an Kanada ist das Buch nicht. Trotzdem scheint sich Eilenberger dort wohl zu fühlen und präsentiert uns humorvolle Alltagsanekdoten aus seinem Leben.

Von Luzia Zollinger.

kanadakannmichmal“Stimmt. Es gibt keinen Grund, sich ernsthaft für mein Leben zu interessieren.” Mit dieser saloppen Feststellung beginnt Wolfram Eilenbergers Buch. “Lohnt es sich denn überhaupt, weiterzulesen?”, fragt sich der aufmerksame Leser. Ja, es lohnt sich. Zumindest für all jene, die sich für Sendungen wie “Goodbye Deutschland”, “Uf u dervo” oder wie die Auswandersendungen alle heissen, interessieren. Aber im Gegensatz zu den besagten Sendeformaten muss sich der Leser mit “Kanada kann mich mal” überhaupt nicht fremdschämen.

Mann nimmt sein Leben nicht allzu ernst

Die grösste Sorge des deutschen Philosophen ist das Organisieren des Kindergeburtstages für eine seiner Töchter. So süss, denkt man sich. Dann geht es dem Auswanderer in Kanada scheinbar wirklich gut, wenn er sonst keine Probleme hat. Stimmt natürlich nicht, denn ein Leben weitab von der Heimat ist selten einfach. In Nordamerika beispielsweise hat Eilenberger extrem Mühe, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Mehr als ein “How are you? I’m fine, and how are you?”, kommt selten zu Stande. “Frage, Lüge. Gegenfrage, Gegenlüge. Ein trauriges Schauspiel, so gesehen”, hält Eilenberger diese Gegebenheiten fest. Wie Recht er doch hat.

Und trotzdem lebt dieses unterhaltsame Buch von solchen Alltagssituationen in Kanada. Und zwischendurch auch in Finnland und Deutschland. Denn der Autor ist in Deutschland aufgewachsen und hat auch viele Jahre in Finnland gelebt, der Liebe wegen. Seine Frau ist Finnin. Dies verleiht der Geschichte die nötige Prise Humor. Immer wieder lässt er seine Frau Pia sprechen – und zwar in gebrochenem Deutsch, eins zu eins aus dem Finnischen übersetzt. Wer eine der skandinavischen Sprachen spricht, weiss, wie amüsant sich dies anhört. Eilenberger nimmt sich selbst aber auch nicht so ernst und kann ebenso darüber lachen, dass er nach vielen Jahren immer noch wenig Finnisch versteht, geschweige denn spricht.

Kinderleben in Kanada

Seine beiden Zwillinge Tyyne und Tuuli sind Eilenbergers ein und alles. Sie nehmen eine wichtige Rolle im Buch ein. So sehr, dass man sich als Leser manchmal wünscht, etwas mehr über Land und Leute in Kanada zu erfahren. Aber darüber gibt es bereits viel Literatur. Deshalb ist es eigentlich lobenswert, bleibt Eilenberger vor allem bei Themen rund um Kinder. Beispielsweise die Begleitung auf dem Schulweg: “Anders als in Deutschland, wo Kinder ab der ersten Klasse allein zur Schule laufen dürfen (nicht zu reden von Finnland, wo ich mit eigenen Augen Vierjährige selbstbewusst hauptstädtische Strassenbahnen betreten und dort per Handy miteinander scherzen sah), ist es Eltern in Kanada rechtlich untersagt, den Nachwuchs vor Erreichen des zehnten Lebensjahres unbeaufsichtigt auf die Strasse zu lassen.”

Die Sprache des Buches ist, als plaudere Eilenberger aus dem Nähkästchen. Wer gerne wieder einmal ein lockeres Buch lesen möchte, ohne über den Inhalt viel nachzudenken, ist mit “Kanada kann mich mal” gut bedient. Zumal der Humor alles andere als zu kurz kommt.


Titel: Kanada kann mich mal
Autor: Wolfram Eilenberger
Verlag: Blanvalet Verlag
Seiten: 224
Richtpreis: CHF 24.50

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